II. Kapelle St. Spiritus.
Dieses kleine, auf und an der Stadtmauer belegene Gotteshaus ist mit Genehmigung des Ordenspriors im J. 1313 vom Rathe der Stadt gestiftet worden[10]). Weitere Nachrichten fehlen.
Die Kapelle ist eine einschiffige, gewölbte, zweijochige, im halben Sechseck geschlossene Bauanlage, welche mit bescheidenen Mitteln in höchst einfachen Kunstformen errichtet ist. Das Interessanteste ist das auf Bl. XII, Fig. 6 dargestellte System der Südfacade, welches das mehrfach vorkommende Strukturprinzip, niedrige Nebenkapellen zwischen den Strebepfeilern auszubauen mit der Variation wiederholt, daß hier die weit zurückliegenden Strebepfeiler oben durch Flachbogen mit einander verbunden sind. Das auf dem schmucklosen Westgiebel einst vorhanden gewesene Glockenthürmchen fehlt. Das häufige Auftreten der Flachbogen außen wie innen (denn das Innere zeigt dasselbe Strukturprinzip der durch Flachbogen verbundenen Strebepfeiler), sowie die schwerfälligen Profile der oberen Spitzbogenfenster gestatten nicht die Annahme, daß die 1313 gestiftete Kapelle in dem jetzigen Baue noch erhalten ist. Wahrscheinlich ist es, den jetzigen Bau als eine Erneuerung vom Schlusse des XV. Jahrh. ca. 1480 aufzufassen[11]).