XIII.
Vor der Stat lieget der Drudenhof, ein name, der leicht liebhaber finden möchte, die ihn von dem Drusus würden herholen wollen, oder von den Druiden: aber die hofnung ist vergebens. Der namen kömmt von einem her, der diesen hof bewohnet, und Drude geheissen.
Zu der Stat gebiet gehöret das Heinholz, ein gebüsche, davon die mast der Stat allein gehöret, die hütung aber auch den Einwohnern von Nitzau zustehet; und der Eichwerder, welcher der Stat allein zukommt, aber das unglück hat, daß der Elbstrom fast täglich abwäscht, und stükken davon reißt, und macht, daß ein baum nach dem andern, weil er dem fall nahe ist, umgehauen werden muß, mithin zubesorgen, daß endlich nichts davon werde übrig bleiben. Weil das dorf Nitzo mit diesem gebüsche gränzet: so hat E. Raht und Bürgerschaft A. 1668, 20 Okt. und 1690, 21. Aug. mit den Einwohnern desselben wegen der gränzen sich verglichen: da dann absonderlich ein grosser anwachs von land zwischen dem Eichwerder und Nitzowischen holze von beiden theilen in anspruch genommen, iedoch endlich dem dorfe Nitzow zugeeignet worden. Es bestätiget inzwischen dieser anwachs das, was von abwaschen der Elbe IV. Th. I. Abth. I. K. I. §. s. 952. gesagt worden. Von der bis hieher gehende Wische s. oben V. K. XV. §. s. 46.
Ein theil vom gebiete der Stat lieget, wie schon erwehnet, ienseit der Elbe in der Prignitz. Auf demselben ist die oben gedachte Süre und die Prignitzow, das Elsholz oder sogenannte Elslake oder Kolpin gelegen, welche iedoch nicht von besondern belang ist: könnte aber beträchlicher werden. Von beiden siehe oben XI. §. s. 31-33.
Die vor der Stat gelegene Ziegelscheune hat vor dem grossen krieg dem Magistrat zugestanden: ist aber 1631 durch denselben ganz zu grunde gerichtet, iedoch von vier Rahtspersonen 1691 wieder aufgebauet worden, welche laut Chf. verordnung selbige so lange zubesitzen berechtiget sein, bis der Magistrat selbigen die verbesserungskosten ersetzen und sie solchergestalt wieder lösen kann.
Das Lager, welches der König von Schweden A. 1631 bei dieser Stat gehabt, ist sowohl überhaupt, als auch insbesondere der ort im lager, wo des Königs gezelt gestanden, noch ietzo ganz kentbar, als welches letztere über den andern boden noch um 1 fuß höher, darneben auch noch die merkmahle zusehen, wo küche und keller gestanden, und wie die wache vor des Königs gezelt aufgezogen. Bei dem Elbteich haben die Schweden auf den halben man verdeckt gestanden, auch an dem Elbteich verschiedene batterien und reduten angefertigen lassen. Einen richtigen abris von diesem Lager und der Stat siehet man im Theatro Europ. der mit dem noch vorhandenen nachlas vollkommen übereinkommen soll.
Durch das Werbensche gebiet gehen 3 hauptgraben, die Wässerung, der Taube Aland und die Beverlag, über welche ebenfalls noch ordentliche Schauen angeordnet sein; die aber die theilnehmende für sich und aus eigenem trieb beobachten, auch eine Schauordnung unter sich halten, so von dem Obergerichte bestätiget wird.
Zu Hindenburg ist noch ein überrest von einem alten Schloß oder Burg vorhanden, und nach Hofemanns beschreibung des Herzogthums Lüneburg, soll es ein Raubschloß gewesen sein: wiewohl es vorher auch wohl kann wider der Wenden einfälle sein gebrauchet worden. Das dorf soll von dieser Burg den namen bekommen haben. Es kann auch wohl das haus oder schloß eines Commentors gewesen sein: gestalt dann der Orden an diesem Dorfe gewisse gefälle, nemlich 4 Akkerleute und vier Kossäten nebst dem jure patronatus hat. In der Kirche vorm altar ist Joachim von Rintorf begraben aus Gethlingen laut folgender aufschrift: Anno 1582. 29 Octob. obiit in Gethlingen Reverendus ac nobilis Dns. Joachimus a Rintorf cuius anima requiescat in pace aetatis suae 55. Weil er Reverendus heist, und sein in stein gehauenes bild ein buch in der hand hält: so ist es vermuhtlich ein commentor oder einer von den Vicariis gewesen, welche nach Werben gehöret und hier ihre vicariat verwaltet; wie dann auf dem Kirchhof noch 3 häuser befindlich sein, welche Vicarienhäuser genennee werden. Als ein rähtsel ist anzusehen gewesen, wann ein paar getrautet worden, davon die braut eine rechte mutter und stiefvater, einen rechten vater und auch eine stiefmutter noch am leben gehabt. Sonst macht der um die Geschichte wohlverdiente Hr. Abel diesem kleinen ort, der sein geburtsort ist, viel ehre.
A. 1327 hat Ludwig der ältere 2 talent weniger 20 pfennige aus diesem dorf dem Plebano in Arnem geschenket: Nos Ludovicus . . . dedimus & per presentes donamus plebano in Arnem & suis successoribus nec non sacerdoti ibidem proprietatem omnimodam super duobus talentis viginti denariis minus in censu mansorum & arearum ville Hindenburg cum plena libertate & commodo . . . presentibus nobili viro Domino Bussone comite de Mansfelt. Domino Segero preposito Stendaliensi ac Henrico de Luchowe . . . Datum anno 1327 in crastino Sancti Thome Apostoli.
Das erdreich um Kalberwisch ist eins von dem besten in der ganzen Mark: soll auch keine steine zeugen, sondern diejenige, welche etwa mit dem mist hingekommen sein, ganz mürbe machen und endlich gar verzehren. Die Kirche hieselbst soll A. 1164 von dem Grafen Henrich zu Osterburg sein erbauet worden: wiewohl ich davon keine weitere nachricht, auch kein bildnüs dieses Gr. Henrichs findet, davon man sagt, daß es hier gewesen: wohl aber stehen über dem altar am gewölbe etliche männl. und weibl. geschlechts in Römischer tracht gemahlet: ingleichen Simson im küraß mit entblößtem haupte in dem schooß der sitzenden den Delila liegend mit dem darüber gemahlten namen: Samson. Vielleicht hat man eins von diesen bildern für des Grafen bildnüs ausgegeben. Ueber dem altar stehet die jahrzahl 1536.
Bey Wallsleben hat vor zeiten eine Burg gelegen, wovon jedoch nichts mehr weiter, als der erhabene platz zusehen, wo sie soll gestanden haben.
Die Kirche, zu welcher sich die dörfer Krusemark, Hohenberg, Gr. u. Kl. Ellingen halten, lieget mitten zwischen diesen dörfern im freien felde, und wohnet bei derselben niemand, als der Prediger und Küster; welche bewandnüß es beinahe auch hat mit der Polkritzischen Kirche, wobei iedoch noch ein Adelicher hof ist. In Nieder Göhren ist eine kleine aber ganz gewölbete Kirche, welches man auf dem lande nicht so leicht findet. Doch vergl. Ristät bei Kalb.
Zu Krusemark ist eine glokke, an welcher sich folgende aufschrift befindet: Gherardus de mon. de Campis me fecit anno Domini M.CCCC.XC. benedictus qui venit in nomine Domini osanna in excelsis. Dieser Gherardus de Campis ist eben derjenige, welcher die grosse glokke zu Erfurt gegossen. In der Kirche zu Krusemark sein 2 grabmahle von stein, und zwar des Obristwachmeisters, Hrn. Erdmann von Krusemark, kniend in Mannsgrösse mit dem denkspruch: Gott allein die Ehre; und des Obersten Hrn. Adams von Krusemark, welcher bei der eroberung der Festung Bonn sein leben eingebüsset, befindlich. Daß Markgr. Ludwig ums jahr 1334 die bede in diesem dorf, ingleichen das dorf Iden, die helfte des dorfs Scharpenloh und den zehend der hufen im Kruge an Arnold von Russo versezt; erhellet aus dem noch vorhandenen brief: In vigila beate Elyzabet obligavimus . . . Arnoldo de Russow villam dictam Ydem cum omni jure . . . precariam in villa Krusmark medietatemque ville dicte Scharpenloch & decimam mansorum dictorum im Kruge pro trecentis marcis argenti Brandenburgensis. Reservantes . . . Ludw. Rel. T. VII. s. 10. n. 15.
Das dorf Polkritz hat vor zeiten dem Abt zu Ilsenburg Halberstätischen sprengels zugehöret, und ist unter den Kirchensachen noch eine abschrift von einem brief vorhanden, in welchem Gr. Albrecht von Arneburg, Albrechts des Bären sohn, diese güter dem Abt vereignet:
Ego Adelbertus Dei gratia Comes in Arneburg universis Ecclesie fidelibus in perpetuum. Noverit universitas fidelium tam presentium quam futurorum, quod consideratis & discussis motibus temporalibus nihil perpetuum, nihil salutiferum sit, perituri seculi lene & miserabile invenimus blandimentum. Unde stabilitatis alicuius solliciti edificare fundamentum desideravimus participes fieri divini obsequii & orationum fratrum in Ilseneburg. Et quemadmodum avus noster Adelbertus pie memorie Marchio in Brandenburg bona eorum in Polkritz, ab omni iure quo ei tenebantur, plenissime absolvit, ita & nos ad exemplum ipsius, ab omni jure si quod erat quo nobis teneri videbantur, bona eorundem fratrum in Polkritz plene & a qualibet prorsus absolvimus exactione. Nullam penitus Bedelli & officiales nostri rogandi, recipiendi, sive sollicitandi ex parte nostra habeant auctoritatem, Nulla nobis sint ibi hospitia, nulla prorsus servitia; sed bona predictorum fratrum, sive culta, sive inculta, sive postmodum colenda, quibus eorum serviant penitus profutura. Ut autem hec nostra donatio rata & in concussa futuris postmodum permaneat temporibus, sigilli nostri impressione roboravimus, adhibitis idoneis testibus, quorum nomina subter annotata sunt, Rodgerus de Vivlinge, Gerhardus de Belitz, Teoricus Dapifer, Heiderricus & Adelbertus de Bortfelde, Alardus de Harrhem, Heinricus de Wontbusch, Johannes de Gisenschlage, Hermannus de Rorbeck, Volradus & Theodoricus de Eckstede & alii quam plures Anno Dominice incarnationis millesimo centesimo & quarto, conscripta a Godofredo Curie nostre Capellano.
Dieselbe güter aber hat 1535 der Abt Henning denen von Woldiken überlassen lant folgender abschrift: Wir Henning von der gnade Gottes Abt des Stifts S. Peter und Pauls zur Ilseneburg Halberst. Bischofthums ordens S. Benedicti bekennen in diesem offenen versiegelten briefe vor uns und unsere nachkommen, daß wir haben verliehen und gegenwärtig verleihen, den Erbaren und Ehrenvesten Hans Woldicken von Arneburg samt seinen vettern Christoffen und Antonius gebrüder auch Woldicken genannt, und ihren rechten Männlichen leibes und Lehnserben auch deren Erbarn Hans und Arendt von Lüderitz seligen nachgelassenen kindern, und ihren rechten männlichen leibs Lehnserben mit unserm dorfe und hof Polckritz, mit aller zubehörung des dorfes und hofes im Felde, an Akkern, holzungen, mit aller gerechtigkeit und zubehörung und mit allem, womit unser Kloster gedotiret und gestiftet ist, und von alters gehabt hat nach laut und inhalt der versiegelten donation und privilegien etc. Anno 1535 am tage Georgii martyris. Wann auch von Nieder Gören erzehlet wird, daß sich daselbst ehedem ein Abt aufgehalten: so ist es wohl wahrscheinlich ein Abt von Ilsenburg gewesen, den die gelegenheit und gesunde luft des orts dazu veranlasset. Es ist auch daselbst ein schöner Springbrun, den man gar für einen gesundbrunnen halten wollen, weil ein blinder dabei sehend worden: und hält er zwar die probe von galläpfeln; es ist aber solches zum gesundbrunnen noch nicht hinlänglich, und befindet sich bei mehr quellen, die deswegen nicht für gesundbrunnen gehalten werden. Die angeführte nachricht hat auch keinen gewissen mann.
In Altenzaun, einer filia von Polkriz stehet aus den Papistischen zeiten noch eine Kapelle, worin messe gehalten worden: ietzo wird sie zum taufen und trauen gebrauchet. Das halbe dorf haben ehedem die Schlegel besessen, welchen es Markgr. Ludwig mit andern gütern verliehen:
„Wi Ludowic . . bekennen . . dat wi den erbern Luden, Claus, Konen, Wernher brudern, und Fridriche Fridrichs dem got gnedick, sin sone eren veddern, geheyten die Slegel, hebben verleghen und verlihen en alle ere gut, dat si von uns hebben gehad, und to rechte hebben scolen, dat is dat halue dorp to Oldenthun mit eren houe, dar si uns dinstes phlichtig van sin, und in demseluin dorpe drittehalue huue, beyde dat gut to Kudowe oder elue, to Belitz und to groten Ellingen seuen stücke geldes, in dem dorpe to Vintzlowe, mit allem rechte, dat vierde deil des dorpes to Getlingen. In dem dorpe to Pletz dri stücke geldes. In dem dorpe to Bertekowe twei stücke geldes. In dem dorpe to Gorbeslage ener hufen, und enes virdels tegheden, samenden hant, in alle den rechten eren gnaden, vriheit und mit allen nutten, to besitten, an allerleye hindernizze, als bi vorgnanten Slegel alle die gut be vorgescreuen stan, von olden margreuen to Brandenburch usen voruaren, den got gnade, hebben gehad und beseten. Ok vorlihe wi den vorgnanten Claus, Konen und Wernher, die vormuntschaft, alles des gudes, dat Fridrich des egenanten Vridrichs dem got gnade, son, van rechte, en drepem mach, in rechter vormuntscaft wise to vor stan, also lange bet he to sinen iare kome, und dat sie eme rechnscap dun wenne he to iaren komet, als sik von rechte geboret. In cuius etc. Testes Deck, Wolfsteiner, Hufener, Bombrecht, Lochir, Helbe, Th. Zickowe, Hasse de Wedel senior, Gerike Wolf cum ceteris. Datum Stendal anno domini MCCCXLIII. feria secunda post Thome.
Iden hat einen see neben sich, dessen oben im IV. Th. II. Abth. II. K. III. §. s. 1084. nebst der in hiesigen gefilde befindlichen Bieberlake ib. s. 969. gedacht worden. Bei erzehlung eines zufals, wodurch eine magd mit einem bal geworfen, und etliche tage hernach gestorben sei, wird einer gewohnheit, da junge mägdchens von den jungen gesellen auf Ostern einen bal abfordern, gedacht, davon man gleichwohl hinlängliche nachricht nicht in erfahrung bringen können.