2. Königlicher Besuch in Werben am 22. Juni 1762.
„Es haben an diesem Tage Ihro Majestät die Königin (Elisabeth Christine, Gemahlin Friedrichs d. Gr.) die hiesige Stadt mit dero hohen Gegenwart beehrt und haben Hochdieselben das Lager, worin der König von Schweden Gustavus Adolphus ao 1631 gestanden, in Augenschein genommen. Die hohe Ankunft geschah ohnverhofft, indem wir erst des Morgens früh davon benachrichtigt wurden.
Gegen 4 Uhr nachmittags gelangten Hochdieselben von Röbell allhier an, und sobald dieselben unsere Feldmark betreten, ward mit allen Glocken geläutet. Nach Röbell wurde von dem Magistrat der Herr Bürgermeister Marggraff nebst sechs Bürgern zu Pferde gegen Mittag abgesandt, um Ihro Majestät die Königin einzuholen. In den Toren waren die Wachen von Bürgern besetzt und vor der Hauptwache war die Schützengilde rangiert, welche im Vorbeifahren die Königin mit der Bürgerfahne salutierten und das Gewehr präsentierten. Die Straßen waren mit Sand und Blumen bestreut. Der Durchzug durch die Stadt geschah mit fünf Kutschen und mußten die Wagen ganz sachte fahren, damit die Königin von jedermann gesehen werden möchte, wie denn Hochdieselben jedermann mit der größten Freundlichkeit begegnete.
In dem Lager, wo des Königs Gustavi Adolphi Gezelt gestanden, beliebten Hochdieselben ein paar Tassen Kaffee zu trinken. In dero Gesellschaft waren die Herren Kammerherr Baron von Pöllnitz und der Geh. Rat und Landesdirektor von Lattorff, Ihro Exzellenz die Frau Statsrätin von Finkenstein, Ihro Exzellenz die Frau Oberhofmeisterin von Kannenberg, bei welcher Ihre Majestät die Königin den Besuch abgestattet und sich 12 Tage zu Iden aufgehalten hatten, die Frau Generalin von Kahlden, die Hofdame von Brandt, die Frau Majorin von Kleist, die Frau Landrätin von Bülow nebst deren Kammerfrauen und Bedienten.
Wie die Königin Majestät sich eine ganze Stunde im Lager aufgehalten und die Gegend sehr admirierte, so geschah der Rückzug in voriger Ordnung durch die Stadt, und wurden dieselben bis nach dem Dorfe Berge von einigen Membris senatus und Bürgern zu Pferde begleitet, von da Hochdieselben wieder nach Iden retournierten.
Ihro Majestät die Königin ließen sich auch den Riß von dem schwedischen Lager, so aus Meriani Theatro Europaeo copiert war, vorlegen und bewunderten, daß solcher Riß so accurat von dem Lager und der Stadt aufgenommen, und daß das Lager noch so kennbar, worin der König vor 131 Jahren gestanden und verfertigen lassen, obgleich fast alle Jahr der Ort von dem Elbstrom überschwemmt worden."
(Bericht des Bürgermeisters Marggraff in dem Polizeibuch der Stadt.)