ZUR MILITÄRGESCHICHTE DER ALTMÄRKISCHEN STADT WERBEN IM 18. JAHRHUNDERT.

von
E. WOLLESEN, WERBEN a. E.

Die im vorigen Hefte unserer „Beiträge" behandelte Militärgeschichte Werbens im 17. Jahrhundert findet in diesem Aufsatz ihre Fortsetzung. Freilich bedarf unser Thema einer näheren Bestimmung. Schon ist über die Militärgeschichte Werbens im 18. Jahrhundert von mir einiges veröffentlicht, so z. B. in meiner Werbener Chronik, ferner im 38. Jahrgange der „Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg", aber in der Chronik kam es darauf an, die Garnisonsgeschichte im allgemeinen zu schildern, und in diesem Artikel darauf, ein Bild des Werbener Garnisonlebens zu zeichnen. Eine genaue urkundliche Untersuchung über die Truppenteile, die im 18. Jahrhundert in Werben in Garnison gewesen, konnte und sollte in keiner von beiden Arbeiten gegeben werden. Das dort Versäumte soll hier nachgeholt werden; auf Grund der betreffenden Rathausakten und vor allem der Kirchenbücher soll möglichst genau und sicher festgestellt werden, welche Truppenteile im genannten Jahrhundert kürzere oder längere Zeit in Werben in Garnison gewesen sind. Einleitend muss auch an dieser Stelle auf die diesbezüglichen Aufsätze des Geh. Archivrats von Mülverstedt im 19., 27. und 29. Jahresbericht des Altmärkischen Geschichtsvereins hingewiesen werden; sie enthalten über drei der auch hier in Betracht kommenden Regimenter, das Infanterie-Regiment Prinz Leopold Maximilian von Anhalt, das Leibregiment von Dewitz und das von Lottumsche Kürassier-Regiment, sehr wichtige und willkommene Nachrichten. Sicherlich bin ich mir dessen bewusst, dass ich auch damit nur geschichtliche Kleinarbeit leiste, aber ich bin mir zu meinem Troste auch ebenso gut dessen bewusst, dass zum grossen Bau in allererster Linie „Bausteine" herzugetragen werden müssen.

Der erste Zeitraum, um den es sich hier handelt, reicht vom Jahre 1700 bis zum Jahre 1717. In der ganzen Zeit vom erstgenannten Jahre bis zum Jahre 1713 werden in dem kirchlichen Taufregister nur ganz vereinzelt Militärpersonen genannt; von einer Werbener Garnison kann in dieser Zeit schon wegen des Krieges keine Rede sein. Aber vom 30. Oktober 1713 an bis 21. August 1717 werden so oft Musketiere in den Kirchenbüchern genannt, dass wir aus dieser häufigen Aufzählung auf eine kleine Garnison schliessen möchten; es handelt sich um Soldaten von der Kompagnie des Obristlieutenant von Bartheld, dessen Name zweimal im Jahre 1714 genannt wird. Unter dem 24. Maerz 1717 wird ein Soldat unter des H. Obristlieutenant Petersen Comp. unter dem Stilleschen Regiment erwähnt, so dass wir annehmen möchten, der Truppenteil, der um diese Zeit hier in Werben garnisoniert, habe dem zuletzt genannten Regimente angehört, wobei sogleich bemerkt werden darf, dass schon 1720 dieses Regiment Magdeburg als Garnison hat. Aus den Werbener Kirchenbucheintragungen lernen wir die folgenden Militärpersonen kennen: Obristlieutenant de Bartheld, Furier Caspar Otto von Glasenapp, Capitain d'armes Christian Friedrich Schmol, Korporal Trabert (1714), ferner Feldscherer Friedrich Schultz, Gefreiter Korporal Joh. Christoph Jastrow (1716), endlich den Lieutenant Siegmund von Naumann (1717).

Der zweite Zeitabschnitt der Werbener Garnisonsgeschichte umfasst die Zeit vom 1. Dezember 1718 bis zum 29. November 1720. Nach einer rathäuslichen Notiz nahmen am erstgenannten Datum 7 Oberoffiziere, 8 Unteroffiziere und 65 Gemeine von dem Dragoner-Regiment „von der Schulenburg" unter dem Befehl des Kapitäns Albrecht Friedrich von Littwitz in Werben Quartier. Aus einer Taufeintragung vom 4. April 1719 lernen wir die folgenden Taufpaten kennen: Albrecht Friedrich von Littwitz, Kapitän, H. von dem Knesebeck, Leutenant, H. von Wallwitz, Fähnrich, H. Eyersmann, Gefreiter Korporal, und Fr. Schraderin, die Wachtmeisterin. Auch am 26. April und 14. Juni 1720 finden wir diese Offiziere unter den Taufpaten; bei der Taufe der Zwillinge vom letztgenannten Tage werden noch Leutenant von Bülow, von Quast und Kapitän von Bismarck genannt. Ende November sind diese Dragoner wieder abgezogen.

Der nun folgende Abschnitt reicht bis zum 1. Dezember 1724. An Stelle der Dragoner traten nun Musketiere vom Regiment „Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht Prinz Leopold Maximilian von Anhalt-Dessau", über welches wir in dem oben angeführten 19. Jahresbericht nähere Nachrichten finden. An der Spitze der Werbener Garnison stand zunächst Kapitän Freiherr von und zu Adoltsheim, der mit Anna Sophia von Kannenberg vermählt war. Schon am 29. März 1721 starb er, wie uns die folgende Eintragung im Sterberegister meldet: 1721. „H. Capitain von Adelsheim wird den 4. April nach vorhergegangener Läutung mit allen Glocken zu drei unterschiedlichen Stunden und einer Parentation, so der Feldprediger vom Regiment gehalten, in der Kirche im Gewölbe hinter der Kanzel beigesetzt." Sein etwas beschädigter Grabstein befindet sich noch heute in der Werbener Kirche. --- Sein Nachfolger in dem Werbener Kommando war der Kapitän Otto Wilhelm von Kuhnheim, von dessen Kompagnie es wiederholt im Kirchenbuch bezeugt wird, dass sie hier in Garnison liegt; wir nennen hier nur Taufeintragungen vom 28. 1. und 20. 3. 1722. Aus der letzteren Eintragung lernen wir ausser dem Kapitän selbst den Leutnant von Sydow und den Fähnrich von Gniowskovsky kennen. --- Aber schon am 17. November 1722 ist von einem Grenadier unter der Komp. des H. Kapitän von Rintorff, „so hier in Garnison stehet", die Rede. Die Anwesenheit derselben Kompagnie hier in Werben wird noch ausdrücklich bezeugt am 23. 11. 1722. Dagegen heisst es unter dem 18. 5. 1723 von dieser Kompanie, dass sie hier in Garnison „gestanden". --- Wir lernen aus einer Eintragung vom 7. 9. 1723 wieder einen anderen Kapitän kennen, der an der Spitze der Werbener Garnison steht, nämlich Siegmund von Knaut; als er am genannten Datum seinen Sohn Siegmund taufen lässt, werden als Taufpaten genannt: Obristleutenant und Generaladjutant von Kröcher, Landrat von Bülow in Quitzöbel, Frl. von Fratzen (?), Domina zu Kloster Lindow. --- Und wieder im Herbst dieses Jahres ist ein Wechsel vor sich gegangen; es wird unter dem 17. November geredet von einem Grenadier „so hier in Garnison lieget von Major Bosse's Companie". --- Einen sicheren Aufschluss über das Ende dieser Werbener Garnison gibt uns ein Zeugnis, welches der Werbener Rat unter dem 1. Dezember 1724 folgendermassen ausstellt: „Nachdem des Herrn Obristlieutenants du Moulins Comp. von dem „Prinz-Leopoldi-Maximiliani zu Anhalt-Dessau" Regiment zu Fuss vom 20. Mai a. c. bis den 1. Dezember bei uns in Quartier gestanden, in solcher Zeit hat der Lieutenant von Bonin jeden Monat das Quartiergeld für sich und die Unteroffiziere richtig abgetragen, auch übrigens solche gute Ordre gehalten, dass wir und die ganze Bürgerschaft mit Ihm von Herzen zufrieden gewesen. Weil nun die Comp. beordert worden, von hier auszumarschieren, als haben wir gebührendermassen dieses Attest der Comp. gutes Verhalten wegen erteilen wollen." Über die Personalien der hier genannten Offiziere finden wir in dem oben genannten 19. Jahresbericht des Altmärkischen Geschichtsvereins nähere Angaben; es wird dort die erste bekannte Rangliste des Regiments aus dem Jahre 1716 mitgeteilt.

Für Werben folgt nun eine vierte Periode der Garnisonsgeschichte, die aber wiederum nur wenige Jahre, nämlich die Zeit vom Dezember 1724 bis August 1727, umfasst. Es handelt sich bei dieser Garnison um einen Teil eines sehr stolzen Regiments, nämlich des Generalmajor von Dewitzschen Reiter-Regiments. Ja, wird sonst immer nur von der hier in Garnison stehenden Kompagnie geredet, so wird unter dem 26. 6., 13. 8. 1727 geradezu gesagt, dass die Leibkompagnie dieses Regiments hier in Garnison sei. Den Anfang dieser Reitergarnison meldet uns das Datum der unter dem 2. Dezember 1724 für die Reiter und Bürger erlassenen Garnison-Vorschriften, wie sie ausführlich im oben genannten Jahresbericht der Magdeburger Geschichtsblätter S. 350 und 351 mitgeteilt sind. Das Ende dieser Garnison ersehen wir aus dem Trauregister, in dem unter dem 14. 8. 1727 von der Leibkompagnie gesagt wird, dass sie „bis dato allhier in Garnison gestanden". Aus den Eintragungen lernen wir wieder die Namen der Führer kennen, den Leutenant Schultz, den Kornet von Zingk, den Wachtmeister Schünemann, den Quartiermeister Wolff und den Korporal Joh. Friedr. Ebel. Als am 24. September 1726 Eleonora Albertina, das Töchterlein des H. Leutenant Schultz, getauft wird, lesen wir die folgenden Namen der allerdings nicht anwesenden Taufpaten: Frau Generalin von Dewitz, namens Fr. Eleonora von Karsten (?), Frau Majorin Dorothea Johanna Albertina, Reichsgräfin von Wartensleben, geborene von Groeben, H. Obristlieutenant von Steding vom obgedachten Dewitzschen Regiment. Eine Eintragung vom 6. August 1726 bezeichnet uns den Chef des Regiments ganz genau; sie redet von der Leibkompagnie Sr. Excellenz des Generalmajors bei der Kavallerie und Obristen über das Leibregiment zu Pferde Friedrich Wilhelm von Dewitz. In dem 29. Jahresbericht des Altmärk. Geschichtsvereins hat der Geh. Archivrat von Mülverstedt-Magdeburg uns auch über dieses stolze und berühmte Regiment interessante nähere Nachricht gegeben.

Wir kommen nunmehr zu der letzten Periode in der Garnisonsgeschichte Werbens, welche die lange Zeit von 1727 bis 1796 umfasst; in dieser Zeit lag hier eine Kompagnie des von Lottumschen Kürassier-Regiments in Garnison, über welches wir in dem 19. Jahresbericht des oft genannten Vereins, wieder aus der Feder des Geh. Archivrats von Mülverstedt, näheres finden. Nur einmal wurde diese Reiterabteilung in der Werbener Garnison für die kurze Zeit vom 13. Oktober 1741 bis 29. März 1742 durch „die Compagnie des Grafen von Schlippenbach Hochlöblichen Jung-Waldow'schen Regiments Kavallerie" abgelöst; unter dem letztgenannten Datum bezeugte der Werbener Rat dem Grafen von Schlippenbach, dass er gut Kommando geführt habe; die eigentliche Werbener Garnison befand sich damals in Schlesien im Feldzuge.

An der Spitze der Werbener Garnison stand zuerst der Rittmeister von Romberg, der im Taufregister in der Zeit vom 2. November 1727 bis 11. April des folgenden Jahres genannt wird; es wird wohl derselbe sein, der in der Rangliste des Dragoner-Regiments von der Albe (cf. 19. Altm. Jahresbericht, S. 15) bezeichnet ist als Fähnrich Dietrich von Romberg aus (Grafschaft) Mark, im Jahre 1715 alt 24 Jahr, 4 Jahr gedient, Patent vom 1. Okt. 1713. Wir lernen aus demselben Register noch den Leutenant von Fuchs, den Cornet von Schlichting und den Fahnenschmied Konrad Büntmeyer kennen.

Der Nachfolger des Rittmeisters von Romberg war der bis zum 3. Mai 1731 genannte Rittmeister Wolf Friedhelm von Schlichting. Das bis dahin „Graf Lottum'sche Regiment" hiess nun nach seinem neuen Chef das „Obrist von Papstein'sche Reuter-Regiment". Als der Rittmeister am 5. Nov. 1729 sein Töchterlein Beate Wilhelmine Henriette taufen liess, standen die höchsten Offiziere des Regiments Gevatter, nämlich der Chef selbst, Obrist von Papstein, ferner der Major von Nagel, der Major von Saldern, ausserdem die Frau Obristin von Printz, Frl. von Saldern und Landrat von Grevenitz. Die Gemahlin dieses Rittmeisters war eine geborene von Unruh. Es werden uns noch in diesen Jahren genannt Friedrich Philipp von Winter, Cornet, Andreas Kutscher, Feldscher, Johann Conrad Ivens, Korporal. In einer späteren Eintragung vom 16. Mai 1733 wird von Schlichting bereits als „Major" bezeichnet.

Der nun folgende Kommandeur der Werbener Garnison war Obrist-Wachtmeister Johann von Mirbach. Am 14. Oktober 1733 wird auch die Frau Majorin von Mirbach genannt. Leutenant bei dieser Kompagnie ist Baron de Quaat, Wachtmeister ist ein gewisser Hohmeyer.

Bedeutend länger als von Mirbach blieb der Rittmeister Christoph Friedrich von Plettenberg an der Spitze der Werbener Garnison, nämlich bis zum Jahre 1745. Unter ihm zog die Garnison am 14. März 1741 in den 1. Schlesischen Krieg; unter der Führung des „Majors" von Plettenberg kehrte sie am 26. Juli 1742 wieder zurück. Das Regiment hatte seit 1734 den Obrist Friedrich Siegmund von Bredow zum Chef, der bis zum General der Kavallerie avancierte, den Schwarzen Adler-Orden erhielt und im Juni 1755 die gesuchte Dienstentlassung erhielt. Unser Werbener Kommandeur von Plettenberg wurde mit Patent vom 12. Juli 1749 Obrist und Regimentskommandeur und erhielt Ende 1756 das Dragoner-Regiment in Tilsit. Unter ihm dienten in Werben der Feldscher Joh. Christian Meyer, der Kornet von Pieverling (1734), der Quartiermeister Christian Frowein, der Wachtmeister Joh. Christian Bornschein, der Leutenant Arnold von Rumpff (1737), die Korporale Franz Hirschmann, Nicolaus Diener und Cusian (1740).

Vom 24. Oktober 1745 bis zum September 1753 kommandierte in Werben Johann Carl Ludwig Pfeiffer, der zuerst als „Rittmeister", vom August 1749 ab aber als „Major" bezeichnet wird. Aus einer Taufeintragung vom 12. Okt. 1746 erfahren wir, dass er mit Beata Elisabeth Wassersleben vermählt war; bei der am genannten Tage stattfindenden Taufe seiner am 7. Oktober desselben Jahres geborenen Tochter Friderica Henrietta finden wir die folgenden Taufpaten: S. Excellenz Friedrich Sigismund von Bredow, Generalleutenant bei der Cavallerie Sr. K. Maj. in Preussen, Henrietta Charlotta v. d. Knesebeck, geb. von Grumbkau, Augusta Charlotta von Driesbergin, geb. von Grumbkau, Anna Dorothea Wasserleben, geb. Blumenthalen. Die Garnison war wiederholt von der Stadt abwesend, so namentlich zu den in jedem Frühjahr stattfindenden Besichtigungen in Salzwedel bezw. Tangermünde oder sogar in Magdeburg. In Salzwedel befand sich das Stabsquartier. Der Feldprediger in dieser Zeit hiess Gallisch; Leutenant war Georg Ludolph von Wulffen (1746 u. ff.); sein Patent als Rittmeister datierte vom 8. Juni 1755; er wurde 1772 Chef eines Dragoner-Regiments und 1774 Generalmajor. Friedrich Vollrath von Rauchhaupt war 1746 noch Kornet bei unserer Kompagnie; sein Patent als Leutenant trug das Datum des 15. Nov. 1748. Aus der Zeit, in welcher von Pfeiffer die Werbener Garnison kommandierte, seien nach Kirchenbuchauszügen noch genannt: Joh. Christian Meynert, Fahnenschmied, Adolf Schliephak, Korporal, Joh. Nicolaus Wiesemann, Korporal, Reichel, Quartiermeister, Fuchs, Quartiermeister (1750) und Christian Hartung, Quartiermeister (1752).

Der Nachfolger des Majors von Pfeiffer in hiesiger Garnison war Rittmeister Anton Wilhelm Cramer von Clausbruch, der am 12. Sept. 1753 sein Patent erhielt und am 18. Sept. desselben Jahres hier mit seiner Kompagnie einrückte und bis Sept. 1755 hier blieb. Am 21. Juli 1755 erschien der neue Regimentschef George Wilhelm von Driesen, Generalmajor, zur Inspizierung der Werbener Garnison; er hatte kurz zuvor das Regiment erhalten; über seine Tapferkeit in den Schlesischen Kriegen können wir auf Seite 9 und 10 des 19. Jahresberichts näheres nachlesen. Vom 11. August 1755 bis 3. Sept. desselben Jahres war die Garnison zuerst in Tangermünde und dann in Spandau zur Revue.

Unter der Führung des Rittmeisters Georg Ludolph von Wulffen rückte die Garnison am 13. August 1756 in den Siebenjährigen Krieg. Von des Regiments rühmlichem Verhalten weiss der oft angeführte Jahresbericht viel zu berichten. Leider hatte der Tod den tapferen Regimentschef nach kurzer Zeit schon am 2. Nov. 1758 dahingerafft. Sein Nachfolger ward im Juni 1759 der damals zum Generalmajor ernannte Oberst des Regiments Christian Siegmund von Horn, ein geborener märkischer Edelmann, der aber schon 1762, erst 48 Jahre alt, seinen Abschied nahm. Er wurde durch Leopold Sebastian von Manstein ersetzt; er war es, der das Regiment wieder in seine altmärkischen Garnisonen heimführte.

In den Jahren 1763 und 1764 finden wir an der Spitze der Werbener Garnison den Major von Berfeld, in den folgenden Jahren den Rittmeister Hans von Borstel, der vom 16. Juli 1769 den Titel „Major" führt und bis zum Ende des Jahres 1772 hier bleibt. Ende 1755 einer der jüngsteu Kornets im Regiment, diente er bis zum Obristen weiter, erhielt er 1788 dasselbe Regiment, in dem er so lange gestanden, avancierte er 1789 zum Generalmajor und starb am 26. Nov. 1804 als Generalleutnant. Die Gemahlin dieses berühmten Offiziers war eine geborene von Ingersleben. Wir führen die Namen einiger Chargierten des Werbener Truppenteils aus dieser Zeit an: Leutenant Graf von Truchsess, Cuno Friedrich von Platen, Leutenant, ferner Kornet, dann Leutenant Carl Wilhelm von Scherer; Kornet Bonislaus Samuel von Podewils, ausserdem Joh. Joachim Gührs, Unteroffizier, Joh. Caspar Hedwig, Quartiermeister, Joh. Adam Burchard, Feldscher, Joh. Valentin Fallenstein, Unteroffizier, Georg Siegmund Stolle, Wachtmeister, und Christoph Klöden, Fahnenschmied. Am 12. März 1773 begegnen wir im Kirchenbuch zum letzten Male dem Major von Borstel.

Sein Nachfolger wird noch in demselben Jahre Rittmeister und, von 1779 an, Major Franz Wilhelm von Falkenberg. Ihm und seiner Gemahlin Katharina Sophia Maria von Hitzacker-Gethlingen wurden hier in Werben verschiedene Kinder geboren. Bei den Taufen der Kinder werden folgende Taufpaten genannt: Hauptmann von Jeetze-Poritz, Leutnant von Scherer-Seehof bei Werben, Leutnant von Hitzacker, Frau Hauptmann von Hitzacker-Gethlingen, Frau Obristin von Meseberg auf Meseberg (1774), ferner der Hauptmann von Sauerhoff, Landeinnehmer in Seehausen, Frl. von Eichstedt-Stendal (1775), Hauptmann von Ehrenberg, Postmeister in Havelberg, Rittmeister von Schleinitz aus Seehausen, Kornet von Wallow, Kornet von Sydow (1780, 1782). Aus der Zeit dieses Kommandeurs werden uns zwei Unglücksfälle im Werbener Sterberegister berichtet: 1) „Andreas Grantzau, Feldscher bei des H. Rittmeisters von Falkenberg Comp. alhier, ist den 9. Januar 1778 auf dem Eise in der Elbe verunglückt und ertrunken und am 11. Januar begraben. 2) H. George von Beicheling, Cornet unter des Major von Falkenberg Comp., ist am 25. März 1781 bei dem Dorf Neukirchen ertrunken, alt 28 Jahr, begraben am 28. März." Im Jahre 1783, am 28. Dezember, starb der Kommandeur selbst, der Major von Falkenberg, im Alter von 52 Jahren am Schlagfluss; er ward am 2. Januar 1784 zu Gethlingen begraben.

Auf ihn folgte Rittmeister von Kleist, der vom 31. Mai 1791 als „Major" hezeichnet wird. Feldscher in dieser Zeit ist Joh. Wilh. Kittler, dann (1791) Joh. Gottfried Rottmann. Auch hören wir von einem ehemaligen Leutnant des Regiments, Karl August Dietrich Franz Ludwig Freiherr von Bockum genannt Dolffs, der am 18. Oktober 1793 ein Söhnlein taufen lässt. Quartiermeister ist Andreas Bollmann, dann Georg Erasmi. Über den Major von Kleist finden sich nähere Nachrichten in den „Beiträgen zur Geschichte des Kreises Osterburg"; und zwar bei der Geschichte von Orpensdorf.

Vom Dezember 1795 bis zum Mai 1797 werden im Kirchenbuch Reiter von der Eskadron des Obristen von Schleinitz genannt. Aber schon 1796 war die Werbener Garnison nach Seehausen verlegt; Werben hatte aufgehört, Garnisonstadt zu sein. Schon am 7. Sept. 1792 hatte sich der damalige Regimentschef, Generalmajor von Ihlow, gegen Werben als Garnisonort erklärt und sich in einem Schreiben aus dem Lager bei Verdun folgendermassen darüber ausgelassen: „Werben hat zwar zur Aufnahme einer Eskadron hinlängliche Feuerstellen, übrigens aber die grösste Unbequemlichkeit für die Kavallerie, weil es in der sogenannten Wische liegt, einen so settigen, lehmigen Boden hat, dass bei nur geringem Regenwetter die Pferde einsinken und das Regiment hierdurch verhindert wird, die erforderlichen Evolutionen nach dem neuen Exerzier-Reglement zu exekutieren. Ferner ist es der Wassergefahr, da es nahe der Elbe liegt, äusserst ausgesetzt, und es ist anoch die Anfuhr der Fourage wegen der unbeschreiblich schlimmen Wege eine drückende Last für die Unterthanen, welche solche zu liefern berechtigt sind. Hierzu kommt noch, dass im Winter wegen des Elbwalles, welcher, um dahin zu kommen, die einzige Passage ist, der man sich mit Lebensgefahr bedienen muss, die Zufuhr von Lebensmitteln äusserst gering ist und für den Reiter, der sich gleich dem Bürger keine Vorräte anschaffen kann, sehr nachteilig ist." Vor die Frage gestellt, entweder die Garnison ganz los zu werden oder noch eine Eskadron in Quartier zu nehmen, meinten Rat und Bürgerschaft Werbens, dass die Last für die Bürger zu gross und die Beschaffung der nötigen Quartiere und Betten zu schwierig wäre, dass daher die Aufhebung Werbens als Garnison am besten wäre.

Auf Grund des 19. Jahresberichts führen wir nur noch ganz kurz an, dass das Regiment infolge des für Preussen so unglücklichen Friedens von Tilsit 1807 aufgelöst wurde. Aus seinen Ueberresten wurde mit denen anderer aufgelöster Kavallerie-Regimenter eine „Märkische Kürassier-Brigade" errichtet, die 1808 den Namen „Brandenburgisches Kürassier-Regiment" erhielt, das jetzige Brandenburgische Kürassier-Regiment „Kaiser Nicolaus von Russland".

Wenn Rat und Bürgerschaft heute vor die Frage gestellt würden, ob sie eine Kavalleriegarnison in Werben haben wollten, so würde wohl die Antwort ein wenig anders lauten wie damals. Mag die möglichst weite Verteilung der Garnisonen auf viele, auch kleine Städte, wie sie damals üblich gewesen, in militärischer Beziehung recht ungünstig gewesen sein, in patriotischer, pekuniärer, sittlicher Beziehung wäre sie noch heute von grossem Segen. Leider aber gebietet heute das militärische Interesse eine immer grössere Zusammenziehung des Militärs an den Grenzen und in den grossen Städten des Landes. Das kleine Städtchen Werben hofft auf eine bedeutendere bessere Zukunft; ja, die Hoffnung könnte in Erfüllung gehen, wenn das Wort noch heute gelten könnte, welches einst der Schwedenkönig Gustav Adolf bei dem Anblick der Stadt und ihrer Lage geäussert haben soll, „es nehme ihn wunder, dass die Kriegserfahrenen diesen Ort so schläfrig ausser Acht gelassen, desgleichen er noch nirgends bisher in Deutschland gefunden, der zur Befestigung mehrers tauglich wäre."