Das St. Georgshospital.

Das St. Georgshospital war ursprünglich ein Leprosenhaus mit einer St. Georgskapelle. Es lag an der Brücke vor dem nach Seehausen führenden Tore. Das Gründungsjahr ist unbekannt, auch haben sich ältere Nachrichten nicht erhalten. Erst aus dem Jahre 1481 liegt ein Schuldregister vor. Eine Urkunde von 1483 bekundet nun, daß in diesem Jahre die Kapelle von dem Herrenmeister des Johanniterordens Richard von der Schulenburg und dem Rate der Stadt erbaut wurde. Aber es hat sich jedenfalls um einen Neubau gehandelt. Beide Parteien stifteten auch ein Kapital von 350 Goldgulden, von dessen Zinsen der Priester besoldet wurde. Das Kollaturrecht erhielt der Rat. Der Priester sollte in Werben wohnen und die Messen halten, wie sein Kollege am St. Gertrudhospital. Alle Spenden aus der Kapelle und aus dem Opferstocke des Kirchhofs sollten zur Erhaltung und Ausstattung der Kapelle verwendet werden. Im Jahre 1485 stiftete der Priester Dietrich Rotidike ein Pfund Pfennige, eine Frau Pletze 2 Mark, Herbert van dem Spanne 1 Mark weniger ein Schilling, ferner 1487 ein Tideke Polkritz 10 Gulden, Arend Weling 4 Gulden und 1488 der Rat 40 Gulden. Dazu kamen noch eine 1513 von der Familie von Kannenberg für 100 rheinische Gulden erkaufte Getreiderente, die der Rat der Kapelle zuwendete und 1519 zwei Gulden Zinsen von der Familie von Rengerslage für 40 rheinische Gulden Kapital. Die Kapelle besaß einen Meßkelch im Werte von 15 Mark, ein pacificale mit dem Bilde des Patrons, 4 Lot schwer, ein großes auf Pergament geschriebenes Meßbuch, zwei bronzene Leuchter und eine Lichtkrone. Verwaltet wurde das Hospital durch zwei vom Rate bestellte Vorsteher, zu deren Verpflichtungen es gehörte, an bestimmten Festtagen Umgang mit dem Bilde des heiligen Georg zu halten und Almosen zu sammeln. Bei der Reformation befanden sich in dem Hospital St. Georg oder in dem „armen Baginenhause" 11 Personen und eine Magd, welche täglich mit einem Korbe vor alle Häuser ging, die erhaltenen Gaben wurden unter die Armen verteilt. Die letzteren empfingen außerdem alle Jahre Holz, ein fettes Schwein, 7 Schillinge zu Zeug und Scheffel Malz, um Kofent (Dünnbier) zu brauen. Im Jahre 1551 hatte das Hospital 91 Gulden 11 Schillinge 6 Pfennige Einkommen, 1629 nur noch 3 Gulden 23 Schillinge 4 Pfennige. Als Gustav Adolf im Juli 1631 sein verschanztes Lager bei Werben anlegte und die Stadt in die Befestigung einbezog, wurden alle außerhalb der Stadt gelegenen Gebäude, darunter auch das St. Georgshospital mit seiner Kapelle zerstört und auf der Stelle eine Batterie angelegt. Darum ist auch auf den Merianischen Stichen nichts mehr davon zu sehen. Einige Mauerreste erhielten sich bis 1739. In diesem Jahre wurden die Fundamente ausgegraben und die Steine zu einer neuen Kirchhofsmauer verwendet. Auf dem Platze wurde eine Scheune errichtet.