III. Das Elbthor.

Das schöne und wohlerhaltene Stadttor[12]), welches auf Bl. XLV in Façade, Durchschnitt, Grundrissen und Details dargestellt worden ist, besteht aus dem zum Durchgangsverkehre bestimmten Thorhause und dem daneben stehenden Rundthurme. Das erstere öffnet sich mittelst profilirter Spitzbogen nach Stadt- und Feldseite und ist mit einem auf birnenförmigen Rippen ruhenden Kreuzgewölbe überdeckt. Die reiche, aber schon etwas flache Profilirung des äußern Thorbogens, sowie den an den Formsteinen desselben vorkommenden Ziegelstempel zeigen die Holzschnitte. Die über dem Thore angeordnete Plattform ist innen und außen mit gegliederten Zinnenwänden besetzt, an deren Pfeilern Wappenblenden eingefügt sind. Der in zwei Absätzen sich erhebende außerordentlich starke Rundthurm, dessen Untermauer eine Dicke von 11 Fuß besitzt, wird von der Stadtseite her mittelst einer schmalen Treppe erstiegen. Diese Treppe führt zu dem kreisförmigen, mit einer Rundkuppel überwölbten Wachtraume, welcher mittelst dreier Fensterscharten die Feldseite bestreicht und durch eine Öffnung im Fußboden mit einem kuppelüberwölbten unterirdischen Raume verbunden ist, in dessen Mitte sich ein Wasserbrunnen befindet. Vergl. den Querschnitt Fig. 4 mit den Grundrissen Fig. 5 und 6. Von dem Wachtraume führt eine zweite Treppe einerseits auf die Plattform des Thores, andererseits zu dem gleichfalls mit einer Kuppel überwölbten oberen Stockwerke, welches einen Kamin besitzt und von dem 2 Fuß 10 Zoll breiten gezinnten und abgepflasterten Umgange, der den Unterthurm bekrönt, durch eine Doppeltür abgeschlossen werden kann. An der Außenmauer des Oberthurmes sind 26 eiserne Haken eingemauert, welche wahrscheinlich zur Befestigung der bei feindlichen Angriffen anzubringenden Schirmdächer über dem gezinnten Umgange dienten[13]). Von dem obern Geschosse führt endlich eine massive Treppe zu der Plattform des Oberthurmes, welche mit einem Zinnenkranze umgeben ist und die übliche Einrichtung zur Ableitung des Regenwassers zeigt. Die mit schwarz glasirten Zickzackstreifen belebte Façade des Rundthurmes macht durch die energische Gesammtgestaltung und die kräftige Profilirung der Zinnenkränze und Hauptgesimse, welche aus den Details Fig. 2 und 3 ersehen werden kann, eine sehr bedeutende Wirkung. Das Mauerwerk ist in sorgfältigem Rohbau hergestellt und die Güte des Materials entspricht der Gediegenheit der Arbeit. Das Steinformat beträgt an den Zinnen des Umganges 11½ Zoll, 5½ Zoll und 3⅝ Zoll, an dem Thore und Unterthurme 11¾ ---12 Zoll, 5½---5¾ Zoll und 3⅝---4 Zoll.

Nach dem Charakter der Kunstformen beurtheilt, darf die Bauzeit des Elbthors auf ca. 1460 angenommen werden.

Fußnoten

[12]Die perspektivische Skizze in Strack und Meyerheym a. a. O. Bl. 5 ist in den Verhältnissen nicht völlig richtig.
[13]Das Neustädter Thor zu Tangermünde hat gleichfalls diese Haken-Einrichtung bewahrt, doch sind dieselben dort auffallend hoch, über dem bedachten Umgange angeordnet, daß es schwer hält, ihre Benutzung für fortifikatorischen Zwecke einzusehen.