Wappen und Hausmarken aus Werben in der Altmark.

Von W. Zahn.
(Mit einer Tafel.)

Die Stadt Werben an der Elbe gehört zu den ältesten Ansiedelungen in der Altmark. In der Zeit der Wendekämpfe hat die alte Burg Jahrhunderte lang eine bedeutende Rolle gespielt. Als unter Albrecht dem Bären die deutsche Herrschaft dauernd aufgerichtet wurde, übergab der Markgraf den Ort dem Johanniterorden, welcher 1160 die Komthurei errichtete, die anfangs die bedeutendste Ordensniederlassung in Norddeutschland war. Es ist bekannt, daß Werben noch einmal in der Geschichte des dreißigjährigen Krieges hervortrat. Die St. Johanniskirche ist eins der schönsten Gotteshäuser der Altmark und besitzt außer den kostbaren Glasmalereien noch mehrere mittelalterliche Kunstwerke von großem Werthe. Leider ist das Archiv ausgeplündert, so daß es nicht möglich gewesen ist, die nachfolgend beschriebenen Hausmarken sämmtlich genau zu bestimmen.

1. Meisterwappen des Michael Spies, eines Bildhauers in Magdeburg, der nach einer am Aufgang befindlichen Inschrift im Jahre 1602 die Kanzel der St. Johanniskirche in Werben erbaut hat. Die aus Sandstein gefertigte Kanzel wird von den Standbilde des Johannes des Täufers getragen. Die Wandung des Aufgangs trägt Bilder aus der Lebensgeschichte Jesu. Am untern Theile ist das Wappen des Meisters angebracht mit der Unterschrift: M. Michael Spies Bilthawer in Magdeburgk. Interessant ist wie derselbe das Künstlerwappen, die 3 Schilde, benutzt hat. Die Belegung der beiden oberen Schildchen mit den Anfangsbuchstaben ist eine heraldisch nicht erlaubte Freiheit.

Die Hausmarken 2 bis 9 sind ebenfalls an dieser Kanzel angebracht. Leider sind die Namen der Kirchenvorsteher aus jener Zeit nicht mehr bekannt.

2. H. L. ist wahrscheinlich ein Mitglied der Werbener Familie Lüdke.

3. J. F. ist wahrscheinlich ein Mitglied der Werbener Familie Fauck. Ein Magister Joachim Fauck studierte 1552 in Frankfurt.

4. D. K. dieselbe Hausmarke führte die Familie Kreutzkamp in Stendal, doch ist nicht bekannt, ob Glieder derselben in Werben ansässig waren. Dagegen gab es in Werben ein Ratsmitglied Daniel Knodde.

5. M. K. könnte ein Mitglied der Werbener Familie Kratz sein.

6. P. G. ist jedenfalls Palmus Grube, er war 1602 Diakonus an der St. Johanniskirche, wurde 1624 Pastor, gestorben 1625.

7. A. F. entweder ein Mitglied der oben genannten Familie Fauck oder der Werbener Familie Frame.

8. J. B. wahrscheinlich Joachim Bertram, welcher nachweislich 1611 Kirchenvorsteher war.

9. F. B. vielleicht ein Mitglied der wohlhabenden Werbener Familie Belitz. Mehrere haben in Frankfurt studiert.

10. Diese Hausmarke findet sich in der St. Johanniskirche an dem Grabstein des am 7. August 1616 verstorbenen Bürgermeisters Joachim Francke.

11. Die Hausmarke des Johannes Bahrt von seinem Epitaph in der St. Johanniskirche. Er studierte 1585 in Frankfurt, wurde Rektor in Werben, 1588 Diakonus, 1602 Pastor und starb 51 Jahr alt 1613. Er war ein Sohn des 1588 verstorbenen Pastors Ambrosius Bahrt.

12. H. B. wegen der Aehnlichkeit vielleicht aus derselben Familie wie Nr. 9 die Hausmarke findet sich an den Ueberresten eines zerstörten Epitaphs der St. Johanniskirche.

13. B. L. Hausmarke von einem zerstörten Epitaph der St. Johanniskirche.

14. C. B. Hausmarke von einem zerstörten Epitaph der St. Johanniskirche, es ist fraglich, ob von Christoph Goldbeck, der nachweislich 1597 bis 1619 in Werben ansässig war.

15 und 16. Ehewappen von M. Leonhard Kempfe und Anna Engeln von einem Epitaph in der St.

[Bild]

Johanniskirche mit folgender Inschrift in großen lateinischen Buchstaben:

Anno 1601 habe ich Leonhard Kempffe der Stadt Werben einen erbaren Rath, de caste Herre und gemeine Burgerschaft zu Erbawung des Predigstoles zur ewigen Gedechtnus hundert Gulden vorehret, auch mein und meiner Frawen Wapen Anna Engelen genant an die Pfiler, dar ich meinen gekauften Stuel habe schlagen lasse.

17. Hausmarke des Bürgermeisters Peter Krüger aus einer alten Werbener Familie von seinem Grabstein, der die Inschrift trägt: anno dm. 1520 ahn mitwoche in den pfingste ist in Gott vorscheide der Erbar und Fursichtiger Peter Krüger der alder Burgermeister alhie tzu Werben, welcher sielen Gott gnedig sie.

18. Dieselbe Hausmarke mit der Unterschrift P. K. 1553 findet sich in Eichenholz geschnitzt an der Lehne eines alten Kirchenstuhls aus der St. Johanniskirche in Werben, jetzt im altmärkischen Museum in Stendal. Es ist wahrscheinlich ein gleichnamiger Sohn des vorigen.

19. Die in Eichenholz geschnitzte Hausmarke befindet sich ebenfalls an einem alten Werbener Kirchenstuhl im altmärkischen Museum in Stendal. Die Inschrift H. F. 1551 und die Uebereinstimmung mit der Hausmarke Nr. 10 lassen auf ein Mitglied der Familie Francke schließen.

20. Die Hausmarke mit den Buchstaben C. K. befindet sich ebenfalls an einem alten Werbener Kirchenstuhl aus dem Jahre 1588 im altmärkischen Museum zu Stendal.

21---22. In diesem Museum wird die kupferne Hülle eines Sarges bewahrt, der im Jahre 1700 als im hohen Chor der St. Johanniskirche in Werben das Pflaster erneuert wurde, gefunden ist. Darauf steht die Jahreszahl 1635 und außer mehreren Bibelsprüchen und Ornamenten unter den beiden Wappen folgende Inschrift:

Elena geborne v. Waldowen des wolwürdigen woldelen gesterengen undt vehsten herrn burchardt goltacker des hochlöblichen S. Johanniterordens Rittern undt Commendatorn zu werben auf ufhofen erbgessenen ehelicke hausfraw.

Es ist demnach der Sarg der Helene v. Waldow, Gemahlin des Burchard Goldacker. Dieser war Komthur des Johanniterordens in Werben, kurfürstlich brandenburgischer Oberst während des dreißigjährigen Krieges und Kommandant der berühmten Werbener Schanze, als diese im Besitze der Brandenburger war.