Werben im Dreißigjährigen Kriege.

Von Dr. Ludwig Storbeck.

Mit Zeichnungen von Ewald Guhl.

1000257414

Werben war zur Reformationszeit ein stilles Landstädtchen gewesen. Wohl war es bedeutender und bekannter als heute, fanden doch hier alljährlich die großen Getreidemärkte statt, zu denen viele Landleute der Umgebung kamen, um ihren Weizen hier zu verkaufen. Die Werbener Kaufleute verfrachteten ihn weiter nach Hamburg, wo er sehr geschätzt wurde. Und noch einmal im Jahr war reges Treiben in Werben, wenn die Glocken das Botding einläuteten, ein Sondergericht, das von den niedersächsischen Kolonisten der Wische aus ihrer Heimat mitgebracht worden war. Zum Botding mußten alle Wischebauern erscheinen. Wie beim Weizenhandel, so blieb auch beim Botding mancher Groschen in Werben, denn das dortige Bier mundete gut. Doch 1604 begann sich die wirtschaftliche Lage zu verschlechtern; die Kipper- und Wipperzeit nahm ihren Anfang: statt der bisherigen vollwichtigen Münzen wurden schlechte geprägt, es herrschte eine Inflation. Erst 1622 wurde es in der Altmark besser. Da vernahmen die Werbener staunend die Kunde von dem Kriege in Böhmen, von dem Winterkönige und seiner Niederlage durch Tilly. Voller Sorge blickten die Werbener Kaufleute, die Goldbeck, Belitz, Francke, Fritze, Bertram, Knodde, Zernikow, in die Zukunft. Bald erschienen auch in Werben bettelnde Landsknechte, die zur Landplage wurden. Als 1624 noch eine Mißernte ausbrach, da mußten die Werbener zufrieden sein, wenn sie satt wurden. An Verdienst war kaum noch zu denken, zumal da die Elbschiffahrt infolge der böhmischen Wirren noch lange danieder lag.

Bald sollten aber die Werbener den Krieg am eigenen Leibe erfahren. Anfang 1626 rückten dänische und norddeutsche Truppen vom Heere König Christians IV. von Dänemark in die Altmark ein, nachdem die Kaiserlichen das Erzstift Magdeburg eingenommen hatten. Am 19. April besetzte der Hauptmann v. Starschedel mit seiner Kompanie Werben. Als

[Doppelseite fehlt]

1000257415

Tage machte frühmorgens die schwedische Reiterei einen Ausfall; es kam zu einem heftigen Gefecht. Die Schweden brachen es ab und zogen sich in ihr Lager zurück. Tilly sah ein, daß er die schwedische Stellung nicht nehmen konnte, auch fehlte es seinem Heere an Lebensmitteln. Darum trat er am 29. Juli den Rückmarsch nach Süden an. Die Schweden folgten ihm, griffen die Nachhut an und machten große Beute an Gefangenen und an Pferden. Gustav Adolf befahl darauf die Anlage einer starken Schanze auf der Landzunge zwischen Elbe und Havel, womit sogleich begonnen wurde. Im Osten verband man beide Flüsse durch einen Graben. Es war so eine Stellung geschaffen, die sehr schwer zu erobern war: Die Wälle trugen eine dreifache Palissadenreihe, und verschiedene Redouten und Batterien wurden errichtet. In dieser Zeit erschien der Landgraf von Hessen-Kassel in Werben und schloß mit Gustav Adolf ein Schutz- und Trutzbündniß, auch kam dorthin der Feldmarschall des Kurfürsten von Sachsen, um des Schwedenkönigs Hilfe gegen die Kaiserlichen zu erbitten. Für den Bau der Schanze mußten die Einwohner der Umgegend von Werben zusammenkommen und ohne Entgelt schwere Erdarbeiten ausführen. Um Holz zu gewinnen, brachen die Schweden Häuser ab, ja, in Seehausen rissen sie die ganze Vorstadt vor dem Viehtore ab und führen die Balken nach Werden. In dem westlich von dieser Stadt gelegenen Dorfe Wendemark wurde die alte Kirche zerstört und Holz und Steine ebenfalls zum Schanzenbau weggeschafft. Die Schanze brachte in den nächsten Jahren viel Unheil über die östliche Altmark, denn die kriegführenden Parteien stritten um ihren Besitz. Im Volksmunde entstanden deshalb die Verse:

Die festen Dömiz und Werben
Waren der Lande Verderben.

Die Kriegszüge, die sich gegen die Schanze richteten, bewirkten, daß die ganze Gegend von Magdeburg bis Werben im Laufe der Jahre wüst wurde. Als das Werk im wesentlichen vollendet war, marschierte Gustaf Adolph nach Süden. Er ging über die Werbener Schiffsbrücke und zog die Elbe aufwärts nach Sachsen, wo er sich mit den kurfürstlichen Truppen vereinigte; es kam dann zur Schlacht bei Breitenfeld. In der Schanze blieb ein schwedisches Regiment unter dem Obristen Rose zurück, der den Befehl hatte, den wichtigen Punkt unter allen Umständen zu halten.

Eine Reihe von Jahren waren die Schweden im ruhigen Besitze der Schanze. 1635 wurde sie von sächsischen Truppen unter dem Obristen Unger erobert; inzwischen waren nämlich die Sachsen

[Folgende Seite fehlen]

1000257415a