Die Kämpfe zwischen Schweden und Kaiserlichen nach dem Eintreffen Gustav Adolfs 1631.
50. Gustav Adolf über Werben 1631. Wollesen, Geschichte der Stadt Werben, S. 133.
Es nehme ihn wunder, daß die Kriegserfahrenen diesen Ort so schläfrig außer acht gelassen, desgleichen er noch nirgends bisher in Deutschland gefunden, der zur Befestigung tauglicher sei.
51. König Gustav Adolfs erstes Auftreten in der Altmark. Nach Götze, Geschichte der Stadt Stendal, S. 469.
Am 3. Juli 1631 erhielt Stendal die erste schwedische Einquartierung unter dem Obersten Taupadel. Am 4. Juli kam der König selbst nach der Stadt, besichtigte ihre bemerkenswerten Bauten, umritt die Wälle und soll dabei geäußert haben: „Die Alten haben’s gut gemeint; aber ich müßte meine ganze Armee hineinlegen, wenn ich sie (die Stadt) behaupten wollte“. Am 7. Juli weilte der König in unmittelbarer Nähe der Stadt und hielt in einem Garten vor dem Tangermünder Tor in seinem Wagen Mittagsruhe. Seine Truppen mußten von der Stadt aus mit Proviant versorgt werden. Am 8. Juli hielt er eine Musterung über sein Heer bei Arneburg und zog dann nach Werben, wo er am 11. Juli eintraf. Er selbst nahm Quartier in der Stadt, seine Truppen lagerten auf der Märsche, einer großen Wiese zwischen Elbe und Elbdeich. Hier ließ er ein Lager errichten, dessen eine Seite durch die Elbe und die hier einmündende Havel, und dessen andere Seite durch den Elbdeich und die vorgelagerte Stadt geschützt wurde. Den Elbdeich benutzte der König als Brustwehr, um seine Artillerie und seine Musketiere verdeckt aufzustellen. Außerdem ließ er Verschanzungen, Gräben und Batterien anlegen, wozu auch aus Stendal Mannschaften aufgeboten wurden. Ferner wurden oberhalb des Elbdeiches und um die Stadt verschiedene Schanzen gebaut, das St. Georgenhospital, eine Ziegelscheune und mehrere Häuser vor dem Tore abgebrochen, auch die Obstbäume in den Gärten niedergehauen und zur Befestigung verwendet. Die beiden Elbufer wurden durch eine Schiffbrücke verbunden.
52. Die Ereignisse in Tangermünde 1631. Andreas Ritner, Altmärkisches Geschichtsbuch.
König Gustav Adolf ging weiter nach Tangermünde, suchte eine Uebergangsstelle bei dem kleinen Wasser mitten durch die Elbe, die ihm von einem Bauern hinterm Weinberge unweit der Stadt gezeigt wurde, wo die Reiterei und die Bagage ohne Schaden am 22. Juli durchgingen. Das Fußvolk und die Stücke (Kanonen) wurden hinübergebracht. Der König ließ darauf das Schloß bestürmen, das von etlichen Kaiserlichen besetzt war, es mit einer Petarde (d. h. einem Sprengmörser, einem kegeligen, mit Pulver gefüllten Metallgefäß) öffnen und fast alles niederhauen. Nachdem er aber etliche Tage zum größten Schaden der Stadt, indem auf dem Felde alles Korn verdarb, die Einwohner aber fast nichts in der Stadt behielten, sein Lager gehalten, ist er mit dem ganzen Heere nach Werben gezogen, hat dort ein Lager aufgeschlagen und stark befestigt, dazu ihm die Elbdeiche nicht wenig dienlich waren. Er hat eine Schanze an dem Ort bauen lassen, da die Havel in die Elbe mündet, die dem Lande sehr schädlich war, da alle Kriegszüge dorthin gingen. Deswegen ist die ganze Gegend von Magdeburg bis Werben ganz wüst geworden, weil nicht ein Hund außerhalb der Städte sich hat sehen lassen dürfen. Endlich ist sie 1643 durch das Landvolk auf kurfürstlichen Befehl eingerissen und der Erde gleichgemacht worden. Hierher gehören die Reime:
Die Vesten Dömitz und Werben Waren der Länder Verderben.
Als König Gustav Adolf kaum ins Lager nach Werben zurückgekommen war, zog sich Graf Tilly mit seinem Heere aus dem Lager von Magdeburg nach Tangermünde, und der Vortrab unter General Pappenheim fiel durch den Stadtbusch ganz unvermutet die Stadt an und öffnete die Stadttore. Etliche Häuser wurden ausgeplündert. Dann kam Tilly selbst an, versprach der Stadt Schutz vor Plünderung und hielt sein Versprechen.
Nachdem General Tilly ein wenig gerastet, brach er auf, ging nach Werben und beschoß das wohlverwahrte schwedische Lager daselbst. Die Schweden antworteten ihm tapfer. Als aber Tilly sah, daß er nichts ausrichten konnte, schlug er ein Feldlager auf dem Anger vor Tangermünde an der Elbe auf; die Reiterei lag im Stadtbusche. Da ging es wieder bunt her. Alle Generalspersonen und höheren Offiziere hatten ihr Quartier in der Stadt. Auf dem Felde blieb nichts. Während dieser Einquartierung hielt General Tilly unter einem schönen, großen Zelt auf dem Anger im Feldlager Kriegsrat. Da entstand plötzlich ein so schrecklicher Wind, daß das Zelt, darin sie saßen, samt viel tausend Hütten abgehoben und meist in die Elbe geworfen wurden. Etliche sagten: „Das haben die Lappländer und Finnen, die Zauberer, die beim Könige sind, gemacht. Was wollte der König gegen uns ausrichten? Wir wollen ihn auf die See jagen.“ Als überhaupt keine Lebensmittel mehr zu bekommen waren, zog Tilly mit dem Heere nach Sachsen.
53. Die Ereignisse in Seehausen 1631. Nach zeitgenössischen Quellen; Daume, Bilder aus Seehausens Vergangenheit, 1. Heft.
Zu den Erdarbeiten für die Werbener Schanze mußten die Einwohner der ganzen Umgegend zusammenkommen und ohne Entgelt schwere Arbeit tun. Der Schwedenkönig ließ die ganze Seehäuser Vorstadt hinter den Buden vor dem Viehtor niederreißen; die Balken wurden auf Wagen nach Werben gefahren.
Als die Kaiserlichen, die 1626 bis 1631 in Seehausen gewesen, nach Magdeburgs Zerstörung zurückkamen und sich von neuem in der Stadt festsetzen wollten, wurden sie durch 1000 finnische Reiter überfallen und geworfen, denen ein Mann namens Trüden eine Furt durch die Elbe gezeigt hatte (Juni 1631).
Während Tilly Werben beschießen ließ, kam unversehens eine Streife von 50 Kroaten zur Erntezeit nach Seehausen, erbrach die Kirche und stellte ihre Pferde darin unter. Die Sakristei und mehrere Kasten darin wurden ausgeraubt und alle kräftigen Leute in der Stadt gezwungen, den Soldaten das Geraubte auch noch bis Berge zu tragen, wo das Heer lagerte.
König Gustav Adolf „hat einen großen Verdruß spüren lassen, weil eine Stadt so nahe vor seinem Lager von einer so kleinen feindlichen Partei sich (habe) plündern lassen“. Er schickte darum eine Truppenabteilung nach Seehausen, um die Stadt zu bestrafen. Da beschlossen die Bürger, sich zur Wehr zu setzen und schlossen die Stadttore. Aber die Schweden drangen doch ein, blieben drei Wochen und nahmen alles, was da war. Sie hielten die Einwohner in fortwährendem Schrecken. Das Kirchenbuch berichtet, die Soldaten hätten die Kirche mehrmals geplündert und sehr viel Hausrat mitgenommen. Drei Wochen lang konnte kein Gottesdienst stattfinden. Am 27. Juli waren die Schweden gekommen, und erst am 19. August zogen sie ab.
Danach hatte die Stadt mehrere Jahre lang Ruhe. In dieser Zeit nahmen die Adligen der Umgegend mit Frau und Kind, viele Landleute und andere Flüchtlinge in der Stadt Wohnung.
54. Tillys Kämpfe um die Werbener Schanze 1631, Anekdote. Steinhart, Ueber die Altmark, II, 215.
Ein kaiserlicher General hielt mit seinem Trompeter während eines Angriffs der Kaiserlichen gegen die Werbener Schanze beim Dorfe Berge (bei Werben) hinter einem Busche auf einer kleinen Anhöhe. Von Zeit zu Zeit schickte er den Trompeter vor, um zu sehen, wie sich seine Leute hielten, die mit den Schweden im Handgemenge waren. Nachdem er öfters vorgeritten war, sagte endlich der Trompeter: „Unsere Leute halten sich wie rechtschaffene Kerls, aber wir halten hier wie ein Paar Hundsfötter.“
55. Alter Reim auf die Schleifung der Werbener Schanze durch den brandenburgischen Hauptmann Strantz, 1641.
Der Schwedenkönig tat bauen gut Die Schanze bei Werben zu seiner Hut anno 1631. Welche Kurfürst Wilhelms Rat Durch Hauptmann Strantzen rasieren tat anno 1641.