I.
Riedel (1. Hauptteil 6. Band S. 31) bringt zwar die Urkunde, in welcher Markgraf Ludwig dem Werbener Bürger Martin Bötcher den Wilden-Hof in Neukirchen zur Wendung desselben in geistlichen Besitz am 18. November 1351 vereignet, aber nicht die Urkunden, welche von dieser Wendung selbst handeln und uns von dem ferneren Geschick dieses Hofes berichten. Diese Urkunden seien daher hier nachgeholt:
a) Martin Bötcher dotiert den Marien-Magdalenen-Altar in der Ordenskirche zu Werben am achten Tage S. Peters und Pauls 1352.
Ik Merten Bodeker eyn bürgher to Werben bekenne in desem ijegenwardychen brine vor my vnd vor alle myne erfnamen vnd ghemeynliken vor alle dieghene de dessen brif seen horen odir lesen, dat ik mit willen vnd vulbord des erwerdychen geystlichen hern bruders Hermans von Werberge, des meynen gebyders des ordens Sente Joh. von Jerus., in sassen, in der Marke, in Wentland vnd in Pomern, broders Albrechts von Dannenberge Commentoris vnd bruders Henrich von Zolinghe perrers vnd der gemeynen bruder tu Werben hebbe bewedemet in erer kerken tu Werben eyn altare dat ghewyget is in dy ere allir apostlen vnde Sente Marien Magdalenen vnde hebbe dartugelechteynen hoff tu Nygenkerken mit erue vnd eychen vnd mit aller vryheit vnd hebbe en den geantwordt in ore gewere den nu besitt meyghers wise Arnd Wilde to Nyenkerken ane allerleye denst als my den dy edele vorste maregreue Ludwich von Brandenborch ghevryget vnd geeyghent heft vnd ik den von hern Ermbrechte von Rinttory vnn von Küneken Strezeken vnd von alle den de dar wat an hadden vntledychet hebbe. To dem houe licht anderhalue huve landes dar van gan achteyn pennige tinses, ist dat ik dy nicht vntwerre, so se hullen sie en myne erfnamen geuen von erem deyle als hir na gescreuen steit. An dessen vorsproken houe vnd huuen scullen se vnd ere orde alle jar hebben vnd innemen to eres huses nutt to Sente Mertens dage druddehalf stucke, up lichtmissen druddehalf stucke vnd up paschen twe stucke, dit scholen wesen brandenborgsche pennige in der werde dar eyn islick guter man den andern mede weren mach, dar ane scullen sy nyne gebreken hebben, wes dar bouen de hoff beter is vnd mer gelden mach, dat scholen upboren myne erfnamen vnd dar mede don bi myner selen als ik en geloue. Hir en iegen hebbe se vnd ore orde sik vorbunden vnd vorbinden sik in erem briue vnd louen dat se scullen vnd willen to dem altar alle daghe na der vromissen wan de psalme ute is eyne misse holden eweliken, sunder wan interdictum is dat god vorbyde, we dat se des nichten deden, so gheuen se des macht in orem briue den ratmannen to Werben, dat se scholen ane weddersprake als dicke als de misse vorsumet wert, von der vorbenomeden gulde als vele tu sick nemen als des dages bort aftman de gulde delen scholde na der dage tal vnde scolen dat keren in godes ere wor se willen.
Dessen bant genen se onen up dat na erer tid de messe nicht vorsumet en werde. Ok erlouen sye my dat ik myne dage den kore hebben mach eft ik wil dat altar vorlygen als vor wene ik bidde, he si werlich odir geystlich, dem willen se dat altar Iven, wil ik auer dat altar laten officieren vnd de gulde suluen upboren, des sal ik waldich sin, na mynen dode scal myn sone Johannes mechtich sin tu biddende sine leuedage vor weme he wil wo dicke dat altar ledich wert, dem scullen se dat Iyen sunder weddersprake, na vns beyder dode scullen se dat holden als vore screuen steit. Ok scal de prester, dem dat altar gelegen wert odir de dat ofticieret gehorsam sin dem prere (Pfarrer) sins chors tu wardende to allen tiden seken tu visitirende bicht to horende vnd ministriren tu hochtiden wentz em de prer gebut. Het ok de prer eyn lik odir anderleye sake dat der pren nutte wire, so scal de prester sine messe haldn na des prers bequemecheit vnd na sime willen vnd lesen odir singhen, wat em de prer beuelet allene em sin tid vor bescheden sie. Ok scal he alle dage vragen dem prer, wat he lesen sculle, werden em votiuen geuen, de scal he dem prer antworden.
Dat desse vorbenomde stücke ganz vnd vngewandelt blinen ewelik, so hebbe ik vor my vnd vor mynen erfnamen myn ingesegel an dessen bref gehangen. Tuge desser dingh sint Olde Wichard, Hans Beteken, Gyse Becker, Tyle Buch, Koppe Bake, Heyne Cratz, Heyne Grad, Gyse Schonigh, Arnd von Yden, Otte Berndes, Mathias Molner vnd Marquart Schonewerder, de tu der tid schepen vnd ratmane weren to Werben vnd vele ander guder lude de tu louende is. Dit is geschen na godes bord drutteynhundert jar in dem... veftigesten jare an dem achteden daghe Sente Peters vnd Pawles der heyligen aposteln.
b) Der Herrenmeister Herman von Werberghe bestätigt die Dotierung des Marien-Magdalenen-Altars durch Martin Bötcher, am 8. Tage S. Peters und Pauls im Jahre 1352.
Die Urkunde a wird wörtlich bestätigt. Abweichend ist hier nur der Eingang: „Außer dem Werbener Komtur Albrecht von Dannenberg (auch 1355, 1360 genannt) wird noch Adolf von Swalenberghe, Komtur zu Nemerow, und Bruder Otto von Stendal, Komtur zu Mirow, erwähnt; abweichend auch der Schluß insofern, als der Herrenmeister versichert, daß er sein Siegel, das der genannten Komture und das des Werbener Ordenshauses habe an die Urkunde hängen lassen; leider fehlen aber die Siegel an beiden Urkunden.
c) Bürgermeister, Ratmänner und Vorsteher des „Kastens" verkaufen den Hof in Neukirchen, der vormals den Kreuzherren des S. Johannis-Ordens zugehörte, an Kersten Neiling, Dienstag nach vineula Petri 1553.
Wy Burgermeister Radtmanne vnd itzige verordenthe vorweser des Gemeinen Castens der stadt Werbenn bekennen mitt diesem vnserem apenbrieue vor jedermenniglichenn die ehnn sehenn horenn edder lesenn: Nachdeme jnn der geholdenn Visitationn des vorschienenn twe vnnd viertigestenn Jares alhie to Werbenn vnder anderm der Hoff to Nienkergkenn dar die Neilingenn up wanen so vormals denn Creutzherrn S. Johannis Ordens togehoreth to vnderholdinge der kergkendiener jnn Gemeinenn Castenn geschlagenn vnd die genantenn Neilinge denselbigenn Hoff vor ein erffgudt sich anmathenn wollen vnd wiewoll die Neilingenn solliche äre angetogene gerechtigheit des erffkopes auer denn Eigendoem gar keinen schein beweis oder einige vorsegelunge davon hebben edder vorleggenn konnenn, so hebben doch wy burgermeister radtmanne vnnd verwesere des Castens vth besunderer gunst vnnd gudenn willenn denn Neilingenn gestadtett gegvndt vnnd nachgegeuenn dat sie sampt arenn Swegernn vnnd Swesternn arem jüngstenn brüdern Kerstenn Neilingenn denn Eigendoem gemelts Haves rechtlich toschlagen mögen jn mathenn sie ehnenn denseluigen Eigendoem des Haues vor tweihundert guldenn kegenwertich inn vnnd mitt kraftt dieses briues erfflich toschlagenn der gestalt vnnd also datt gemelter Kerstenn Neilingk sin eruen erfnemern vnnd alle erues nakamelingenn denn Eigendoem gemelts haues mit allenn tobehorungenn vngehindert vor jedermenniglichenn besittenn bewanenn beagkernn genüthenn vnd gebruckenn schall vnnd mag.
Hierendtjegenn so schall vnnd will Kerstenn Neilingk sin eruenn vnnd besitter des haues vnnd bedrieuer der houenn vuns bürgermeisterenn, radtmannenn vnnd verweserenn des Gemeinenn Castens mitt dem Gerichte vnnd dienste verpflicht vnnd verbundenn sin, doch schall ehr vnnd sine nakomelinge mitt genantem dienste thor ungebuer nicht besweret werdenn vnnd denn verweserenn des gemeinenn Castens alle jar vier stendalsch margk to pacht vnweigerlichenn vnnd vnuertagendt by einer pandinge endtriehtenn vnnd geuenn, als nemblich up Martini twei margk vnnd up lichtmes twei marek vnnd do geschere --- Godt wende es thom bestenn --- datt der hoff böser dieke haluenn verringert worde also datt die pechte davonn wie berürdt nicht konnenn vnnermögens haluenn endtrichtett werdenn, alsdann schall ehr mitt vnns denn verweserenn des Castens wideromb die pechte handelnn. Im glikenn fall hebbenn wy vnns vorbeholdenn; so godt sine gnade geuenn worde, datt die togehorigenn dieke mitt Sandenn edder Werdernn edder sunst die dieke vnnd hoff sich beterden, so schall vnnd will besitter des Haues vnnd bedrieuer der houenn obgemeltenn vorwesernn des Gemeinenn Castens die oldenn gewandtliche pechte als nemblich die sauenn margk stendalsch jerliges to pachte geuenn.
Edt hefft sich ock Kerstenn Neilingk mit sinenn brodernn vnnd swegernn vmb ärenn gebürendenn andeill vonn denn twee hundert guldenn vermuge eines sunderlichenn recesses verdragenn. Darup alsouordt hebbenn wy burgermeister radtmanne vnnd verweser des castens gedachtenn Kerstenn Neilingenn vp vnserm hoff vor einenn Mann vnnd vnderdann angenamenn vnnd sine brodere als Hermann Mathies vnnd Hans die Neilingenn vnnd are swestermanne nemblich Heine Frangke to Mesenberch, Hans Frangken to Jdenn, Clawes Schernekow, Heine Röue to Sehusenn, Hans Gadenn eruen hebben ock alsonordt semptlich vnnd sunderlich vor ynns vnnd jm bywesende nageschreuenn freunde vonn dem haue vnnd allem Kerstenn Neilinges vnnd siner husfrowenn seligenn nageladtenn gutde affrichtunge gedaenn vnnd dann datt jegenwardich krafft dusses brieues.
Hierbey ann vnnd auer gewesenn vonn wegenn des radtes der burgermeister Andreas Goldtbeck vnnd vom des Castenns wegenn der Burgermeister Peter Croger vnnd Joachim Calue vnnd vonn der Neilinge wegenn Claues Quasebardt vnnd Henninek Moller. To widerm gelouenn vnnd vrkunde hebben wy burgermeistere vnnd radtmanne to Werbenn vnnser Secret hindenn ann dussenn brieff hangenn vnnd drugken lathenn.
Geschreuen to Nienkergken inn gedachtem vnseren hoff imm dem veffteinhundertsten darnach inn dem drei vnnd vefftigestenn Jarenn am dingstag nach vincula Petri.
(Das Siegel befindet sich noch an der Urkunde.)
Im dreißigjährigen Krieg wurde der Hof verwüstet. Die Tochter Jlse Neiling war nach dem Tode des Claus N. auf etliche Jahre nach Hamburg übergesiedelt. Als sie mündig geworden, kehrte sie nach Neukirchen zurück und verheiratete sich mit Joachim Spiegel, welcher 1648 Hof und Ländereien für 550 Gulden übernahm.
d) Die Gebrüder Hans und Asmus Dionysius von Woldicke zu Polkritz verkaufen eine Rente von 12 Gulden für 220 Gulden an den Werbener Rat und an den Kommendisten des Altars Corporis Christi zu Werben. 1504 am Tage Commemorationis Pauli.
Die Urkunde befindet sich abschriftlich im Archiv des Werbener Rathauses.
e) Dietrich Bolte bewidmet am 9. Oktober 1511 den Glenden-Altar in der Pfarrkirche zu Werben. Diese Urkunde ist bei Riedel (1. Hptteil, VI. Band S. 79) nach einem Transsumt im Superintendentur-Archive nur unvollständig wiedergegeben. Nachdem der Stifter angegeben hat, auf welchen Grundstücken die achtehalb Mark stend. Währung Rente ruhen, giebt er eine Anweisung über die Messen, die an dem Altar gehalten werden sollen, und über die Art, wie es mit der Verleihung dieser Kommende gehalten werden möge:
"dar var (nämlich für die jährliche Rente) dem altar in navolghender wise denen vnd vorwaren, alz dat to dem altar werden viff myssen jn der weken, des sondages var der hilghen dryualdicheyt, mandach var alle selen vigilien vnd zelemissen met besunden allen ellenden seden, dinxstach var Sunth Annen, fridach var dem lydende vnses hern Jesu Christi dat officium „humiliavit", des sonauendtes van vnser leuen frowen, ichlike mysse na bequemicheyt vnd feste der tyd. Desse myssen schal me lesen des morghens fro vnd heyten de irste myssen vmme der wandernden vnd arbeydes luden willen so alz id immer bequemelik eyghen mach vnd wo id in andern steden wanlik gheholden werden. De misse des fridages „humiliavit" schall me singhn met beyden kostern."
In dem Folgenden ordnet der Stifter an, daß der Kommendist, der dem Pfarrer zu gehorchen habe, selbst Priester sein oder doch in einem Jahre Priester werden und bei dem „Lehn" persönlich wohnen solle, daß der Rat das Recht habe, ihn im Falle ungebührlichen Betragens dreimal zu ermahnen, dann aber, wenn das vergeblich geschehen, ihn abzusetzen, daß er selbst, der Stifter, zeit seines Lebens das Patronat allein ausüben, später aber dem Rate überlassen wolle.
Die Urkunde ist mit dem großen Stadtsiegel und mit Dietrich Bolte's Siegel versehen.
f) Hochinteressant und kunstgeschichtlich wichtig ist der folgende Vertrag, den der Werbener Bürgermeister Peter Croger mit Helmeke Borstel über die Herstellung einer Altartafel zum S. Annen-Altar am Freitag nach „Aller-Heiligen" 1513 schließt:
Anno 15 XIII jar des frigedaghes na omnium sanctorum synth auer eyn ghe kamen Peter Crogher an eynem vnde Helmeke Borstel an anders dels jn dosser na ghe schreuen wisse sso dath jck Peter Crogher hebbe dingheth meth Helmeke ... borstel eyne nygge tafelen tho makende nach inde sso hie na volgheth jnth erste schal de tafel jn de breyde wessen 5 elle breth vnde ju de hoghe 3 elle hoch sso dath jn dath myddelth jn deme Corpus schal wessen de hilghe vrouwe sancta Anna ghe sneden vnde Maria meth areme leuen kinde jhesu uppe areme arme vnde meth alle areme slechte vnde an der eynen syden schall sthan bauen sunte peter vnde pawel vnde johannes baptista vnde vnder schalen sthan sunte jacob sunte andreas vnde sunthe thomas vnde uppe de ander syde schalen bauen sthan katerina barbara vnde dorothea vnde vnder schalen sthan margareta lucia vnde ghertrudis vnde dosse var ghe schreuen belde meth der gantzen tafele schal vor guldeth wessen meth den belden meth den bauensthen kroneken meth den besten vngerschen gholde uppe dath alder schoneste.
Vorder schal he buthen upp malen bo nedden uppe de rechter syde Maria jn der sunnen bauen georgen vnde Elisabheth vnde an der ander haluen syde schalen sthan lucas marcus vnde matheus. dosse var gheschreuen belde buten schalen ock vor guldeth wessen. Dosse var ghe schreuen tafele wo var ghe schreuen laue jck Helmeke borstel tho makende beth tho pinghesten neghesth kamende uppe dath alder besthe vnde schonesthe vnde mynen alder besten flith an keren. Vor dosse var ghe schreuen tafel hefft my ghe laueth Peter Crogher hunderth mark vnde 10 mark lubsch tho gheuende wan de tafele ghe maketh vnde bo reyth hyr an vnde aner synth gehe wessen van Peter Kroghers weghen Hans belitze gherth konen Claws amelungk vnde hans schutte, Anno ut supra.
Der Herrenmeister Georg von Schlaberndorf erlaubte am 12. November 1512 dem Joachim Krüger, Kommendist in der Werbener Pfarrkirche, dessen Bruder Peter Krüger, Bürgermeister in Werben, und Claus Amelung, einen Altar zu Ehren der heiligen Anna in der Pfarrkirche zu stiften. Der Altar sollte an dem steinernen Pfeiler gegenüber dem Predigtstuhl errichtet werden[1]. Vielleicht ist der Künstler dieses Altars derselbe, der den 1512 in Lübeck laut Inschrift hergestellten gotischen Flügelaltar in der Prenzlauer Marienkirche geschnitzt hat; wenigstens läßt uns die Forderung des Geldes nach lübischer Währung an Lübeck als den Wohnort des Künstlers denken.
g) Der Werbener Bürger Merten Giesenslage, und Ilse, seine Hausfrau, schließen vor den Werbener Schöppen einen Erbvertrag am Montag nach Martini 1506.
Merten Giesenslage bestimmt, daß seine Frau Ilse, falls sie ihn überlebt, sein Vermögen erbe, daß dasselbe nach ihrer beider Tod zur Hälfte an Merten Giesenslage's Erben falle, daß diese Erben aber davon 20 Mark zu einer Messe am Erasmus-Altar und 1 Gulden davon für die Armen geben. Im Auftrage der Ehefrau Ilse bestimmt ihr Vormund Hans Beiling, daß ihr Vermögen, falls sie vor ihrem Manne stirbt, an den Ehemann falle, daß es nach ihrer beider Tode zur Hälfte „zu dem Erasmus-Altar komme"; der Rat und die Vorseher der Kirche sollen auch „eine Reise von dem Gute lassen gehen zu der lieben Marie zu den Einsiedeln" und für 1 Gulden Schuh den armen Leuten geben.