7. Von dem Dorfe Giesenslage.

Von dem Dorfe Giesenslage hören wir wenig. 1355 verpfändete Ludwig der Römer dem Komtur zu Werben, Albrecht von Dannenberg, die Dörfer Giesenslage und Behrendorf. Zu dem Leibgedinge, das derselbe Markgraf seiner Gemahlin Ingeborg 1363 verlieh, gehörte auch Giesenslage. Wir führen diese und die folgenden Notizen nach dem Aufsatz des Herrn Dr. Storbeck und nach der 1. Auflage dieser „Beiträge“ an; in dem Aufsatze sind die betr. Urkunden in den Anmerkungen genau verzeichnet. 1452 verpfändete Kurfürst Friedrich II. dem Arnd von Lüderitz, der ihm 2000 rheinische Gulden geborgt hatte, u. a. die auf Walpurgis und Michaelis fällige Bede in Ober- und Niedergiesenslage, in Behrendorf und Königsmark. Aus dem Jahre 1472 hören wir, daß die beiden Werbener Bürger Gerecke Steue und Hans Schalk Zehnthebungen in G. haben, die durch den Tod des Claus Schalk an den Werbener Arndt Engel fallen; es ist derselbe Arndt Engel, den der Kurfürst Johann Cicero in einer Urkunde 1486 „unsern wirtt czu werben“ nennt.

Die Visitationsabschiede von 1540 und 1542 berichten von den kirchlichen Abgaben der Giesenslager das Folgende: Auf dem Hofe Heinrich Kämmerers ruhten 5 Gulden jährliche Zinsen für den S. Thomasaltar in der S. Petrikirche in Seehausen. Hans von Krusemark zahlte für Privatpfründen in derselben Kirche jährlich drei Gulden. Der Bauer Neiling zahlte an den dortigen Magdalenen-Altar die Zinsen von 1000 und die von 100 rheinischen Gulden, die Klaus von Jagow dem Altar verschrieben hatte; derselbe Neiling hatte an den „Gemeinen Kasten“ in Seehausen noch 2½ Gulden zu entrichten und Christoph Krusens 3 Gulden. Aus dem Avemannschen Hofe erhielt der Kaland bei der Pfarrkirche in Arneburg ½ Wispel Hafer als erblichen Zins.

Das Kannenberger Archiv berichtet uns von der finanziellen Not des Giesenslager Ackermanns Claus Avemann. Im Jahre 1598 leiht er von dem Stendaler Bürger Nikolaus Möring 100 Gulden zu 6%; im Jahre 1608 leiht er von Claus Mörings Witwe, Frau Christina, geb. Sachse, 50 Taler und im Jahre 1610 noch 100 Gulden von derselben Witwe. Diese Verpflichtungen des Claus Avemann gelangen durch Erbschaft an Anna Kratz, die Ehefrau des Stendaler Bürgers Jürgen Storbeck; dieser tritt sie 1676 dem Christoph Günzel von Kannenberg ab, nachdem über Claus Avemanns verlassenen Hof in Giesenslage der Konkurs eröffnet war.

Von den Familien, die vor dem dreißigjährigen Kriege in Giesenslage ansässig waren, finden wir nach demselben dort keine wieder. Das Dorf war völlig zerstört. Der erste Bauer, der sich nach dem Friedensschluß dort ansiedelte, war Paul Backhaus, von dem berichtet wird: „P. B. erhielt den Giesenslager Krug ganz verfallen erblich von einem gewissen Scharde 1649 für 5 Gulden in drei Jahren zahlbar. Es gab, so lesen wir in dem oben genannten Aufsatz, um 1700 in dem Dorfe außer dem Hohen Hofe das Lehngut der Familie Becker, den Freihof der Familie Jordan und sechs Ackerhöfe, die den Familien Thoms, Lemmermann, Backhaus, Wienecke, Becker und Forth gehörten; dazu kamen noch der Krug, die Küsterei und später noch ein Leinweber. Das alte Lehnschulzenamt ist vermutlich recht früh eingegangen, denn es wechselte unter den Ackerleuten.

1702 vernimmt der Notar Erasmus Ulrici auf Requisition von Fräulein Anna Sophia von Kannenberg eidlich folgende Personen: Paul Backhaus, Ackermann, Heinrich Thomas in Giesenslage, Dietrich Schlue, Kossat in Räbel, und den 92 Jahre alten Ackermann Hans Lüdicke über die Jagdgerechtigkeit auf dem Felde von Giesenslage. Sämtliche Personen sagen aus, daß der General Christoph von Kannenberg die Jagd daselbst unbestritten ausgeübt hat.