II.

Die Stat enthält sich annoch in ihren wöllen, mauren und thürmen, und wird der Starke Thurm bei dem Elbthor für das uhralte Varinum gehalten. Er bestehet aus einem sehr künstlich und in der runde hoch aufgeführten dikken und starkem mauerwerk von 12 werkfus, welches etwan bis an die helfte der ganzen höhe des thurms hinauf gehet, daselbst aber einen absatz hat, alwo aus dem untersten fundament, gleichsam ein ander und kleiner thurm von eben solcher künstlichen runde weiter in die höhe geführet wird, um welchem man auch vermittelst eines ganges rund herum gehen gangs (kann. Inwendig hat er 3 gewölbte boden. Wann man durch eine schmale steinerne treppe, (denn der ganze thurm ist von steinen) welche inwendig in einer schlangenkrümme in die höhe gehet, auf den ersten absatz kommt: so findet man in der mitte des saals eine öffnung, welche ein, aus der erden ausgemauerter brunnen ist, aus welchem vermuthlich in den alten kriegszeiten die thorwachten ihr wasser geschöpfet haben. Der brunnen hält noch wasser. Weil aber die winde über denselben, welche an einem eingemauerten querbalken befvestiget und mit einem eimer versehen gewesen ist, nicht mehr vorhanden: so kan man nicht mehr wasser daraus schöpffen. Anietzo brauchet der thorschreiber dieses stokwerk, um holz darin zu legen. Er mus aber den brunnen, der mit seinem geländer umgeben ist, zudekken: damit kein schade geschehe. Auf den 2 inneren untersten stokwerken des thurms sind schöne kamine zufinden: welche aber ietzo zu nichts taugen, hingegen in den kriegszeiten bei der wache ihren guten nutzen gehabt haben. Bei dem ersten äusseren absatz gehet ein steinernes geländer von 5 fus hoch um den thurm, in welchem geländer schieslöcher gebauet sind. Hinter diesen schieslöchern, iedoch etwas höher, als das geländer ist, sein starke eiserne haken, 4 bis 5 zol dik, in den thurm eingemauert, vermuthlich zum gebrauch damaliger geschütze.

Die Mauern sein lange zeit noch in gutem stande, und zu den alten zeiten doppelt gewesen, wovon noch an einigen orten verschiedene überbleibsel zusehen. Es hat auch König Gustav Adolph A. 1631, die Stat wegen ihrer bequemen lage befestigen und rund herum einige redouten und kleine schanzen aufwerfen lassen, die aber mit veränderung des krieges wieder eingegangen, und A. 1640 auf befehl des damaligen Churfürstlichen Stathalters, Dietrichen von Schwarzenberg völlig geschleifet, die mauern selbst auch, hin und wieder niedergeworfen, und dergestalt die Stat fast zu einem offenen ort worden; indem an den meisten gegenden ein zaun, die noch übrige stükken mauern aber ganz baufällig sein. Der wal von dem Seehausischen bis Räbelschen thore ist 1737 auf Königl. genehmhaltung eingeschossen und gärten daraus gemachet worden.

Thore sein: das Elbthor, Seehausische Thor, Kompturei Thor und Röbelische Thor. Die vornehmste Strassen sein: der Marktplaz, die Langestrasse, Judenstrasse, Fischerstrasse, Scharwachten, Fubian, die Strasse nach dem Röbelischen Thore zu. Man findet auch unterschiedene wohlgebaute Häuser darinne, und wird noch auf dem markte ein steinernes haus gezeiget, so noch in guten stande ist, und das Goldbekkische haus genannt wird, worin der König Gustav Adolph, vor deinem sein quartier gehabt.

(Was bei Seehausen von einem 3 fachen steinpflaster V.K. III. §.s.6. angemerket worden, das hat man hier auch wahrgenommen. Dann als vor einigen jahren der Hr. Inspector in seinem garten rojolen lassen: hat sich ein 4 faches steinpflaster gezeiget, davon aber die ursach nicht so wohl eine verwüstung, als vielmehr die erhöhung des orts gegen die anstossende Elbe sein mag, um der wasserfluth zuentgehen und den dämmem oder teichen gleich zukommen.)