Seite 104

Gebhard von Bortfelde, der erste Herrenmeister. 95

Wirken galt, wie es ja auch im Amte lag, wesentlich der Verwaltung, sowohl der eigentlichen Ordensverwaltung in Provinzialkonventen und durch eigenes Eingreifen auf Reisen, als auch der Güterverwaltung. Aber gerade dadurch konnten Geld- und andere Mittel flüssig gemacht werden, die dem stets geld- und hilfsbedürftigen Markgrafen Ludwig zu statten kamen. In einem wichtigen politischen Antrage finden wir Gebhard erst thätig, als die Vormundschaft in der Mark ihr Ende erreicht hatte und Ludwig selbständig geworden war.

Die erste Urkunde, welche wir besitzen, als für Gebhard von Bortfelde ausgestellt, ist die des Fürsten Heinrich von Mecklenburg, der dem Herrenmeister am 31. Oktober 1327 das Gut Deutsch-Kleinen im Lande Rostock schenkte. Es heisst darin, dass diejenigen würdig belohnt werden müssten, welche dem Fürsten würdig zu Diensten wären. Gebhard wird bezeichnet als dem Fürsten hervorragend lieb, als besonders lieber Genosse und Rathgeber (vergl. Urkunden No. 3). Leider steht dieses Schriftstück zu vereinzelt da, um sagen zu können, auf welche Vorgänge es sich bezieht, doch irren wir gewiss nicht, wenn wir sie mit dem Rügenschen Erbfolgekriege in Verbindung bringen. Im Fürstenthum Rügen war der Mannestamm ausgestorben; die Linie Pommern-Wolgast nahm es kraft Verwandtschaft und Erbverbrüderung in Besitz, doch Heinrich der Löwe und die Herren von Werle machten ihr diesen streitig und wurden vom Dänenkönige Christoph mit dem schönen Gebiete belehnt. Die Städte hielten fest zum pommerschen Fürstenhause; es kam zu Belagerungen und blutigen Zusammenstössen; Anfang Oktober zu einem hartumstrittenen Treffen bei Griebenow, in welchem „Gott den Städten den Sieg verlieh“. Auch die Stettiner Herzöge, welche wegen ihrer Angelegenheit mit Brandenburg den Verlaufe der Dinge unthätig zugesehen hatten, traten jetzt auf die wolgastsche Seite. Doch war Fürst Heinrich noch nicht gesonnen, seine Sache aufzugeben. Im Frühjahr 1328 erschienen die Mecklenburger wieder mit starkem Heere im Felde. Wenige Wochen nach der Niederlage bei Griebenow nun stellte Heinrich jene Urkunde für den Herrenmeister aus. Es darf deshalb angenommen werden: dieser war sein Parteigänger und unterstützte den greisen mecklenburgischen Fürsten nicht blos mit Rath, sondern auch mit Geld und anderen Hülfsmitteln des Ordens. Sein Verhältniss zu Brandenburg passte hierzu vortrefflich, denn je stärkere Unruhen im Innern von Pommern tobten, desto mehr blieb die Mark nach dieser Seite hin gesichert.1)

1) Vergl. über die Vorgänge: Barthold, Gesch. von Rügen und Pommern III, S. 212f; O. Fock, Rügensch-Pommersche Geschichten III, S. 70ff; v. Lützow, Pragmatistische Geschichte von Mecklenburg II, S. 139; Forsch. XVII, S. 150f.