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86 Der Johanniter-Orden im östlichen Nieder-Deutschland. sollte sogleich unter des Königs persönlicher Theilnahme die Besitzergreifung des Landes folgen. Der Herzog verpflichtete sich ihm und dem Markgrafen zum Beistande, zumal in der Altmark. Das Verhältniss des Braunschweigers zum Hause Wittelsbach gestaltete sich also äusserst freundlich. Da nun der Herzog nachweislich auch in guten Beziehungen zum braunschweigischen Kommandator Gebhard von Bortfelde stand, so lag es nahe, dass dieser durch das braunschweigisch-wittelsbacher Bündniss mit dem Königshause in Berührung kam.

Am 7. Mai wurden auch die Wettiner von König Ludwig gewonnen, indem er seine Tochter Mechtilde mit dem unmündigen Markgrafen Friedrich von Meissen verlobte. Die Verschwägerung erhielt eine bestimmte Richtung, als er ihm bald darauf die Lausitz verschrieb, welche Herzog Rudolf von Sachsen besetzt hatte, und er auch den Wettiner unter die Vormünder seines Sohnes bestellte: einen Unmündigen dem anderen.¹) Und noch weiter griff die bayerische Politik, in ihren Anfängen auch wohl von Nürnberg aus. Im Norden waren die Hauptgegner: Fürst Heinrich der Löwe von Mecklenburg und die Herzöge von Pommern, jener wünschte die Priegnitz, diese die Uckermark für sich zu eigen. Auch hier wusste der Bayer in der Weise Rath, dass er ihnen durch Verschwägerung einen gefährlichen Feind im Rücken erweckte. Am 13. Juli (Riedel B. II, 3) wurde der junge Ludwig mit der Tochter des Dänenkönigs verlobt. Eine Zusammenkunft der beiden Könige in Lübeck sollte die verwandtschaftliche und gewiss auch die politische Vereinigung weiter bilden. Im Juli zog der Bayer nordwärts, von Nürnberg über Bamberg nach Arnstadt in Thüringen. Hier verweilte er längere Zeit, eifrig beschäftigt, die Sache seines Sohnes zu fördern. Namentlich gewann er hier die wichtigen Städte Brandenburg und Magdeburg, welche sich beide schlecht mit dem Erzbischof Burchard von Magdeburg standen. Die Magdeburger gingen sogar einen Bund mit dem Könige ein, der sich gegen ihren Kirchenfürsten und den Herzog von Sachsen richtete.²) Ohne über Thüringen hinaus zu gelangen, kehrte König Ludwig wieder um nach Nürnberg und München. Es ist anzunehmen, dass er damals eine Reise in die Mark geplant hat; sie ergiebt sich schon aus der Urkunde Herzog Otto’s von Braunschweig. Aber wichtige Dinge: ein etwaiger Ausgleich mit Oesterreich, sein Verhältniss zu Johann von Böhmen und zum Papste werden ihn zurückberufen haben. Am 19. Oktober lief König Christof von Dänemark in die Trave ein mit vielen Schiffen und seiner

1) Vergl. Lippert, in Forsch. z. brandb. und preuss. Gesch. V, S. 209; und Lippert, Wettiner und Wittelsbacher S. 19. 2) Vergl. J. Koch, Leben des Erzbischofs Bernhard III. von Magdeburg, in Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg XXIII, S. 334.