Der Siebenjährige Krieg.

78. Die Franzosen in Salzwedel. Nach gleichzeitigen Berichten; vgl. Pohlmann, Gesch. der Stadt Salzwedel, S. 368 f.

Am 19. August 1756 verließ das in Salzwedel stehende Regiment unter dem Generalleutnant von Driesen die Stadt und marschierte nach Magdeburg und von da ins Feld.

Als die Franzosen mit Friedrichs des Großen Verbündeten, dem Herzog von Cumberland, der die englischen Truppen befehligte, am 8. September 1757 den Vertrag von Zeven geschlossen hatten, durch den Norddeutschland den Franzosen preisgegeben wurde, geriet Salzwedel in Gefahr, von den Feinden besetzt zu werden. Schon am 24. September 1757 erschienen französische Truppen in der Stadt; es war der Rittmeister von Polerezky mit etwa 50 Husaren. Sie wurden reichlich verpflegt. Der Rittmeister verließ zwar am dritten Tage Salzwedel wieder, aber es zeigten sich in der nächsten Zeit beständig französische Truppen, die Zehrung und Unterhalt begehrten. Ende September nötigten sie der Stadt 20 Schutzbriefe auf, die die Bürger vor Bedrückung seitens der Soldateska bewahren sollten; für jeden Brief mußten 30 Dukaten gezahlt werden.

Eine stärkere französische Truppe rückte am 5. November, dem Tage der Schlacht bei Roßbach, unter dem Befehl des Brigadegenerals von Polerezky in Salzwedel ein; es waren 1600 Mann, darunter über 200 Husaren. Der General forderte von der Stadt die Summe von 2090 Talern, die er auch erhielt. Schon am 7. November zog er nach Uelzen ab, wohin ihm die Salzwedeler eine beträchtliche Menge Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Heu nachschicken mußten. Kaum hatte der General die Stadt verlassen, als der französische Oberstleutnant von Porübszky mit 150 Mann einrückte. Er hatte die Stadt Osterburg wegen des Ueberfalles auf die dortige französische Besatzung heimgesucht und den Freiherrn von Bülow zu Falkenberg auf seinem Gute verhaftet. Am 8. November kündigte der Oberstleutnant der Stadt Salzwedel an, sie habe schnellstens 40000 Taler Kriegssteuer zu entrichten; auch wurde eine beträchtliche Kornlieferung verlangt. Diese Forderung konnte und wollte die Stadt nicht erfüllen, weil sie ihre Kräfte überstieg. Als man das dem Oberstleutnant auseinandersetzte, gab er sich zufrieden und zog mit seinen Truppen ab, jedoch mußten ihm die Bürgermeister von Salzwedel, Horn und Bohne, und der Ratmann Müller als Geiseln nach Uelzen und Celle folgen. In den nächsten Tagen kamen nur kleinere Trupps von Franzosen, die mit freier Beköstigung zufrieden waren. Am 2. Dezember 1757 zogen die letzten französischen Truppen ab, und seitdem sah Salzwedel keinen Feind mehr in diesem Kriege. Die Geiseln blieben bis Ende Februar 1758 in Celle, wo sie der französische Befehlshaber entließ, da er mit seinem Heere aus Celle abrückte.

Alle diese Truppen hatten der Stadt innerhalb von zwei Monaten über 4000 Taler gekostet; die Franzosen hatten, einzelne Ausschweifungen abgerechnet, gute Manneszucht gehalten und die Bürger in Ausübung ihres Gewerbes nicht gestört.

79. Die Franzosen in Osterburg 1757. Steinhart, Uber die Altmark, 2. Teil (1802), S. 22 f.

Im Siebenjährigen Kriege holten die französischen Husaren vom Regiment Polerezky eine starke Kriegssteuer aus Osterburg, betrugen sich aber so gut, daß man kaum merkte, Feinde in den Häusern zu haben. Auf Veranlassung des Freiherrn von Bülow zu Falkenberg wurden sie von der Landmiliz, die er selbst von Magdeburg herbeiholte, zu Gefangenen gemacht. Nur einige entkamen durch das Versehen eines Landmilizen. Dieser zusammengeraffte, zuchtlose, vom Pfluge und von der Werkstätte weggerissene Haufe, buntscheckig und elend bekleidet, kam in zwei Abteilungen in Osterburg an. Den einen führte der Freiherr von Bülow selbst und wollte damit in das alte Stadttor eindringen, während sich der andere Haufe mit dem Stendaler Tore beschäftigen sollte. Beide Abteilungen hatten ein Signal verabredet, das aber zu früh gegeben wurde; ein Landmilize feuerte ein Gewehr ab, wodurch die in der Stadt ganz sorglos ruhenden Franzosen aus dem Schlafe geweckt wurden. Die Miliz sprengte das Stendaler Tor, als ihre Waffenbrüder noch nicht angelangt waren, und so entkam ein Teil der Husaren aus dem Seehäuser Tore; zwei Gemeine wurden mit Mistgabeln erstochen und ein Wachtmeister auf dem Mühlenberge erschossen. Sein Pferd, ein schöner Schimmel, der wenige Tage vorher in Dobbrun, einem Bauern weggenommen worden war, rannte mit dem Franzosen unaufhaltsam seinem heimatlichen Stalle zu, und so fiel der Wachtmeister einer zweiten Abteilung des Bülowschen Haufens am Mühlberge in die Hände.

Die Franzosen nahmen aber bald darauf Rache, besonders an dem Freiherrn von Bülow. Mit der Stadt Osterburg ging man schonend um, da man überzeugende Beweise dafür hatte, daß die Bürger schuldlos waren. So wurde nur eine Geldstrafe erhoben.

Anmerkung: Der erwähnte Freiherr von Bülow, Gutsbesitzer zu Falkenberg, war der Vater des Generals Grafen Bülow von Dennewitz.

80. Die Entwässerung des Drömlings. Steinhart, 1. Teil, S. 162 f.

In alten Zeiten nannte man diese Gegend den freien Drömling, weil jede anliegende Dorfschaft ihre Grenzen willkürlich ausmarkte und die nächstgelegenen Horste (bewaldete Höhen im Drömling) abholzte.

Schon Friedrich der Große entwarf den Plan, diese Gegend urbar zu machen und sie in eine fruchtbare Landschaft zu verwandeln. Friedrich Wilhelm II. begann das Werk, ohne daß die übrigen Grundherren, der Herzog von Braunschweig, der Kurfürst von Hannover und das Hessen-Homburger Amt Oebisfelde, dazu etwas beitrugen.

Bei Kalvörde wurde eine Wassermühle weggenommen, um der Ohre ein schnelleres Gefälle zu verschaffen, überall zog man Gräben, um das Wasser abzuleiten und den Boden auszutrocknen. Für den großen Kostenaufwand wollte der König einen Strich Landes zu einer Kolonie machen, die zugleich das Werk instandhalten sollte. Aber die Drömlinger setzten sich mit Gewalt dagegen und wollten überhaupt nichts von der Urbarmachung wissen, weil sie die Vorteile nicht einsahen; an heimlichen Aufwieglern fehlte es auch nicht. Eine königliche Scheune auf dem Tarterberg wurde niedergebrannt, ohne daß man die Täter, die sich verkleidet hatten, entdecken konnte. Auch rotteten sich mehrere Untertanen zusammen und wollten die Dienste aufsagen (die sie zu leisten hatten). Darum wurde zur Sicherheit ein Militärkommando aus Magdeburg und aus Kyritz beordert, weil die altmärkischen Regimenter damals am Rhein standen; es blieb jedoch zunächst in Gardelegen und Arendsee stehen. Das kluge Benehmen der Landräte von Alvensleben und von Ingersleben brachte jedoch die Leute am Drömling bald zur Ruhe; sie machten ihnen klar, daß man sie in ihren Rechten nicht kränken noch mit neuen Steuern bedrücken wolle.

81. Jährliche Abgaben der Bauern im Dorfe Krevese an die Gutsherren, die von Bismarck, im 18. Jahrhundert. Nach der Chronik des Pfarrers Danneil.

A. Naturalabgaben. 1. Das Pachtkorn: Jeder Vollbauer im ganzen 12 Scheffel, die andern Einwohner weniger. 2. Abgabe von Hühnern: Jeder Bauer ein Pachthuhn, manche mehr. 3. Der Fleischzehnt: von allem jungen Vieh ein Zehntel. 4. Der Getreidezehnt: von allem Getreide ein Zehntel.

B. Geldabgaben. 1. Dienstgeld: Jeder Vollbauer (Ackermann) 12 Taler, die andern Bauern weniger. 2. Hauszins, eine Art Miete: Jeder Vollbauer 22 Groschen, die andern weniger. 3. Außerordentliche Steuern bei besonderen Ereignissen in der Familie des Gutsherrn, z. B. Taufen, Hochzeiten, Begräbnissen: Jeder Vollbauer durchschnittlich 1½ Taler.

Dazu die jährlichen Dienste:

C. Spanndienste. 1. Ackerspanndienste beim Bestellen der Gutsländereien: Jeder Vollbauer hatte 7 ganze Tage zu dienen, ferner wenigstens 2 Tage Getreide einzufahren, auch Heu. Die Lehnschulzen mußten eggen. 2. Die Bauern mußten in einer bestimmten Reihenfolge das Korn nach der Stadt fahren.3. Zu allen Bauten hatten die Bauern Steine, Kalk, Holz usw. heranzufahren, auch die Betten für die Handwerker zu stellen. Die Kossaten hatten Handdienste zu leisten.

D. Handdienste. 1. Die Bauern mußten mähen, binden und heuen. 2. Die Kossaten halfen beim Trocknen des Heus und hatten jede Woche 2 Tage Hofdienst, wo sie jede Arbeit tun mußten. 3. Die Bauern hatten, wenn jemand von der Gutsherrschaft gestorben war, die Leiche zu bewachen.

Beschränkungen der persönlichen Freiheit.

1. Der Dienstzwang: Die Gutsherrschaft konnte die Kinder der Untertanen zum Dienst für 3 Jahre fordern. 2. Der Mahlzwang: Die Dörfer Krevese, Polkern, Dequede und Wohlenberg mußten alles Getreide auf den beiden Mühlen zu Krevese mahlen lassen. 3. Der Musikzwang: Spielleute pachteten von der Gutsherrschaft die Musik für ein ganzes Jahr oder für jede festliche Gelegenheit in den Bauernfamilien, bei der getanzt wurde. 4. Freies Strafrecht des Gutes: Die Gutsherrschaft hatte ursprünglich die volle Gerichtsbarkeit, also auch über Leben und Tod; bei Krevese stand ein Galgen. Später mußten (im 18. Jahrh.) die Gutsherren die volle Gerichtsbarkeit ordentlich angestellten Richtern übergeben.

82. Erzeugnisse der Altmark um 1800. Steinhart, 1. Teil, S. 19.

Die Altmark hat keine anderen Produkte als Vieh und Korn, das in einzelnen Gegenden, z. B. in der Wische, dem Kalbischen Werder, auf der Geest, am Tanger und im Drömling, vorzüglich gedeiht. Man kann aber auch den Hopfen, die Schminkbohnen und die Schwarzloser Rüben als Handelsartikel betrachten, die manchen Taler ins Land bringen.

83. Die Landstraßen der Altmark um 1800. Steinhart, 1. Teil, S. 19, 152.

Die größte Landstraße, die besonders die Frachtwagen benutzen, kommt von Neuhaldensleben über Gardelegen oder Solpke nach Jübar oder Salzwedel. Die Waren von Hamburg und Lüneburg gehen auf diesem Wege nach Leipzig und Thüringen. Die Poststraße von Burgstall bis Bömenzien durchschneidet die Altmark von Mittag bis Mitternacht, so wie die von Tangermünde bis Salzwedel über Gardelegen vom Morgen zum Abend.

Die Post von Magdeburg nach Stendal wird in Burgstall gewechselt.

84. Stendal um 1800. Steinhart, 2. Teil, S. 188 f.

Die Stadt ist lange das nicht mehr, was sie einst war; man kann für gewiß annehmen, daß sie ein Drittel weniger Einwohner hat als in ihrer glänzenden Zeit (vor dem Dreißigjährigen Kriege). Es gibt noch manche Gärten, wo einst Häuser standen.

Mehrere Wälle sind jetzt in Gärten und die Stadtgräben in Wiesen verwandelt.

Die Uchte ist hier nur ein kleiner Bach, der keine Mühle treibt; sie ist zwar durch die Stadt geleitet und fließt unter den Fenstern einiger Häuser hin, ohne jedoch die Reize und noch weniger die Vorteile eines durchströmenden Flusses zu gewähren. Doch es gab früher eine Wassermühle hier, wie aus einer Urkunde von 1291 erhellt, wo der Stadt die Erlaubnis gegeben wird, eine solche anzulegen; sie lag innerhalb der Mauer an der Notpforte (wahrscheinlich auf der Nordwestecke des Mönchskirchhofs). Die Uchte muß damals wasserreicher gewesen sein. Jetzt steht (um 1800) noch beim Ausfluß aus der Stadt eine Walkmühle.

Die Stadt erhält einige Lebhaftigkeit von der Garnison, die jedoch schon seit mehreren Jahren wegen des Revolutionskrieges abwesend ist.

Der Buchladen in Stendal ist der einzige in der Altmark und Prignitz, aber er muß sich seine Subsistenz von dem Auslande verschaffen (d. h. er lebt nur von dem Verkauf von Büchern, die außerhalb Preußens erscheinen).

Der Sitz des Obergerichts würde Stendal zur ersten Stadt der Altmark machen, wenn sie es nicht schon dem Range nach wäre. Die Präsidentur (das Haus des Gerichtspräsidenten), ein ehedem sehr baufälliges, winkliges Gebäude (nämlich eine alte Domherrenkurie) das mit der Dechanei (jetzt, d. h. 1800, ein Privathaus) dem Dom gehörte, ist kürzlich im modernen Geschmack mit einer zierlichen Front aufgebaut. Die Obergerichtssitzungen werden auf dem Rathause gehalten, das sehr geräumig ist und einen Beweis von dem Reichtum der Stadt in alten Zeiten gibt.

Stendal verlor zu unserer Zeit die Domänenkammerdeputation, die im Jahre 1770 hier für die Provinzen Altmark und Prignitz errichtet war, aber im Jahre 1790 wieder mit der Kriegs- und Domänenkammer zu Berlin vereinigt wurde; das bedeutete eine beträchtliche Verminderung nicht allein der Einwohner, sondern auch der Einkünfte Stendals.

85. Salzwedel um 1800. Steinhart, 2. Teil, S. 172.

In der emsigen Betreibung der bürgerlichen Gewerbe tut es Salzwedel keine einzige altmärkische Stadt gleich, vielleicht in der Brauerei und Brennerei verhältnismäßig der Flecken Arendsee. Die ansehnlichen Leinewandmanufakturen, die Verfertigung grober Tücher, Friese, Rasche usw., die auf den Braunschweiger Messen einen guten Absatz finden, die Brauerei und Brennerei, der lebhafte Speditionshandel, der ansehnliche Durchgangszoll, der, wenn ich nicht irre, zwischen 40000 und 50000 Taler beträgt, die Gerbereien (die Gebrüder Georgy haben die Lieferung an Hosen und Handschuhen für die ganze preußische Kavallerie), die irdene Tabakspfeifenmanufaktur und noch so manche anderen Erwerbszweige erhalten die Blüte der Stadt.

Die Anzahl aller Einwohner ohne die Menschen des Militärstandes betrug 1792: 4223 Personen.

86. Gardelegen in alter Zeit. Steinhart, 2. Teil, S. 258 f.

Gardelegen ist (1802) dem Range und der Größe nach die dritte Stadt in der Altmark. Nach der neusten Angabe enthält sie 534 Häuser und 2013 Menschen. Ihre ehemalige Blüte übertrifft alle Vorstellungen, die wir uns jetzt noch davon machen können. Die alten geräumigen Häuser mit ihren Kellern und Brauereiapparaten lassen in ihrer Art alles, was man nur in einer solchen Stadt finden kann, weit hinter sich. Die Garlei, das in Gardelegen hergestellte Bier, war (im 15. und 16. Jahrhundert) in der ganzen Welt berühmt, und fast täglich gingen hundert und mehr Frachtwagen mit diesem Lieblingsgetränk in fremde Länder. In der Altmark und in den benachbarten Provinzen konnte keine Hochzeit, kein Gelage ausgerichtet werden, wenn man keine Garlei hatte. Als Zar Peter der Große auf seiner Reise durch Gardelegen kam, fand er soviel Geschmack an der Garlei, daß er gestand, noch niemals ein wohlschmeckenderes Getränk genossen zu haben. Die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg ließen sich für den Schutz, den sie der Altmark leisteten, einige Lastwagen mit Garlei und Soltmann, dem in Salzwedel gebrauten Bier, geben. Das Bier machte Gardelegen reich; fast jeder Bürger war Brauer. Ehedem waren 250 Brauhäuser in der Stadt, jetzt (1802) findet man kaum 24. Der Wohlstand der Bürger war auch die Veranlassung für sie, ihren Söhnen eine gelehrte Erziehung zu geben und sie auf die Universität zu schicken, damit sie in den Herrenstand eintreten konnten.

Der um Gardelegen gebaute Hopfen war ein wichtiger Handelsartikel und fand besonders in Dänemark einen starken Absatz, und auch jetzt noch (1802) wird dort kein anderer Hopfen als Gardeleger verlangt; man gibt andern dafür aus.

87. Tangermünde einst. Nach Steinhart, 2. Teil, S. 204.

Die Landtage für die Altmark wurden gewöhnlich in Tangermünde gehalten, wie auch das Hof- und Landgericht beständig hier tagte. Dadurch gelangte die Stadt zur Blüte und verbreitete einen gewissen Glanz um sich her, wie alle Orte, wo ein hohes Gericht ist. Sobald aber Berlin das Vorrecht erlangte, beständig Residenz zu sein, verfiel auch Tangermünde und wurde zur gewöhnlichen Landstadt. Doch ist (1800) hier noch immer Leben und Betriebsamkeit. Die Brauereien (das Tangermünder Bier wird häufig nach Hamburg verschifft), der Kornhandel, die Schiffahrt, der Schiffs- und Schiffmühlenbau, der starke Verkehr über die Elbe verschaffen der Stadt manchen Gewinn.

88. Arneburg um 1800. Steinhart, 1. Teil, S. 238.

Jetzt ist dieser kleine Ort sehr gesunken, vorzüglich durch den großen Brand vor etwa 30 Jahren (1767), der den größten Teil des Städtchens in einen Aschenhaufen verwandelte. Die Elbschiffahrt und der Kornhandel bereiten einige Lebhaftigkeit; aber Grundstücke und Häuser stehen hier (im Gegensatz zu andern Städten) in einem sehr niedrigen Preis; so wurde neulich ein Haus, das dem Eigentümer über 10000 Taler zu bauen kostete, für 500 Taler, also nur für die Zinsen des Kapitals verkauft. Holz und Heu muß sich die Bürgerschaft über die Elbe herholen. Seit dem großen Brande ist hier keine Garnison mehr; vorher stand hier eine Kompanie des jetzigen Borstelschen, damals Mansteinschen Kürassierregiments.

89. Hausinschrift aus Arneburg vom Jahre 1767, nach dem großen Brande.

Mein Leser, schau rührend an, Was Gottes große Hand getan. In Feuersgrimme schlug er mich nieder, Durch seine Gnad’ und Huld steh’ ich nun wieder.

90. Osterburg um 1800. Steinhart, 2. Teil, S. 1 f.

In Osterburg sind 234 Häuser und 1156 Einwohner. Man kann aber zweihundert und etliche sechzig Häuser annehmen, da wegen der Zusammenziehung der Reiterkompanien (des Borstelschen Kürassierregiments) in Schwadronen mehrere Reiterquartiere neben den Bürgerhäusern angelegt werden mußten.

Spuren drückender Armut, die bei so manchen Städten dem Fremden grell ins Auge fallen, bemerkt man hier nicht. Die Stadt ist klein, liegt in der fruchtbarsten und volkreichsten Gegend der Altmark und findet in der Viehzucht eine Nahrungsquelle, die anderen Städten fehlt.

91. Werben um 1800. Nach Steinhart, 2. Teil, S. 80, 87.

Werben ist die kleinste Stadt der Altmark. Hier werden Zölle von allen zu Lande durchgehenden Waren erhoben, auch von dem eingeschifften Korn. Diese Einnahme gehört zum Teil dem Rat der Stadt. Selbst die in der Nähe gelegenen Dörfer müssen in der Regel, auch wenn sie die Stadt nicht berühren, ihr Korn, das sie anderswo hinfahren, an die Stadt verzollen. Die Fähre bei Werben gehört der Stadt.