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oder, man kann sagen, gar nicht gefunden, wogegen der westfälische Adel es vorzugsweise liebte, seine Helme zu beflügeln, was wiederum in Pommern so gut wie nie angetroffen wird. Oder noch eins! In pommerschen Adelswappen findet man ungemein zahlreiche Schachstellungen mit rothen gekrönten Thieren oder anderen Figuren, wie man dies in Gräbern, Schwaben oder am Rhein niemals finden wird. Weiter finden wir Wappen mit derselben Farbe, hier aber in der Einzahl, dort in der Dreizahl. Man erklärt diese Erscheinung damit: Die Wappen weisen auf Stammesgemeinschaft hin, ganz besonders, wenn die durch sie bezeichneten Familien nicht weit von einander wohnen, gleiche Vornamen aufweisen und urkundlich zu gleicher Zeit auftreten; sie weisen auf Stammesgemeinschaft auch dann, wenn die Namen verschiednen Lauten. Die Familie mit dem Wappenbilde in Einzahl ist die ältere, von welcher sich die Familie mit dem gleichen Wappenbilde in der Dreizahl im Laufe der Zeit abgezweigt und sich einen anderen Ritterssitz erworben und von ihm den neuen Namen beigelegt hat. So taucht in der Altmark auf dem Rittergute Busch bei Werben 1313 ein Otto v. d. Busche auf, der eine Kanne im Wappen führt, und eine Familie von v. Kannenberg auf Kannenberg bei Werben, die 3 Kannen im Wappen führt; man darf annehmen, daß die v. Kannenberg von denen v. d. Busche abstammen. Umgekehrt kommt es auch vor, daß die Wappenbilder von Vater und Sohn, auch die von Brüdern nicht übereinstimmten. Das ist dann eine natürliche Folge davon, daß entweder die Anfertigung und Ausstattung der Schilde verschiedenen Arbeitern überlassen oder der kriegsunbrauchbar gewordene oder vernichtete Schild des Vaters vom Sohne wiederhergestellt oder ersetzt werden mußte. Daß dabei eine ängstliche genaue Nachbildung der Schildzeichen nicht gefordert wurde und auch nicht in der damaligen Schriftübung lag, ist wohl sicher anzunehmen. Diese etwas langten ausgeführten Ausführungen waren nöthig, um uns erst mal in die Wappenkunde einzuführen. (Fortsetzung folgt).