B. Die „Werbener Münzen."
„Auch auf den Werbener Münzen findet sich wiederholt der Halbmond mit einem Stern darüber," sagt Herr Pfarrer Wollesen auf S. 26 seiner Chronik der Stadt Werben. Was heißt der Ausdruck: „Werbener Münzen": Münzen, welche in der Stadt Werben, in einer dortigen markgräflichen Münzstätte oder vom Rath der Stadt als Besitzerin der Münzgerechtigkeit geprägt worden sind? Auf S. 30 schreibt derselbe Autor: „Indem wir vorausschicken, daß in der Münzwissenschaft noch manche Unsicherheit herrscht, versuchen wir die alten Münzen zu schildern, welche man der Stadt Werben zuschreibt." Dieser letzte Ausdruck scheint unklar; er kann doch eigentlich nur besagen, daß die zu „schildernden" Münzen von der Stadt Werben als einer münzberechtigten Stadt ausgegangen seien. Es werden nun das große Münzwerk von Dr. Bahrfeldt und eine kleinere Schrift von ihm, sowie das bekannte Buch von Weidhas citirt, erstere beide jedoch mit Unrecht, denn Bahrfeldt stellt S. 31 seines Werkes (wie ich auch in meinem Aufsatze über die Münzstätten in der Altmark XXIV. Jahresbericht S. 22 hervorgehoben habe) ganz entschieden -- und mit Recht -- in Abrede, daß in Werben jemals gemünzt sei oder daß die Stadt das Münzrecht besessen habe. Ich habe sodann auch angeführt (S. 23, 24), daß Leitzmann in seinem „Wegweiser" trotz Weidhas' „Werbener Münzen" Werben als Münzstätte nicht statuirt, sondern vielmehr nur die Meinung, daß die Johanniter-Ordens-Komthure daselbst Pfennige im Mittelalter habe schlagen lassen, anführt und zurückweist.
Weidhas dagegen setzt bei mehreren in seinem bekannten kleinen Werke: „Die Denare der Mark Brandenburg" abgebildeten und registrirten Pfennigen den Namen „Werben" hinzu, um damit anzudeuten, daß er die betr. Münzen für in der Stadt Werben (vom Markgrafen oder von derselben als Münzherrin?) ausgegangene Gepräge halte.
Die neuere Forschung und auch Bahrfeldt haben dies indeß längst verworfen, denn in Werben ist weder eine Münzstätte nachweisbar, noch hat der dortige Rath das Münzrecht besessen oder es unbefugter Weise ausgeübt. Daher hätte in der Chronik von Werben die Wiederholung des Weidhas'schen Irrthums vermieden werden und die Abbildung der bezüglichen Münzen unterbleiben müssen.
Die auf S. 30 und 31 der Chronik nach Weidhas abgebildeten 7 Denare sind vom letzten, dem zwar das neue Stadtwappen von Werben, aber wohl nicht das alte bekannt war, deshalb Werben zugetheilt worden, weil auf ihrer Rückseite 1, 2 oder 4 Halbmonde bald stehend bald liegend, nebst 2, 4 oder 5 Sternen zu sehen sind oder sein sollen, wobei aber zu bemerken ist, daß auf dem ersten Denar die Figur über dem Adlerschilde als Halbmond sehr fraglich ist und der zweite keine Sterne, sondern Kugeln in der Krümmung der Mondsichel hat.
Man sieht, daß Weidhas der Halbmond mit Stern über dem Adlerkopfe allein bewogen hat, diese Figur in Verdoppelung und variirt für bestimmend zu achten, die betr. Münzen nach Werben zu verweisen. Es bedarf keiner Deduktion um darzuthun, daß dem mittelalterlichen Stadtwappen von Werben jene Zeichen des Halbmondes und Sternes völlig fremd waren und daß, wenn sie sich auch im Mittelalter (13. und 14. Jahrhundert) nachweisen ließen, sie ihrer Natur und Bedeutung nach doch niemals als etwas Signifikantes, als ein die betr. Münzen als Gepräge von Werben allgemein kenntlich machendes Merkmal aufgefaßt werden konnten, ebensowenig wie etwa nur die Seeblätter von Seehausen, die Steine von Stendal, die Rose von Tangermünde oder der Schlüssel von Salzwedel.
Den ersten der in der Chronik von Werben abgebildeten Denare beschreibt Bahrfeldt I. S. 218 (Tab. XVI. Nr. 570) und führt ihn unter den der zweiten Hälften des 13. Jahrhunderts entstammenden Pfennigen auf, deren Münzstätte und Münzherren unbekannt sind. Er gedenkt dabei aber mit keinem Worte des möglichen Entstehungsortes. Das Gleiche gilt von dem zweiten Denar, den Bahrfeldt I. S. 232 (Tab. XVIII. Nr. 610) einem der letzten Askanier oder gar den bayerischen Markgrafen zuweist, auch in den Figuren in den Kreuzwinkeln nicht Mond und Stern, sondern Bogen und Punkt erblickt, wogegen mir die Figuren als Halbmond erscheinen.
Den dritten Denar theilt Bahrfeldt I. S. 242 Tab. XIX. Nr. 646) den bayerischen Markgrafen zu, gleichfalls Werbens nicht erwähnend. Hierzu und überhaupt sind die Bemerkungen in Köhne Zeitschrift für Münz, Siegel- und Wappenkunde V. S. 273 zu vergleichen.
Den vierten Pfennig legt Bahrfeldt I. S. 237 (Tab. XXI. Nr. 718) den Markgrafen aus dem Hause Lützelburg bei, den fünften I. S. 242 (Tab. XIX. Nr. 648) einem der bayerischen Markgrafen, die Halbmonde für Bögen ansehend, den sechsten setzt er gleichfalls in die Zeit der Lützelburger I. S. 255 (Tab. XX. Nr. 707), endlich den siebenten I. S. 242 (Tab. XIX. Nr. 647) theilt er wieder einem bayerischen Markgrafen zu. Niemals wird hier Werben, wenn auch nur als möglicher Prägeort, erwähnt. Somit können die 7 Pfennige keineswegs Werben zugeschrieben werden. Uebrigens hat Weidhas dem einen Denar nur mit Bogen (Halbmonden) und Punkten (Tab. XI. 13) keinen bestimmten Platz angewiesen (S. 11); bei dem in Wollesen Nr. 4 abgebildeten hält er (S. 12) auch Perleberg oder Golnow für die mögliche Münzstätte, ebenso zieht er bei Wollesen Nr. 5 neben Werben auch Perleberg in Betracht, und zu Wollesen Nr. 3 macht er (S. 8 Tab. VIII. Nr. 6) in seiner gewöhnlichen naiven Weise die Bemerkung: „Golnow, wer Werben lieber hat, lege ihn dorthin, nur nicht Perleberg (so!), nur Wollesen Nr. 2 wird geradezu nach Werben verwiesen, ebenso Wollesen Nr. 1 (S. 6 Tab. V. Nr. 11).