2. Gildebrief der Lakenmacher aus dem Jahre 1569.
Wir Bürgermeistere undt Radtmanne der Stadt Werbenn, vor unß, unsere Nachkommen, burger undt Inwohner, Thun hiermitt gegen Jedermenniglichen dieses unsers offenen Briefes ansichtigen bekennen, Das heute dato vor uns im sitzenden Rate personlich erschienen sein die Ehrsame undt Fürsichtige die meisteren undt unsere mitburger die Lakemacher mit dinstlicher vormeldungk, Das sie sich aus bewegten ursachen gemeiner Stadt undt Jrem Handwergke zu nutz undt frommen, auch damitt guete Ordenungk, eynigkeit undt Freundtschaft hinfürder unter jnen undt jrem Handwergke gehalten, Zwitracht undt widderwille aber desto ... vorhüetet werde, hernachuortzeichneter Artickell undt Ordnunge eintrechtiglichen vorglichen und voreiniget, mit freundlicher undt fleißiger Bitte, Jnen dieselbige zu Confirmiren undt zu bestettigen. Weyll wir dan Ir wolmeintlich (?) bedencken, ansuchen undt bitte vor zimlich undt pillich angesehen, haben wir dieselbe angenommen, mittbeliebet, Confirmiret undt bestettiget. Confirmiren undt bestettigen Inen auch solche folgende Ordnungk undt Artickell zur ewigen Gilde undt bruderschafft hiermit gegenwertigk in Crafft undt macht dieses Briefes nachfolgender gestalt undt also:
Erstlichenn soll niemandt zu Jrer der Lakenmacher Gilde zugelassen werden, er habe dann erstlichen die burgerschafft allhier gewonnen und sey unser mittburger. Item, einer so vonn aussen zukompt undt von einem Meister in der Gilde allhier nicht geboren, undt die zugewinnen vorhabens soll sich erstlich mit den anderen gildebrudern wegen der Fullerey vortragen, Darnach die Gilde ordentlich suchen, undt darumb sprechen zu dreien echten undt geordneten morgensprachen, die sie in Sechs wochen, zu jeder vierzehn Tage eine haben undt halten sollen, undt soll bey Jeder Sprache der Gilde Sechtzehn pfennige geben, Ist er dan echte undt recht geboren, undt keiner wendischen Art, auch frey undt niemandes eigen, zudeme sich selbst züchtigk undt fromblich vorhalten, So soll man Inen in der dritten morgensprache zu einem bruder der Gilde auffnehmen, doch das er in der letzten morgensprache seinen undt seiner Hausfrawen Adell undt geburtsbrieff vorlege undt zwey Stendalische marcke, ein Teil ein erbarn Rathe, undt Ein Teill der gilde zubehalten, zum angange nidderlege, Dobeneben durch tuglich Lehrbrieffe beweise, das er seine Lehrjahr bey einem redtlichen Meister gehalten undt gelernet habe, undt soll der Gilde, wan die vorwandelunge der gildemeister vorhanden, zwey Tonnen Bier gebenn. Item wan auch ein erlicher gesell Ires Handwercks eines vorstorbnen meisters widfrawe, oder eins meisters Tochter zur Ehe nehme, Derselbe soll obberurter gestalt die Gilde ordentlich suchen, undt darumb zu dreyen echten undt geordneten morgensprachen, bei welcher Jder er achte Pfennige soll, sprechen, undt soll darnach in der letzten morgensprache zu einem bruder der Gilde angenommen werden, Doch das er in der letzten morgensprache seinen Adel undt gebuertsbrieff beneben seinem Lehrbrieffe, unndt eine Stendalsche margk, ein Teil eim erbarn Rathe undt ein Teil der Gilde zu behaltenn, nidderlege, undt sich mitt den andern gildebrudern wegen der fullerey vertrage, Doneben soll er der Gilde, wie vorberurt in der verwandelunge der Gildemeister eine Tonne Bier gebenn.
Wurde sich aber eines meisters Sohn mitt eines meisters Tochter alle beide in der Gilde geboren, vorehligen, Derselbige soll alles frey sein, undt in der ersten morgensprachenn zu einem bruder der gilde angenommen werden.
Item eß sollen auch hinfurder Jre Laken gleiche langk undt gleiche breidt vonn guter wulle den Stendalischen gleichmessigk gemacht werden. Der Twiffeler vier undt viertigk genge, die besten viertzigk genge, die mitteliten viertigstehalbe genge, undt die grobesten Neuen undt dreissigk genge ausgezogenn. Undt sollen in Idern gange Dreissigk fahdenn, undt den fahdenn dreissigk ellen langk sein, Dartzu auch der Scherram soll nicht lenger sein als dreissigk ellen. Es sollen auch mit einer eyserne rueten alle laken in die breitte gemessen werdenn.
So aber einer unter Inen den Lakenmachern ein oder mehr Laken zu schmall machen wurde, Derselbige soll von einem Jdern gange als eß zu schmall ist Zehen Stendalische schillinge zur straeffe geben, Dauon ein erbar Radt ein Teil, undt die gilde zwey Teil haben undt behalten soll.
Wurde aber ein oder viel laken mehr dann zwene genge zu schmall von einem aus der Gilde gemacht, Derselbige soll seine straffe hierinnen nicht wissen, undt soll ein erbar Radt ein Teil, undt die Gilde zwey Teil von derselben straffe habenn.
Eß sollen auch rechte undt eintrechtige gewichte vnter Inen gehalten undt gebraucht werdenn, bey verlust derselben gewichte, undt so offte eß geschicht fünff Stendalische schillinge straeffe, Dauon ein Teil ein erbar Radt undt zwey Teile die Gilde haben undt behalten soll.
Item, so sollen auch die Laken von guetem, eintrechtigen warff undt weffel, die ecken undt enden so guedt als die mitten gemacht, undt in ein Iglich lackenn, nach seiner ardt, ein sunderlich Zeichen gelegt, undt ein funderlich Siegell angehenget werden, bey abberurter straffe als dreissigk pfennige, zehn pfennige einem erbaren raete, undt zwanzigk pfennige der Gilde.
Wurde auch Jemandes Jrer Gilde befunden, der ein oder mehr lakenn heimlich dicke machen, undt unbesichtigett heimlich vorkeuffen wurde, der ader Dieselbigen sollen Jdermals so offt eß geschicht vom einem Jdern lakenn einen guldenn straeff, halb einem erbarn Rathe undt halb der Gilde, vorbrochen haben.
So auch Jmandes aus Jrer Gilde eßliche laken vorkeuffen wurde, der oder dieselbigen sollen dem kauffmanne die lenge, so sie Ime vormelden, eine gewehr sein. Oder in mangelunge soll Inen der keuffer solches am gelde kurtzenn.
Es soll auch keiner Jrer gilde dem andern zu verfangk oder zu weddern wulle keuffen, oder auch kalckwulle undt kl... vorarbeiten oder sunsten eingebrenge Thuch machen, bey straeff eins guldenn, halb einem erbarn Rathe undt halb der gilde.
So sich auch ein Lehrjunge etwan zu einem meister in Jrer Gilde in die lehre begebenn wurde, soll derselbe meister den anderen gildebrudern nach verflossenen vier wochen denselbigen seinen angenommenen Lehrjungen sampt seinen Lehrjahren uberandtwortten undt fürstellen, Dobeneben soll der Lehrjunge der Gilde eine Tonne bier undt einen Schinken zum besten geben, undt Die Tonne bier, bis sie ausgetrunkenn, auftragenn.
Eß sall aber ein Jder Lehrjange zwey Jahrlangk bey einem Meister lernen, eß geschehe dann, daß er sich auskeuffte, undt sich mit seinem Lehrmeister, welches dan einem Jdern freystehen fall, darumb vortruge. Doch aber sall derselbige meister keinen andern Jungen annehmen, ehe die zwey Jahre vmb sein, er gebe dann einen gulden in die lade.
Wurde aber einer etwan aus Jrer Gilde seinen Sohn einem andern meister in Jrer gilde in die Lehr verdingen, Soll gleichsfals derselbige meister, der den Leher Jungen annimpt, den andern gildebrudern seinen angenommenen Lehr Jungen vier wochen nach seinem Ingange uberandtwortten undt furstellen, Dobeneben soll der Junge der gilde eine halbe Tonne bier geben undt so lange die ausgetruncken aufftragen, undt soll gleichsfals wie obberurt zwey Jahrlangk bey seinem Meister lernen, eß geschehe dann auch, daß er sich auskeuffte, undt sich mit sem lehrmeister vortruege, soll gleichsehr der Meister an seine stete, ehe die zwey Jahr umb sein, keinen andern annehmen, er gebe dan der gilde eine halbe Tonne bier oder soviel geldt in die lade.
Wurde aber ein lehrjunge aus seinen Lehr Jahren ablauffen, er sey gleich ein frombder oder eines Meisters Sohn, so soll gleichsfals derselbige Meister an deß abgelauffenen stete keinen andern annehmen, eß sein dan die zwey Jahre vmme oder vortrage sich mit den andern gildebrudern, undt gebe, wans ein frombder Ist, eine Tonne bier, undt wans eins Meisters Sohn Ist, eine halbe Tonne bier, oder soviel geldt in die lade.
Item, der Jungste in der gilde, Soll zu der gilde gescheffte undt behueff dienen undt auffwartten, so lange er von einem andern der nach Ime Inkompt benommen undt erloset wirvdt. Item so auch Jmandes in Jrer Gilde vom dem Jungsten vorbotschafft wurde, undt aussernpliebe, Derselbig soll drey schillinge der gilde alleine zubehalten, gebrochen haben, eß were dan, das er in echten nodten wehre, oder sunsten redliche hulffrede hatte.
Geschehe eß auch, Das nach dem willen gottes etwan einer aus den gildebrudern und gildeschwestern oder derselben gesinde vorstürbe, sollen alle gildebruder undt gildeschwestern mit zu dem begrebnis nachuolgen, oder acht pfennige der gilde alleine zu behalten, vorbrochen haben, undt soll den gildebrudern so mitt nachuolgen, eine halbe Tonne bier aus des verstorbenen hause gegeben werden. So auch Jmandes vom den gildebrudern oder Schwestern mißhandelte undt mit unvorschemten worten eins den andern liegen hiese, oder sunsten sich schmeheten undt zanckten, der oder dieselbigen sollen alle mahl der gilde 3 Schilling straff geben. Es sollen auch alle Jahr zwene aus Jrer gilde zu oldeste gildemeisters geordnet undt zu Radhause voreydet werden, daß sie der gilde in allen Punkten undt Artickeln wol vorstehen, die laken fleissigk besichtigen, vorsiegeln, undt vor die grobesten ein zeichen, vor die mittelsten zwey Zeichen, vor die besten drey zeichen undt vor den Twiffler vier Zeichen anhangen, undt sol den gildemeisters vor Jder Zeichen ein pfennigf zu bley, dauon die zeichen gemacht, gegeben werden. Dartzu sollen auch von einem Jdern laken drey pfennige in die lade, die fullerey dauon zu bessern, gegeben werden.
Diese Ordnungk undt Artikel wollen wir, in massen wir solchs hiermit ernstlich gebieten, von einem Iglid dieser gilde ungeschwecht undt unvorruckt gehalten haben, undt daß sie ausserhalb dieser keine sunderliche gesetze machen oder sunsten etwas furnehmen, das in diesem briefe nicht begriffen. Behalten auch unß undt unser Nachkommen diese macht für, Jder zeit, diese Ordenungk gemeiner Stadt undt dieser Gilde zu nutz undt ehren, do eß nodt, zu anderen, zuuorwehren, zuuorbessern, undt auch, do sie sich etwan, wie wir unß deß nicht vorsehen, widder unß aufflehnen, samlungk, vfflauff oder vorbindungk machen wurden, gahr auffzuheben undt nidderzulegen.
Zu urkunde stedter vester haltunge haben wir obgenamte Bürgermeister undt Radmanne dieser Stadt Werben vor unß undt unser mitbenanten unser Stadt Ingesiegel an diesen brieff wissentlich hangen lassen. Der gegeben Ist nach Christi unsers erlosers undt Seligmachers gebuert Inn dem funfzehn hundersten undt Neun undt Sechtzigsten Jahre am Tage Annuntiationis Mariae gloriosissimae virginis.
Notandum. Weill, wie obberurt im anfange zuerfehen, dieser brieff vormagk, daß diejenigen, so ausser der Gilde geboren, diese Gilde zugewinnen bedacht, in der Gildenkasse zwo Tonnen biers, undt diejenigen, so eines Meisters widwe oder Tochter ehlichen wurde Eine Tonne biers geben solle, hat doch ein erbar Rath uf Ir ansuchen undt bitten gewilliget, daß hinfurder diejenigen, so ausser der Gilde geboren, Drey Tonnen undt mehr eines Meisters widwen oder Tochter ehligen, anderthalb Tonnen biers geben soll.
Actum Midwochs post Nicolai Anno 1604.