Die fernere Geschichte derer von Kannenberg.
Aus dem 16. Jahrhundert nennen wir Levin von K., der 1548 zum Havelberger Domherrn gewählt wurde, Erasmus von K., der 1592 nach dem Tode des D. Joh. Julius von Streithorst in den Besitz einer Präbende am Dom zu Havelberg gelangte, und Caspar von K., Propst von Walbeck, unter dem das Stift Walbeck evangelisch wurde und der 1605 im Halberstädter Dom seine letzte Ruhestätte fand. Der bei weitem hervorragendste Angehörige des Geschlechts ist Christoph v. K., dem wir schon oft im Vorhergehenden begegnet sind. Bevor wir ihm hier einen besonderen Abschnitt widmen, wollen wir einige Nachrichten über den älteren Grundbesitz der Familie beibringen. Zwar liegen erst aus dem Ende des 14. Jahrhunderts dürftige Notizen über den Grundbesitz der Familie vor, doch erkennen wir so viel, daß das Rittergut Kannenberg an der alten Elbe sowie Dorf und Rittergut Buch nicht weit davon Haupt- und Stammgüter des Geschlechtes gewesen sind. Das berühmte Landbuch Kaiser Karls IV. nennt 1375 nur Otto von K. als Besitzer bescheidener Pächte in Bellingen, enthält aber keine Angaben über die Begüterung derer v. K. in Kannenberg, Busch und Lichterfelde. Wir dürfen uns darüber nicht wundern, denn diese Ortschaften gehörten damals zur Vogtei Arneburg, welche der Markgraf Ludwig der Römer seiner Gemahlin Ingeburg zum „Leibgedinge" ausersehen hatte. Nach dem Tode Ludwigs vermählte sich Ingeburg zum zweiten Male; ein Vogt verwaltete nun an ihrer Stelle ihr diesseitiges Wittum. Außer dem Besitz in Lichterfelde werden noch Besitzungen in Schwechten 1392, zu Dobbrun u. a. O. genannt. Im Lehnbuch des Kurfürsten Joachim Friedrich findet sich auffälligerweise kein Lehnbrief für die von K. eingetragen, wohl aber in dem gleichzeitigen Lehn-Registraturbuch, laut dessen im Jahre 1598 Benedikt der Aeltere, sel. Georgs Bruder, Benedict und Christoph der Jüngere, sel. Georgs Söhne, zu Steinbrück, und Hans von K. zu Wollenrade belehnt werden. Etwa vom Ende des 16. Jahrhunderts an datiert ein Aufschwung des Geschlechts und offenbar eine Zunahme seines Wohlstandes, sicherlich veranlaßt durch die einträglichen Pfründen und Ehrenstellen, die einigen Mitgliedern des Hauses bei dem Hochstift Halberstadt zuteil wurden, veranlaßt aber ganz besonders durch die ansehnliche Beute, welche dem berühmten Christoph von K. bei den zahlreichen glücklichen Unternehmungen, insbesondere bei der Eroberung von Städten und festen Plätzen, zufiel.