XI.
Wir wollen uns aber zu dem, was in dem verwichenen jahrhundert bei u. mit dieser Stat vorgegangen, weil die alten urkunden ausser dem, was in den vorigen §. §. angezeiget worden, wenig an händen geben, wenden: unter welchen ist, daß der Königl. Dänische General Fuchs A. 1626, nachdem er zu Tangermünde eine schifbrükke schlagen lassen, und über dieselbe gegangen, wie wir in den Tangerm. Gesch. mit mehren gesehen, solche nebst allem vorraht daselbst abbrechen und anher nach Werben bringen lassen, und ferner von Havelberg über dieselbe anher gekommen, hieselbst sein lager aufgeschlagen, und folgendes durch die Altmark ins Lüneburgische zu dem König von Dännemark gegangen.
Nachhero aber als König Gustav Adolph den krieg in Teutschland zu führen angefangen, und A. 1631 die Kaiserliche aus Pommern vertrieben, den Kaiserl. General Tilly aber, welcher mit einem theil seiner armee in dem Magdeburgischen stund, wahrzunehmen vor nöhtig erachtet, und daher den schlus gefasset, sich an einem festen ort an der Elbe niederzulassen, und zuerwarten, was es mit den Kaiserl. waffen gegen die vereinigte Stände in Ober-Teutschland, und mit dem misverständnüs zwischen den Sachsen und Tilly, für einen ausgang nehmen würde: so hat er zuvörderst der Stat Werben, als eines passes, sich gesucht zuversichern. Hat deswegen, wie er im anmarsch war, den Obersten Baudis vorangeschickt, welcher mit 1000 pferden durch die Elbe gesetzet, und die Stadt des nachts überrumpelt, auch 300 Kaiserliche fusvölker vom Lichtensteinischen regiment gefangen genommen. Der König mit den Stabsoffiziern haben den 11 Jul. ihr quartier in der Stat genommen: zum lager aber ist die Mersche, eine gegend zwischen der Stat und Elbe nahe bei den Elbteichen oder dämmen erwehlet worden, welche sonsten zu der alten Sächsischen Kaiser zeiten die ergiessung des wassers aufzuhalten gemachet, ietzo aber an stat einer schanze gebrauchet ward. Uber den flus ward zugleich eine brükke gebauet, und auf dem Werder, da die Havel in die Elbe fleust, eine feste Schanze angeleget; weil er dergestalt der zufuhre von lebensmitteln auf der Havel mächtig gewesen, der feind ihnen aber von hinten nicht einfallen können. Die Schanze war auf einem stük land gebauet, das mit den Sürwiesen nur an einem ort zusammen hing. Dieses wurde durchgraben und solchergestalt die Schanze mit ihrem stük landes zu einer insul gemacht; und machte man den anfang am 30 Jul. Man befestigte sie mit dreifachen palisaden, und legte einige reduten und batterien an, um den Elbstrohm und die Havel von daraus bestreichen zukönnen. Und obwohl der General Tilly, der inzwischen mit einem theil seiner armee nach Hessen gegangen war, um Landgraf Wilhelmen von der Leipziger einigung abwendig zumachen, solches zuhintertreiben gesuchet; und daher mit der ganzen armee auf Werben gegangen, und am 26 Jul. auf der andern seite der Stat sich gesetzet, in hofnung den König wieder von dar zutreiben, auch das Königl. lager beschossen, wovon zugleich die Kirche zu Werben, wie oben gedacht, auch die Statmauern das ihrige empfunden: so ist doch nichts weiter als etliche scharmützel zwischen der reiterei, in der hauptsache aber nichts vortheilhaftes vorgegangen. Als der General Tilly mit dem Graf Pappenheim nach Werben im marsch begriffen war: schikte der König von Schweden 3 regimenter ihnen entgegen, welche auch unversehens einige Kaiserliche überfielen, niedersebelten und ziemlich beute machten, iedoch den anmarsch nicht verhindern konnten. Weil er aber weder den König zu einer schlacht bringen, noch dessen festes lager anzugreifen sich getrauet, anbei mangel an Lebensmitteln zuleiden angefangen: so hat er sich am 28 Jul. zurük gezogen, und sein Lager auf etliche tage bei Tangermünde aufgeschlagen, wovon in den Tangermündischen Geschichten umständlicher meldung geschehen: ist hernach auf Wolmerstät und ferner in Sachsen gegangen, bis es endlich zu der berühmten Schlacht bei Leipzig kommen. Indessen ist Landgraf Wilhelm von Hessen zu dem König ins lager bei Werben gekommen, und daselbst mit ihm in ein bündnüs getreten; der König aber, nachdem er zuvor die Schanze durch den Obristen Rose besetzet, und daß die Altmark dem Rosischen regiment monatlich ein gewisses geben solte, verordnet, am 14 und 28 April über die daselbst gemachte schifbrükke dem Tilly nachgegangen, seinen weg auf Brandenburg, und von dar auf Wittenberg nehmende, bis er endlich denselben bei Leipzig erreichet, und nach erhaltenem siege seine Waffen in Ober-Teutschland ausgebreitet. Es ist auch diese Schanze in der Schwedischen militz händen geblieben, bis nach dem Pragischen frieden A. 1635 der Churfürst zu Sachsen auf die Kayserliche Seite getreten, und darauf zu anfange des Okt. dieselbe durch den Obr. Ungar weg- und den Kommandanten darin Obr. Leutenant George Patrulium gefangen nehmen lassen; welcher sich aber der Schwedische Feldherr Bannier, der sonsten sich zu Tangermünde gesezt hatte, zu anfang des Mai A. 1636 wieder bemächtiget und lebensmittel dahin schaffen, auch die alte festungen erneuern lassen, dennoch aber geschehen lassen müssen, daß sie im monat August, gleich wie andere Stäte an der Havel, Brandenburg, Ratenau und Havelberg, den Kaiserlichen und Sächsischen wieder in die hände kommen. Jedoch er brach am 18 Okt. wieder auf, und eroberte sie nach erhaltenem sieg bei Witstok, im monat Okt. wieder. Weil es aber in dem folgenden jahr 1637 mit der Schwedischen armee wiedrig her ging; in dem der Feldherr Banier sich nach Pommern begeben, der Churfürst George Wilhelm aber sich mit den Kaiserlichen und Chur-Sachsen vereiniget, und folgendes Ratenau und Havelberg sich ergeben müssen: so hat der Schwedische General-Major Ruth, sie den 5 Aug. gleichfals, und zwar ohne einige gegenwehr, ohngeachtet er mit lebens- und kriegesvorraht versehen gewesen, von freien stükken übergeben, weshalb er dann nachmahls zu Wismar enthauptet worden.
A. 1642 hat die Schwedische armee sich wiederum bei Werben gelagert, und ist am 23 März über die geschlagene schifbrükke gegangen. Endlich aber als A. 1642 zwischen der Königin in Schweden und Churfürst Friedrich Wilhelmen ein stilstand verabredet worden: so hat selbiger diese Schanze, wiewohl mit nicht sonderlicher zufriedenheit der Schweden, niederreissen lassen, in welchem stande es dann nach der zeit mit derselben verblieben.
A. 1644 aber sein die Kaiserliche unter dem General Gallas wieder über die schifbrükke gegangen.
Von dieser Schanze werden sonst nachfolgende reime gelesen:
Der Schweden König that bawen gutt Die Schanze bey Werben zu seiner Huth. Ao. 1631. Welche Churfürst Friederich Wilhelmß Rath Durch Haubtmann Strantzen rasiren that. Ao. 1641.
(Die gute lage und gelegenheit die schiffahrt zubeobachten, hat damahls die Schweden veranlasset, einen wasserboll hier anzulegen. Es ist aber derselbe, nachdem die Schanze dem Churhause wieder in die hände gekommen, aufgehoben und nach Lenzen verlegt worden.
Im übrigen ist leicht zuerachten, daß die gute Stat durch das hin und herziehen, und einquartirung der kriegsheere sehr mitgenommen worden: wovon sich iedoch nicht, wie bei andern Stäten, eine genaue nachricht gefunden. So viel hat man noch wissen zuerzehlen, daß die gärten und häuser vor dem thor niedergerissen, und aus dem ziegelhof eine redute gemachet worden. In dem betrübten jahr 1636 aber, da Bannier mit dem kriegsheer bei Werben stund, ließ er am 20 Jun. im lager durch öffentlichen trommelschlag bekaunt machen 1. daß die soldaten sich weder an den Adel, noch an die Bürger vergreifen solten. 2. Daß die Prediger allen schutz geniessen solten. Dann es war in 8, 9 meilen kein Prediger zufinden. 3. Daß niemand entfliehen, und also sicherheit finden sollte. Dann es wurde in der Altmark wenig gesäet und geerntet, weil fürchtete, wer flüchten konte.)