Seite 134
I. Die Ueberlieferung des geschichtlichen Materials. Das Material zur Geschichte des Johanniter-Ordens hat mancherlei Wechselfälle und Fährlichkeiten bestanden, und vieles ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. I. Das Archiv des Ordens. In der älteren Zeit gab es kein festes Ordensarchiv. Die Herrenmeister liessen ihre Urkunden und Acten in dem Orte hinterlegen, den sie bewohnten, also durchweg in der von ihnen noch innegehabten Kommende.1) Seit dem 15. Jahrhunderte sollte Sonnenburg Residenz seyn, aber die Herrenmeister liessen sich auch jetzt nicht dauernd dort nieder, sondern lebten in den Ordenshäusern zu Küstrin, Frankfurt a. O. und Coelln a. Sp., auf Kommenden, zumal Lagow, oder auf anderen Besitzungen, wie der Graf von Hohenstein zu Schwedt. Dies bewirkte, dass ein Theil der Regierungsbeamten sich ihnen anschliessen musste, der die nothwendigen Acten mitnahm. Dadurch wurde mancherlei verschleppt, was 1610 zu einem Kapitelsschlusse führte, wonach künftig hin alle Originale im Archive zu Sonnenburg verwahrt bleiben sollten. In der Noth des Dreissigjährigen Krieges brachte man 1630 die Bestände vorübergehend nach Küstrin in Sicherheit. Schliesslich wurde 1694 durch Kapitelsschluss festgesetzt, dass der Kanzlist Stiebler das Archiv ordnen und verzeichnen sollte. Von 1694 bis 1710 hat er sich dieser Arbeit unterzogen und sie in grossen Repertorien niedergelegt. Der Siebenjährige Krieg, das Vordringen der Russen, bewirkte eine zweite Ueberbringung der Urkunden nach Küstrin, in dessen Kasematten sie geborgen wurden, bis sie 1762 wieder nach Sonnenburg ins Schloss geschafft 1) Vergl. Einige Nachrichten von dem Ordensarchiv im General-Repertorium des Johanniter-Ordens, l ff.