Die Brüderschaften.
Mit der St. Johanniskirche war die Brüderschaft St. Johannis verbunden. Ihr Hauptzweck war die feierliche Beerdigung unter Begleitung der Geistlichen und der Schule. Die Komture trieben mit dem Verkauf der Mitgliedschaft einen unwürdigen Handel. Um möglichst viele Mitglieder zu gewinnen, wurde der Einkaufspreis immer weiter herabgesetzt. Wenn aber die Nachkommen nicht vermögend genug waren, so verweigerte der Komtur die feierliche Bestattung, was bei den ärmeren Bürgern natürlich große Aufregung hervorrief. Die Bemühungen des Kurfürsten, sowie des Bischofs von Havelberg, einen Ausgleich herbeizuführen, scheiterten, erst die Reformation beseitigte den Übelstand. Von einer Armen- und Krankenpflege der Brüderschaft ist genaueres nicht bekannt.
Das Gründungsjahr der Brüderschaft des heiligen Kreuzes (St. Crucis) hat sich nicht feststellen lassen, das älteste Gildebuch geht bis 1439 zurück und reicht bis 1531. Der Hauptfesttag war der Himmelfahrtstag, der durch feierlichen Gottesdienst am Altare der heiligen Dreifaltigkeit in der St. Johanniskirche und ein Gelage begangen wurde. Am Freitage darauf fanden Seelmessen statt, darauf wurde die eigentliche Gedächtnisfeier, die „Kommendacie" gehalten und noch derselben erhielten mehrere Arme je einen stendaler Pfennig. Die gleiche Verteilung wurde, wenn die Mittel es erlaubten, auch an der Fastenquatember vorgenommen. Der Zinsgenuß betrug im Jahre 1465 73 Schillinge und 1514 98 Schillinge, Das Eintrittsgeld belief sich auf ein Pfund Wachs und einen Schilling.
Die Fronleichnamsgilde hatte eine der vorigen sehr ähnliche Organisation. Auch ihr Stiftungsjahr ist unbekannt. Das noch vorhandene, 1461 erneuerte Gildebuch reicht bis 1541. Das Eintrittsgeld betrug ein halbes Pfund Wachs und 6 Pfennige, das Zinseinkommen 1467 jährlich 26, im Jahre 1507 dagegen 65 Schillinge. Der Hauptfesttag, der in ähnlicher Weise, wie bei der Gilde zum h. Kreuz, gefeiert wurde, war natürlich der Fronleichnamstag (Donnerstag nach Trinitatis). Es haben bei der Feier gewiß auch Spenden an die Armen stattgefunden. Die Gilde besaß einen Hof in Behrendorf, wo auch der Fronleichnamsaltar der St. Johanniskirche 5 Viertel Landes hatte.
Die St. Nikolaigilde soll hauptsächlich aus Fischern bestanden haben. Das noch vorhandene Gildebuch umfaßt nur die Zeit von 1515 bis 1537, gibt aber genauen Aufschluß über das Patronatsrecht, das dem Rate zustand. Im Jahre 1516 betrug das Einkommen 58 Schillinge und 1542 belief sich das Vermögen auf 3 Mark = 5 Gulden 10 Schillinge 9 Pfennige. Die Hauptfeier fand in ähnlicher Weise wie bei den anderen Gilden am Tage St. Nikolai (6. Dezember) in der Pfarrkirche am St. Nikolaialtare der Brüderschaft, der am Eingange des hohen Chores stand, statt. Über eine Armenpflege seitens der Gilde ist nichts bekannt.
Die Elendengilde stand, wie schon oben bemerkt, in einem näheren Verhältnisse zu dem Hospital St. Spiritus. Wann die 1492 zuerst genannte Gilde gestiftet wurde, ist nicht bekannt, doch besaß sie einen Altar in der Pfarrkirche, der 1511 von dem Werbener Bürger Dietrich Bolte gestiftet und 1512 von dem Herrenmeister Georg von Schlabrendorf bestätigt war. Das Einkommen des Altars bestand aus 5 Mark Rente aus dem Felde Klinten in Werben, 3 Pfund von Äckern und Wiesen jenseit der Elbe und 3 Pfund aus Kruge. Nach dem Tode des Stifters übernahm der Rat das Patronat. Ein Gildebuch ist nicht mehr vorhanden, deshalb sind die Einrichtungen, auch bezüglich der Armenpflege, nicht näher bekannt. Die Brüderschaft besaß eine Wiese. Bei der Einführung der Reformation gingen die Brüderschaften ein, ihre Einkünfte wurden dem Gotteskasten überwiesen.