III.
Die Kirche ist ein sehr altes gebäude, und von dem Churfürsten oder Markgrafen Albrecht dem Bären A. 1160 entweder erbauet, oder doch erneuert und der Kommenturei daselbst zugewandt worden; wovon die annoch vorhandene original urkunde also lautet:
Noverint tam presentium quam futurorum Christi fidelium Universitas quod ego Athelbertus Dei gratia Brandenburgensis Marchio, ob mee videlicet & Uxoris mee Sophie, liberorumque meorum nec non predecessorum posterorumque meorum Salutis recordationem, consensu legitimorum heredum meorum, Ottonis Marchionis, Hermanni Comitis, Henrici Canonici ecclesie beati Mauritij Magdeburgice, Athelberti, Theoderici & Bernhardi Comitum obtuli Deo Sanctoque Johannis Baptiste ad Xenodochium in Jerosolimis de hereditate mea Ecclesiam quandam in Villa Werbene super ripam Albis fluminis cum omnibus attinentijs & usibus suis absque decima itemque sex mansos Hollandrensis dimensionis in Villa … continuis quicquid exinde utilitatis nunc & imposterum provenire potuerit, libere pauperibus in memorato Xenodochio commorantibus annuatim administretur. Ut autem hec nostra largitio rata & inconcussa permaneat facti hujus memoriam presenti Scripto assignari & Sigilli nostri impressione placuit confirmari. Actum Anno Incarnationis Dominice M. C. lx, Epacta XI. concurrente V. Indictione VIII. Regnante Friderico Romanorum Imperatore semper Augusto, & Odelerico Venerabili Episcopo Halberstadiensi Ecclesie presidente feliciter. Amen. Testes autem hujus rei fuerunt Walo Havelbergensis Episcopus. Arnoldus Abbas Ecclesie S. Johannis Baptiste im Magdeburg, Hazeko Decanus majoris Ecclesie, Wernherus Comes de Veltheim. Conradus de Saltwidele. Burchardus, Urbanus Comes in Civitate Magdeburg, Barchardus Comes de Valkenstein, Waltherus de Arnesten, Badericus Comes. Die sex mansi Hollandrensis dimensionis, sein 6 hufen landes in der Wische, welche die Komturei noch besitzet, und welches von der Moine oder Gehre einem ort landes wohl zuunterscheiden ist, welches ehedem den Rahthause zuständig gewesen, und worauf die Kirche 60 mark Stendalisch ehedem gelegen, so mit 4 mark jährlich verzinset worden.
Ingleichen hat Johann Bischof zu Lebus A. 1407 dieser Kirchen samt S. Johannis Orden sonderbahren ablas ertheilet, in folgenden worten.
Johannes digna Dei Providentia Episcopus Lubucensis Universis &c. cunctis celicolis, terrigenis, indigenis alienigenisque, Parochialem Ecclesiam Sancti Johannis in Werben devote visitantibus, manus adjutrices porrigentibus Ordinis S. Johannis Jure Domus Hospitalis Jherusalem ob Devotionem & amorem Beate & Gloriose Virginis Marie, sanctique Johannis antedicti, Consilio, Auxilio, Verbo vel facto promoventibus, ipsius Ordinis fraternitatem recipientibus & per sua Caritativa subsidia omni anno innovantibus signa Y maginem Agni Dei Innocentis & S. Johannis Baptiste in se continentibus, que ibidem in Werben in aucmentum Devotionis, Magister Ordinis antedicti mandavit a suis fratribus peregrinis erogari devote in suis pileis aut Vestibus ob dilectionem Dei & S. Johannis portantibus, vel ea in suis Domibus ob premissum amorem collocantibus & pro eis Eleemosinas facientibus, Dona solventibus, totiens quotiens hec vel alterna premissa efficaciter vere tritis & confessis facientibus, ipsis & eorum cuilibet de misericordia Omnipotentis Dei & Beatorum Apostolorum ejus Petri & Pauli suffragio confisi, quadraginta Dies Indulgentiarum & unius Karente seu quadragene, offensam Patrum & Matrum absque Violenta manum injectione, penitentias oblitas & Vota fracta, si ad ea redire proposuerunt in Domino misericorditer relaxamus. Datum in Castro nostro Lubus Anno Domini Millesimo quadringentesimo septimo, Quinto Y dus Septembris nostro sigillo presentibus impenso.
Daß sie den H. Johannes den Täufer zum Patron gehabt, erhellet aus einem ablasbrief von etlichen Kardinälen zu besuchung des Kirchhofs dieser Kirche: Pro frequentatione Coemeterij Ecclesie S. Johannis Baptiste in Oppido Werben A. 1358 Pontif. Innocentij sexti, sexto.
Der Altar ist mit vielen Marienbildern angefüllet, als der verkündigung Mariä, der heimsuchung Mariä, der geburt Christi, der beschneidung, der ankunft der H. drei Könige, Mariæ tod oder Dormitionis, und ist das hauptbild ihre himmelfahrt und verklärung, mit vielen engelsbildern umgeben, welches auch zur seiten noch einmahl auf eben solche weise vorgestellet ist. Es stehen auch nächst diesem noch etliche Apostel und andere Heiligen, auch etliche gekrönte frauen und am ende ein Tempelritter, Templarius.
Auf beiden seiten des kohrs siehet man der Apostelbilder mit der überschrift der namen derienigen, so sie nach ihren gesichtern verfertigen lassen; der dreizehnende ist Lutherus, unter welchem stehet, Röm. 3, 5: der Mensch wird gerecht ohne des Gesetzes Werck, allein durch den Glauben.
Noch ist auf dem kohr ein grosser Leuchter mit fünf lichtern, fast auf die art, wie der zu Frankfurt an der Oder in der Oberkirche, zu welchem eine gewisse Jungfrau 18 schfl. weitzen jährlicher einkommen vermacht, das ewige licht darin zuerhalten, welches zwar nach eingeführter Kirchenverbesserung abgestellet, der weizen aber der Kirche zugeeignet, und als der Bauer, dem diese pacht zugeben obgelegen, solche nicht mehr geben wollen, dieselbe per sententiam von dem Consistorio darin bestätiget worden. Er ruhet sonsten auf drei löwenbildern, und stehet unten auf dem fus: Anno Domini MCCCCLXXXVII Do makede Herman Bonstede dese Luchte.
Die Kanzel ist von sandstein, weiß angestrichen, und wird von S. Johannis des Täufers bilde getragen, welcher sich in einem harenen kleide zeiget, und in der linken hand ein buch mit darauf liegenden lamme träget. Die stiege hinauf siehet man Christi lebenslauf gleichfals in stein ausgehauen, und stehet zwischen iedem stükke ein Evangeliste, und über demselben ein engelskopf, auch um den stuhl noch einige Apostelsbilder. Auf der dekke welche von holz, und 1743 wieder neu verfertiget ist, stehet ein gehäuse, in welchem 2 mannsbilder, ganz oben ein Pelikan, und über demselben noch ein mannsbild mit ausgestrekten armen zu sehen, welche stükke man von dem alten dekkel wieder hierher genommen.
Die Taufe ist von metal gegossen, herum stehet an der mitte desselben: Anno Domini MCCCCCLXXXIX. Hermen Boonstede: Help Jhesus unde Maria. Der dekkel ist von holz, und stehet sonsten ganz blos, ohne mit einem gegitter umgeben zusein.
Die alte Orgel hatte ein oberwerk mit 8 registern, und ein rükpositiv mit 7 registern. Sie ist aber von dem gewitter, so A. 1689 den 2 Jul. in den thurm geschlagen, zugleich sehr mit beschädiget, und nachgehends zwar etlicher massen ausgebessert, iedoch nicht völlig wieder zustande gebracht, sondern von (1746 u. 47. abgebrochen, und von dem Berlinischen orgelbauer Hrn. Wagener eine ganz neue Orgel, und zwar nach der neuen ahrt ohne rükpositiv auf einem kohr, welcher von einem pfeiler der kirche zum andern in form eines halben monden, reichet, erbauet worden. Unter demselben ist das Komtureikohr, welches in obgemeldten jahren auch neu erbauet, und hat des damals noch lebenden Commentators Hr. von Tettow, Exc. 100 rthl. geschenket.
Es sein auch sonsten noch unterschiedene Altäre mit bildern aus den Römischkatholischen zeiten in dieser Kirche vorhanden: als 1. S. Niklas bei dem eingange des Kohrs; auf welchen sich S. Niklas in der mitte, zur rechten ein Pabstbild mit dem Triregno, zur linken ein Kardinalsbild zeiget. Dieser ist abgenommen und auf das Frankische gewölbe gesetzet worden. 2. Altare pauperum, worauf abermal Mariä kröhnung, und wie sie Gott der Vater und der HErr Christus in die arme nehmen, und andere bilder zusehen gewesen. 3. S. Annen Altar, dessen hauptbild die H. Anna, welches mit vielen manns- frauen- und kinderbildern umgeben, welches ohne zweifel ihre Genealogie sein sol, und stehet darunter: O Sancte Anna mit dinen hilgen Geschlechte bidde vor Unß. Man siehet auch auf demselben vier kreuze den Kommentaturskreuzen nicht ungleich, und zwar auf ieder ekke eines, dergleichen auch an den andern Altaren und dem Hohenaltar selbst befindlich. Es sein auch sonsten noch auf den flügeln unterschiedener Apostel und anderer Heiligen und Heiliginnen bilder befindlich, stehet ietzo in der Rottnlichen Kapelle oder des Diaconi beichtstuhl. 4. S. Johannis Altar, dessen hauptbild die Dreieinigkeit, zum füssen der Evangelisten Lucä und Marci thierbilder. Ganz oben Mathäi mit dem engel und Johannis mit dem adler. Vier engel tragen instrumente des leidens Christi, zur rechten stehet Maria, zur linken Johannes. Unten lieset man: O gloruosa sancta Trinitas. Unter dem Marienbilde: O mater Dei, memento mei. Unter dem Johannisbilde: Scte Johannes Baptista o. p. bis. Die flügel sein gleichfals, mit viel Apostel, Heiligen- und Heiliginnen- (bildern versehen. Vermuthlich ist dieses derienige altar, welcher der Hyligen Dryvaldycheit unde dem werden hilgen Lycham zuehren von dem Raht zu Werden gestiftet, und von dem Herrenmeister Busso von Alvensleben 1422 ♄ vor mitsasten und vom Bischnf Johannes zu Halberstat fer. 2. post Dom. Miseric. bestätiget worden. Dieser altar stehet ietzo oben über dem grossen altar.
Der Altar der Elenden, ist nicht mehr vorhanden, kann auch nicht wohl angezeiget werden, wo er gestanden, als daß ein bruch in dem pfeiler, gegen S. Annen altar zu, zusehen, und kann sein, daß er sich zu dem Altari Pauperum referiri, wie er dann auch Altare pauperum & Exulum, Altar der Elenden oder dat Elenden Altar genennt wird. Der Altarstein aber mit der nächstfolgenden aufschrift lieget ietzo vor der thüre, so zu dem gewölbe gehet, und ist die aufschrift: Anno Domini 1412. IIII Mensis Aprilis ys dit Elende Altar gebawet und bestetiger mit den Ersten willen alle morghen Messe tho holden unde ewyg tho blivende. Requiescat in Pace Amen. Diderick Bolte. Welcher Bolte diesen altar zu ehren S. Marien, S. Annen, S. Katharinen und Dorotheen, Gertrudis und Margareten, S. Peters und Pauli, der H. Drei Könige, S. Matthäi, Georgii, Antonii und Erasmi, der Hilgen Marteler gestiftet, der Herrenmeister George von Slabendorf aber ☿ nach Miseric. selbigen bestätigt.
Weil dieser Herrenmeister von 1491 bis 1527 regieret; die bestätigung aber von 1412 bis 1512 nicht wohl kann ausgesetzet geblieben sein: so stekt wohl in dieser aufschrift ein irthum, und ist anstatt 1512 gesetzt 1412; oder es mus sich entweder mit der stiftung so lange verzögert haben, oder dieses eine zweite bestätigung sein.
Noch ist S. Ottilien Kapelle vorhanden, welche 1343 von einem Priester Diederich Rodedeke am tage Kreuzeserhöhung gestiftet und von Niklas Tyrbach, Joh. Ordensmeister bestätiget worden: met bestedinge des Erwerdigen in God Vaders und Heren, Heren Borcherdes Bisschopps to Halberstadt, ok mit telatinge des Grot-werdigen Heren Nickel Tyrbach Meisters S. Johans Orden 1473. d. Palmarum; ietzo aber zur Beichtkapelle der Diaconorum gebrauchet wird, sonsten aber nichts darin zufinden als der steinerne fus, worauf vor diesem ein altar gestanden, und dann ein grosser grabstein, worauf ein geharnischter man in lebensgrösse ausgehauen lieget, mit dieser umschrift: Eberhardus, Jonathae Filius, ab Holla, Nobilis Eques Brunovicensis, Serenissimi Pomeraniae Ducis Philippi II. Archicubicularius & Rei militaris Prefectus.
(Von diesem grabmahl hat man folgende nachricht: „Kund und zuwissen sei hiermit: iedermänniglichen, als nach dem gnädigen Willen Gottes… der Edler, Eberhard von Holle, des Durchlaüchtigsten Herrn Philip, des Namens des andern, Herzogen zu Stettin, Pommern etc. etc. Obrister, Cämerirer u. Stallmeister, in Ihr Fürstl. Gnaden Legation an den Durchlauchtigen Hochgebohrnen Fürsten und Herrn, Herrn Joachim Hertzogen von Braunsschweig etc. auf der Wiederreise zu Gardelegen an einem hitzigen Fieber tödtlich krank worden, und von dannen an seinen gewesenen Praeceptorem. Hn. Doctorem Fridericum Corsinium geschrieben, derselbe ihn auch todtkrank nach Werben abholen lassen, endlich den 21 May im wahren Erkenntniß GOttes sanft und seelig abgeschieden: und wie unten benamet von der hochbetrübten Adelichen Wittwen und ganzen Freundschaft demselben sein Begräbniß zu Werben zubestellen abgefertiget: auch beym Ehrbaren Raht durch den Pfarrern Hr. Johann Barthen um einen ehrlichen Ort in der Pfarrkirchen anhalten lassen, auch dazu zum bequemsten ausgesehen der Rottidichen Kapelle, und uns dieselbe um die Gebühr dazu einzuräume gebeten: ein Ehrbar Raht auch neben den Kirchen Vätern sich gantz willig und bereit erzeiget, und am bemeldeten Orte unserm lieben Herrn Schwager und gutem Freunde sein Ruhe-Kämmerlein zuverfertigen vergönnet, auch nichts dafür an Bezahlung ernennen wollen, sondern uns heimgestellet, ihre Kirche, oder derselben Diener mit einem pio legato zubedenken: haben wir einem Ehrb. Rahte in allem Gute auf ihr „freundliches Erklähren begegnen wollen. Setzen und ordnen demnach anstatt der hochbetrübten Adelichen Wittwen, so wol auch der gantzen Freundschaft eins für alles, und alles für eins, jedoch das Geläute ausgeschlossen, ein hundert Gulden, die wir auch, ehe die Begräbnisse geschieschiehet, baar über erlegen wollen. Immassen denn auch bey Uberreichung dieses Contracts die Gelder baar empfangen, und ad pias causas angewendet, folgender Gestalt und also: daß das Capital an gewissen Orten ewig zinsbar bleiben, und die Zinse unter beyde Prediger fort und fort alle Jahr ausgeteilet werden: und der Pfarrer davon jährlich vier Gulden, der Kaplan aber zwo Gulden haben, und der erste Zins auf Johannis Baptistae, wenn man schreiben wird 1612, und so folgend alle Jahre auf Johannis Baptistae stellhaft seyn, und ohne aufenthalt erfolgen solle. Womit ein Ehrb. Raht nebst den Kirchen=Vätern freundlich zufrieden gewesen, und dagegen zugesaget, daß derselbe Ort der Begräniß hinfort keinem mehr eingeräumet, sondern dem von Holle allein sein Begräbniß, wie sie jetzo nur auf seine eigene Person unter dem Leichstein ausgemauert: also auch, daß die Kapelle der Kirchen nach, wie vor, bleibe, und der Kaplan das Beichthören darin verrichte, gelassen werden, auch der Adelichen Wittwen unbenommen seyn solle, ihres Gefallens ihren seel. herzlieben Junkern ein Epitaphium nach zusetzen etc. Getreu und und ohne Gefährlich. Zu fester und steter Haltung, seynd dessen 2 Exemplar, deren eines bey der Kirche, das andere bei der Adelichen Wittwen zur Nachricht bleiben soll, gefertiget, und nebst E. E. Rath und den Kirch-Vätern, auch von den Abgeordneten mit dem Stadt- und ihren Siegeln bekräftiget und unterschrieben. Actum den 5 Junii Anno 1611. Alexander von Rammin, der Jüngere der Wittwen nähester Vetter. Jacobus Forst, Fürstlich Stettinischer Secretarius. Joachim Bertram, der ältere, Vorsteher der Kirchen alhier. Meine eigene Hand.“
Hier wird die Ottilienkapelle genennet Rotidichen Kapelle, weil ihr dieser name auch von ihrem Stifter Diterico Rodedeke, einem Geistlichen, gegeben wird.)
In dem fenster zur rechten hinter dem kohr, wird zum wahrzeichen angegeben das Jüngste Gerichte, in welchem in dem ersten theil, Christi bild, wie er gerichte hält, vorgestellet wird. In dem andern die auferstehung allerhand sel. körper. In dem dritten der höllen rachen, und vor demselben ein bild mit der dreifachen krohne, nächst dem ein anders mit einer bischofsmütze, und weiter etliche ordensleute, welche alle mit einem strik umgeben, und von einem bösen geiste in die hölle gezogen werden. Es greift auch ein besonderer böser geist das bild mit der dreifachen krohne an, auch stehet hinten noch ein böser Geist, so sie hinten nach stöst. Das bild ist gar alt, und aus den Katholischen zeiten her: weil es noch aus den alten farben bestehet, und wird, wie gedacht, noch heute zu tage als ein wahrzeichen der Kirche gezeiget.
Es sein auch noch sonsten hinter dem altar drei hohe fenster, jedes von drei fachen, in deren einem siehet man 1. die erschaffung Evä, 2. Beider, Adams und Even fall, und 3. dero verstossung aus dem Paradies. Hierauf folget das Churfürstl. grosse wapen, wie es zu Churfürst Friedrichs II. zeiten gewesen, samt dessen namen, tittel und der jahrzahl 1467. In dem mittelen zeigen sich nebst allerhand figuren und bildern, drei wapen, unter welchen das mittelste ist der Statwapen; das zur rechten der Tempelherrn, ein weis kreuz im rothen felde; zur linken das Johanniter wapen, ein weis kreuz im schwarzen felde. In dem dritten ist abermahl gar groß gemahlet, unten Dormitio Mariae, worunter stehet: Anno Domini MCCCCCLXVII. Oben Coronatio Mariae cum Imagine Patris & Filii.
Oben an dem gemälde im Hohenkohr stehen folgende worte und zahlen, welche diese Kirche angehen:
Ampliata Anno 1466. Renovata Anno Christi 1614. In festo Johannis baptistae.
Unter den grabmahlen, deren verschiedene sein, und die unten zum theil verkommen werden, sein vor andern merkwürdig dieienige, welche den zweien Commenthuren Joachim von Kleist und Balthasar von der Marwitz, gesetzt, auch noch in dem kohr, befindlich sein und in den Geschichten des Herrn Meisterthums des Johanniter Ordens I. K. IX. §. mit mehren beschrieben werden.
( Auch ist hier noch das grabmahl des Pfalzgrafens Karl Ludwig von Lauterek, welcher in Königl. Schwedischen diensten gestanden, und 1631 aus dem bei Werben befindlichen hauptlager vom König den Kaiserlichen Generalen Tilly und Pappenheim mit 3 regimentern entgegen geschikket wurde, in den dabei vorgefallenen scharmützeln aber das unglük gehabt, sehr hart verwundet zuwerden, und zwar ins lager zurük gebracht und alle sorgfalt angewendet worden, iedoch an den wunden nicht ohne grosses leidwesen des Königs sterben müssen. Sein wapen, degen und fahne haben lange jahre in der Kirche gehangen.
Noch stehet gegen der Kanzel über am soldatenkohr ein grab- und gedächtnüsmahl nach ahrt einer gebrochenen pyramide, und nach den regeln der baukunst verfertiget. Die seulen und bilder, so an den seiten stehen, sein alle von marmor, der einige graue adern hat, und ist einem Burgermeister, Joachim Franke, zu ehren gesetzet worden.
Als man auch A. 1700 nach der ernte in dieser Kirche das pflaster in dem kohr aufgenommen, um es eben zumachen: hat man einen kupfern sarg gefunden, woran geschrieben stehet: Helena, geborne von Waldaw, des wolwürdigen, woledeln, gestrengen und vesten Herrn Burchard Goldackern, des Hochlöblichen Johanniter-Ordens Ritter und Commendatoris zu Werben Eheliche Hausfraw. Anno 1635. )
Man zeiget auch noch einige nachlasse der kugeln, so zu den zeiten, wie der Graf Tilly und Pappenheim, an einer, und der König Gustav Adolph, auf der andern seite, in dieser gegend ihr lager gehabt, wie wir X. §. sehen werden, in die Kirche geschossen worden, dergleichen noch ein schus der aus dem Tillyschen lager geschehen, über der so genannten Brautthüre in der Kirche zusehen, so von dar gegen S. Ottilienkapelle zurückprallet mit solcher heftigkeit, daß auch ein grabmahl auswärts der mauern zerbrochen worden: wiewohl dieses auch unmittelbar mit schüssen aus dem lager kann geschehen sein; wie dann auch auswärts bei der S. Ottilienkapelle noch zwei schüsse in der mauer, auch an verschiedenen orten an der Statmauer, zusehen; und in dem fenster nach der Schule zu lieset man: Was General Tilly und Pappenheim mit ihrem Geschütz an diesem Gotteshaus verwüstet, so höchlichen wahr nöthig, daß hat Herr Ritmeister Fromholt von Meyer hinwieder A. 1638 GOtt zu Ehren und zu seinem Gedächtnüs lasen repariren. Die buchstaben von dieser schrift sein künstlich in blei eingefasset, und haben sich dergleichen auch ehedem gefunden in einem fenster über der Ottilienkapelle hinter der kantzel; wiewohl dieses fenster durch wind und wetter ziemlich verdorben und mehrentheils mit neuem blei und glas eingefasset: und sein nur noch die zwei lezte reihen davon zulesen.
Unter den büchern, welche bei dieser Kirche vorhanden sein, ist auch eine Teutsche durch hans Luft A. 1545 zu Wittenberg in fol. gedrukte Bibel, in welcher Lutherus gleich vorn an auf dem innern dekkel mit eigner hand die erste verse des 1 psalms und folgende glosse geschrieben: „Ein hart merklich Wort ist das, daß ausser Gotteswort alle Menschenlehre so gar verdamt sind, daß sie heissen der Gottlosen Rath, der Sünder Weg, der Spötter Sitz; und Gott nichts von ihnen wissen will: auch wie Spreuen sind, die der Wind verwehet. So doch Rath, Weg, Sitz, schöne herrliche Namen sind, und gleissen zur Verführung der Welt, auch dazu Gottesdienst heissen Matth. 15, aus Jes. 29, Vergeblich dienen sie mir mit Menschen Geboten, ihr Hertz ist ferne von mir. 1545. Martinus Luther D.)
Der Thurm ist von lauter gebranten steinen in einer sehr dikken und vierekkigen mauer hoch aufgeführt, worin ein wohlklingendes geläute, der auch vor diesem eine schöne spitze gehabt, so noch im Theatro Europaeo beim jahr 1631 zusehen; nach der zeit aber, und etliche jahre vor 1713 schadhaft worden, und deshalb müssen herunter genommen werden; iedoch ist auf der Kirche noch eine hohe spitze zusehen. A. 1689 den 2 Jul. ist er von einem harten donnerschlag am dache und glokkenstuhl sehr beschädiget worden, auch der draht, so von dem thurm herunter zu dem seiger in die Kirche gegangen, ganz zerschmolzen, daß keine spuhr davon übrig geblieben: der strahl hat aber auch durch die dikke mauer, und absonderlich durch die mauer bei dem Kommentureikohr durchgegangen, dessen nachlas annoch vorhanden, anbei die dekke von den Orgelflügeln ganz zerrissen, auch sonsten die Orgel sehr beschädiget, dennoch aber nichts (angezündet. Er ist 1699 von einer Collecte wieder ausgebessert worden: und stehet die zahl 1699 oben an dem thurm unter dem dache an der mitternächtlichen seite. Der damalige Inspector, Hr. Strube, wie er ein vortrefflicher Lateinischer Poet war, und die Königlichen verordnungen an die Dioecesanos allemahl mit Lateinischen versen begleitete, hat also auch diese Churfl. verordnung wegen einer collecte ebenfals und zwar mit folgenden gedanken begleitet:
Hos elegos Vobis invita mitto Minerva, Fingendi Musis nullus & ardor adest.
Namque meum calamum sumo, sepono, repono,
Appono chartae, metraque tristis aro. Quid vero mea Musa velit, rogabitis omnes,
Illud perpaucis accipitote sonis:
Denuo ab Eoo jam cardine volvitur annus,
Quum venit aethereo magnus ab axe fragor:
Corripit & nostrum terebrandi fulmine templum,
Quod de Baptistae nomine nomen habet. Flavis exutum est hac tempestate metallis,
Quae pius ELECTOR suppeditanda monet,
Vt restaurentur minitantia tecta ruinam,
Magnis quod fieri sumtibus absque nequit.
Ergo, verenda Cohors, nostri miserere JOHANNIS,
Illum si possis aere juvare, juva.
Commiseratrices cuivis supponere palmas.
Moenia rursus avent nostra. Valete diu.
Dat. Werbenae die X Octob. anno MDCXCIX.
Vestrum omnium cupientissimus Georgius Strubius, P. L. Caes. P. & Insp. Werbensium. m. s.
Die grosse glokke ist 300 jahr alt und von besonders schönen klang: ist aber 1747 im monat Dec. des nachts unter einem, einem erdbeben nicht unähnlichen sturmwind geborsten.)
Das Jus Patronatus über diese Kirche haben von Albrechts des Bären zeiten her, die Commendatores dieses orts gehabt, wie solches aus vorangeführten urkunde dieses Fürsten von A. 1160 zusehen. Thomas Runge aber, Kommentur alhier, so nachmals Herrenmeister zu Sonnenburg worden, hat selbiges dem Magistrat überlassen, als nemlich den Pfarren daselbst gänzlich, ingleichen den Predigstuhl, Caplanei und Schul zubestellen. Hat auch unterschiedene stükke zu unterhaltung des Pfarrers und Kapläne, ingleichen zu erstattung des Schulmeisters und seiner gesellen, ingleichen des Cantors und Organisten abgetreten, mithin jährlich 80 fl. zubezahlen verordnet, alles unterm dato Werben ♄ am tage Simonis und Judae A. 1542, welchen vergleich iedoch der damahlige Herrnmeister, Veit von Thümen, etwas bedenken gehabt zu bestätigen. Der Kommentur Thomas Runge hatte auch nichts desto weniger einen ungeschikten Pfarrer, dem er weniger als der Churfürst verordnet, gelobet und seines nutzens willen angenommen; hatte auch einen Küster zum Kaplan um geringere besoldung bestellet: dargegen der Magistrat sich zu Churfürst Joachim II. gewant und gebehten, das Predigtamt mit geschikten leuten zubestellen etc. welchem dann der Churfürst gehör gegeben und gedachten Contract bestätigt: Daß er in unser Stat Werben soll ewiglichen bleiben, Stete, Veste gehalten werden. Befehlen auch darauf dem ietzigen und künftigen Comprotoren daselbst deme also on einrede für und für bleiben zu lassen und zu halten etc. Kölln an der Spree ♃ nach Valent. 1544. Ist unterschrieben Johann Weinleben, Vice-Kanzler, Johann. Agricola Isleben. propria manu.