Neukirchen.
1) Neukirchen, Sonntag Palmarum 1619. Joachim Steinbrecher, altmärkischer Deichhauptmann, auf Neukirchen und Lichterfelde erbsessen, ordnet als Patron der Kirche an, daß zur Aufbesserung des Pfarrgehaltes für 400 Taler Kornpächte gekauft und jährlich dem Pfarrer Johann Miriccius und seinen successoribus anstatt des Zinses gegeben werden sollen. Zugleich bestimmt er die Zinsen von 300 Talern für Studierende unter der Bedingung, daß er sie vorher durch gelehrte Leute examinieren lassen will, ob sie zum Studium geschickt und tüchtig sind; er verbietet ausdrücklich seinen Nachfolgern, dieses Stipendium aus Gunst oder an solche zu vergeben, „so mehr des spatzierens, sauffens und buelens denn des studierens gewarten"; befindet er, daß sie nicht fleißig studieren oder „zu Hause liegen und allda Gassentreter sein wollen", so soll es ihnen genommen und anderen frommen Knaben ad studia konferiert werden.
Cölln an der Spree, den 14. Januar 1620. Das Konsistorium gestattet, daß die Baukosten zum Pfarrneubau dieses Mal aus dem Gotteshause genommen werden, daß aber etwa später an den Hauptgebäuden notwendige Reparaturen und Arbeiten die Gemeinde inhalts der Visitationsordnung zu übernehmen habe.
Seehauen, Palmsonntag 1621. Michael Hoppenhöft, Bürger der Stadt Seehausen, bekennt, daß Brendal Meseken und Fabian Schmied, Vorsteher des Gotteshauses zu Neukirchen, ihm mit Konsens des Patrons Joachim Steinbrecher 100 Taler Hauptsumme aus dem Gotteshause vorgestreckt haben; er gelobt, diese Summe von Palmarum 1621 an jährlich mit 6 Taler zu verzinsen; er setzt zum Bürgen Herrn Hermann Würden zu Salzwedel, seiner Frau Mutter Bruder, ein.
2) Extract-Matricel von dem Einkommen des Pfarrers zu Neukirchen de anno 1600. Dienstag nach dem 7. Sonntag nach Trinitatis.
Collatores die von der Schulenburg zur Löckenitz.
Hat einen eigenen Pfarrhof samt einem Garten und einer Hufe v. Viertel Landes, ist von dem Wasser verwüstet und besandet, hat zu Ende seines Hufschlages ungefähr vier Fuder Heuwachs und ist auch besandet.
Hat einen halben Wispel Hafer bei Jakob Ruwen allhier, 15 Hühner bei Hans Guele, 30 Schilling salzwedlisch geben Christoph Salzwedels Erben; hat 8 Schilling von einer Leiche, 1 Schilling von Einleitung einer Braut und Sechswöchnerin, hat 1 Opferpfennig, hat bei 50 Kommunikanten, hat 20 Eier von jedem Hufner auf Ostern und 10 Eier bei jedem Kossaten; hat einen Werder über der Elbe, bei Bartholomäus Cordeß, und streckt sich bis an der Herden Wische.
Hat allhier ein Lehn gehabt, Marien genannt, haben die von Nienkirchen gestiftet, können aber die Leute nicht berichten, was sein Einkommen sei, soll 4 Mark ohne 10 Schilling auf Bahrung gehabt haben; haben die von der Schulenburg diese Zinse zu sich genommen. Es sollen die Leute 6 Scheffel Roggen in die Pfarre geben; dazu 2 Tische, 2 Bänke, 2 Spahnbetten, 3 zinnerne Schüsseln und 2 Kannen darin „zeugen", und das soll allewege pro inventario in der Pfarre bleiben und von dem Pfarrherrn nach seinem Abziehen oder Absterben wieder darin gelassen werden.
Küster.
Hat ein Küsterhaus samt einem Garten, hat 32 Scheffel Roggen, hat auf Weihnachten von jedem Hüfner 1 Brot, 1 Wurst; die Kossaten geben jeder 4 Pfg.; hat auf Ostern 10 Eier von jedem Hüfner und 5 Eier von jedem Kossaten, hat 4 Schilling von einer Leiche. Es sollen ihm auch die Gemeinde um den Garten bei der Küsterei den Zaun, wie hierbevor geschehen, halten und seinen Lohn jährlich zu rechter Zeit in sein Gewahrsam bringen, und weil er berichtet, daß ihm die 32 Scheffel Roggen nicht vollkömmlich ausgegeben werden, so soll den Leuten, die ihm etwas an Retardaten hinterstellig verblieben, hiermit auferlegt sein, daß sie ihm solche Retardaten nebst den neuen bei Vermeidung der Pfändung noch einmal entrichten sollen.
Kirche.
Hat 2 silberne Kelche, der eine ist vergoldet, 2 Patenen, 1 Röhrchen, hat ein blausammet Meßgewand, hat 2 Wispel Hafer gibt Merten Holländer, 1 Wispel Hafer gibt Lentze Ruwe, 20 Scheffel Hafer gibt Hans Küene, ½ Wispel Hafer gibt Bartholomäus Schartow, wohnen alle vier allhier im Dorfe und müssen es jährlich ausgeben. 15 Hühner gibt auch Lentze Ruwe jährlich, soll hinfort jedes Huhn der Kirche mit 2 Schill. bezahlt werden. 100 Gulden hat Bartholomäus Schartow, soll der Kirche dafür jährlich 5 Gulden Zins geben oder die Hauptsumme wiedergeben; hat 81 R. 8 P. und noch 4 Mark stend. an Hauptsumme bei den Leuten im Dorf auf Zins ausstehen; hat an Barschaft 56 R. 19 P.
Nachschrift. Es hat die Kirche auch den Zehnten nebst Johann Möllenbecken Sel. Witwe, Margarethe Schlefes, über Christoph Kühnen Land; der Consens ist bei M. ... in Seehausen, und das Datum 1614, 18. September, Neukirchen unter Joachim Steinbrechers Hand anno 1618.