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92 Der Johanniter-Orden im östlichen Nieder-Deutschland.
Prozess nicht veröffentlicht habe und der Bote, der diesen nach Brandenburg brachte, dort gefangen gesetzt sei (Preger, 280).
Gern hätte der Papst wohl auch mit Heinrich dem Löwen von Mecklenburg angeknüpft; doch das beiderseitige Verhältniß war kein gutes, weil der Papst bereits wiederholt mit dem gewaltthätigen Fürsten, wegen dessen Uebergriffe an Kirchengut, zu thun gehabt hatte (Preger 250, 265). Nun kam ihm die Landersucht des Mecklenburgers entgegen. Er hatte wegen seiner Streitigkeiten mit dem Wittelsbacher den Dänenkönig als Schiedsrichter angerufen und war selber nach Wordinborg gereist, um Theil zu nehmen an der Hochzeitsfeier des Markgrafen. Doch der Spruch fiel nicht zu seinen Gunsten aus. Ohne sich ihm zu fügen, ging er schnell entschlossen zu Schiff, fuhr nach Mecklenburg zurück¹) und wandte sich an den Papst. Er sandte ihm einen Schweriner Kanoniker, der ihn ersuchte, Heinrich von Mecklenburg und dessen Nachfolger mit der Mark Brandenburg zu belehnen, damit er dem Herzoge Ludwig dem Jüngeren von Bayern besser Widerstand leisten könnte. Der Papst wäre ihm wohl gerne zu Willen gewesen, aber es handelte sich um einen so unerhörten Vorgang, dass er fürchten musste, alle Fürsten des Reiches gegen sich aufzubringen. Er lehnte deshalb das Ansuchen in liebenswürdigster Weise ab und forderte ihn auf, den neuesten Prozess gegen jenen Ludwig bekannt zu machen und danach zu handeln. Dieses Breve ist vom 20. Februar 1325 datirt (Riedel B. II, 23). Als Heinrich erkannte, der Papst gehe nicht auf seine Pläne ein, liess er ihn bei Seite und verglich sich, wie wir oben sahen, mit Brandenburg.²)
In dem neuesten Prozesse, welchen Johann XXII. dem Fürsten Heinrich sandte, waren die früheren zusammengefasst. Am 1. August 1325 that er dann den letzten entscheidenden Schritt, indem er die Vasallen und Gemeinden der Mark Brandenburg aufforderte, dem Sohne des Königs, der von diesem zum Markgrafen eingesetzt sei, nicht zu gehorchen.³) Bald war Kampf und Fehde überall, namentlich die Polen wütheten furchtbar im Lande.⁴) Die Pommern-Herzöge schlossen
¹) Forsch. XVI, S. 137; Heidemann würdigt das Verhalten Heinrichs nicht richtig, S. 138 Anm. 4. ²) Koch, S. 341, spricht von Fürst Heinrich als einem „Bundesgenossen“ des Erzbischofs von Magdeburg. Dafür lässt sich nicht der geringste Beweis beibringen. Heinrichs ganzes Verhalten zeugt gegen irgend eine Beziehung zu dem Kirchenfürsten; er hatte nicht blos „mehr seine eigenen Interessen im Auge“, sondern ganz ausschliesslich. ³) Kopp, Eidgenössische Bünde V, S. 187; Raynald No. 8. Ob richtig datirt? ⁴) Namentlich Klöden, Dipl. Gesch. des Markgrafen Waldemar III. S. 94 f, 452 f. Literatur. Forsch. XVII, 140, Anm. 2.