Drei Gustav-Adolf-Worte.
Von Oberpfarrer Wollesen Werben-Elbe.
Unser Monatsblatt hat ja allerdings in erster Linie die Aufgabe, die kirchlichen Nöte in der Diaspora zu schildern und dadurch immer wieder die Liebe der heimatlichen Kirche zur Beseitigung solcher Nöte wachzurufen. Aber unser Blatt wird in zweiter Linie auch gern bereit sein, Beiträge zur Gustav-Adolf-Geschichte unserer Provinz zu veröffentlichen, dient es doch auch dadurch seiner Hauptaufgabe, Liebe für die Gustav-Adolf-Sache zu wecken. Wer weiß, wie sehr gerade die Geschichte unserer Provinz mit der des Helden Gustav Adolf verknüpft ist, der wird auch immer willig sein, das Werk, das er einst mit den Waffen von Eisen begonnen, mit den Waffen des Geistes fortzusetzen.
Neben den bekannten großen Gustav-Adolf-Stätten unserer Provinz ist eine Stätte bisher sehr unbeachtet geblieben, daß der Havelmündung gegenüber belegene Städtchen Werben in der Altmark. Und doch hat Gustav Adolf in der Nacht vom 11. zum 12. Juli 1631 in einem Hause am Markte logiert, dann über einen Monat lang sein Zelt mitten unter seinen zwischen Elbdeich und Elbe kampierenden Truppen bewohnt, dann das Bündnis mit dem Landgraf Wilhelm von Hessen-Kassel geschlossen, die gewichtigen Verhandlungen mit dem Abgesandten des sächsischen Kurfürsten gepflogen, seine Finanzen restauriert, kurz, den Siegeszug durch Mittel- und Süddeutschland vorbereitet. Nicht wahr, eine solche Gustav-Adolf-Stätte ist es wohl wert, daß ihre Geschichte hier ein bescheidenes Plätzchen findet.
Es ist nun nicht die Absicht, die Gustav-Adolf-Geschichte Werbens bis ins Einzelste hier zu schildern, nein, es wird nur beabsichtigt, diese Geschichte so weit heranzuziehen, wie notwendig ist, um drei Aussprüche Gustav Adolfs, die er damals hier getan, recht zu verstehen.
Gustav Adolf vertrieb die Kaiserlichen aus Tangermünde, bezog die dortige alte Burg und beschloß, sich an einem festen Ort niederzulassen und abzuwarten, „was es mit den Kaiserlichen Waffen gegen die alliierten Stände in Oberdeutschland und mit dem Mißverständnis zwischen Kursachsen und Tilly für einen Ausgang nehmen würde." Ein solcher fester Ort schien ihm das Städtchen Werben zu sein. Hier konnten von den an der Havel belegenen Ortschaften Lebensmittel den Strom herunter mit leichter Mühe dem Heere zugeführt werden. „Und wenn nun wirklich der Feind zu beiden Seiten der Elbe mit großer Gewalt gegen ihn andringen würde, so würde ihn doch die Havel stutzend machen, daß er ihm das Land über der Havel nach Norden zu frei lassen mußte und ihm die Fourage von dort her nicht benehmen oder auch die Retraite dahin im Falle der Not nicht verwehren konnte." Infolge dieses wohlerwogenen Planes kam der König mit seinem ganzen Heere nach Werben, um dort das feste Lager zu beziehen. Bei der ersten Besichtigung Werbens soll er gesagt haben, es nehme ihn Wunder, daß die Kriegserfahrenen diesen Ort so schläfrig aus der Acht gelassen, desgleichen er noch nirgends bisher in Deutschland gefunden, der zur Befestigung mehreres tauglich wäre.
Der Geschichtsschreiber Werdenhagen, der uns dies erste Gustav-Adolf-Wort mittheilt, fügt zur Bekräftigung ausdrücklich hinzu: „Und dieses habe ihm ein guter Freund erzählt, der es damals aus des Königs Munde selbst gehört habe".
Dies Wort legt ein glänzendes Zeugnis für Gustav Adolfs Feldherrnblick ab. Der Erfolg gab ihm Recht. So vorzüglich war diese Stellung, daß Tilly und Pappenheim sie vergeblich zu bestürmen und zu erobern versuchten; sie mußten unverrichteter Sache wieder von Werben abziehen.
Um aber vor einem Überfall auf der linken Seite des Lagers sicher zu sein, wurden die Kaiserlichen aus Havelberg vertrieben. Der schwedische Obrist Winkel ging mit seinen Soldaten durch den Fluß bis an die Schultern, machte alles, was im Wasser stand, nieder und nahm mehr als 400, welche das Gewehr streckten, gefangen. Als die Gefangenen vor den König gebracht wurden, knieten sie alle vor ihm nieder und baten um Gnade. Er aber sagte:
„Stehet auf, betet Gott an und dankt Ihm für euer Leben. Ihr wäret wert, daß man mit euch eurem eigenen Exempel nach prozedierte; denn ihr geht mit den unschuldigen armen Leuten um ärger als die Türken."
[Bild] Der Elbturm in Werben.
War uns das erste Gustav-Adolf-Wort ein Beweis seines Feldherrnblicks, so ist uns dies zweite Wort ein Beweis seiner Demut und seiner Barmherzigkeit, seiner Demut, die göttliche Ehre mit Entrüstung von sich weist, seiner Barmherzigkeit, die an den Feinden nicht Gleiches mit Gleichem vergilt.
Das Königszelt stand auf einem künstlich aufgeworfenen Hügel, dessen Umrisse noch heute kenntlich sind. Ein Geschichtsschreiber überliefert uns nun die folgende Episode:
In dem Lager vor Werben hatte sich der König in seinem Zimmer ganz allein verborgen und gegen seine Gewohnheit die Tür zugemacht. Als nun sein Hofrat, Jacob Steinberg, zu ihm wollte, um einige Nachrichten zu bringen, machte er die Tür etwas leise auf und sah, daß der König andächtig in der Bibel las. Darum wollte er nicht stören, sondern machte die Tür wieder leise zu. Aber der König bemerkte ihn und hieß ihn hereinkommen. Als er um Verzeihung bat, weil er ihn in seiner Andacht gestört, sagte der König zu ihm:
„Da suche ich mir einen Trost in Gottes Wort; denn ich merke, daß der Teufel keinem Menschen mehr nachstellt, als denen, die vor ihr Tun Gott allein Rechenschaft zu geben haben."
Wir möchten über dies Geschichtchen das Wort der Schrift setzen: „Gottesfurcht ist aller Weisheit Anfang." Weil der König im Gebetskämmerlein so still, so gewissenhaft mit seinem Gott zu Rate ging, darum war er nachher so weise in seinen Plänen, so mutig in seinen Taten.
Was tut dem Gustav-Adolf-Verein not? Ich meine, ihm tut auch not der Feldherrnblick seines Königs, mit dem er die Stätten erfolgreichen Wirkens richtig erspäht, die Demut desselben, die allezeit dem himmlischen König die Ehre gibt, die Barmherzigkeit, die den Gegner durch Liebe, wenns geht, innerlich überwindet, und die Gottesfurcht, die alles Wirken immer wieder vor dem heiligen Gotte prüft.