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58 Der Johanniter-Orden im östlichen Nieder-Deutschland. verleihen, erhielt sie der Statthalter und Kommendator von Nemerow, Hermann von Warberg, also gerade der Mann, der im Gegensatz zu den Ansprüchen Werbens emporgekommen war (Riedel VI, 28) und der nunmehr drei Aemter in seiner Hand vereinigte. Für die Politik der Kommende war dies die schwerste Niederlage, die sie betreffen konnte. Und lange hat Hermann auch nicht die neue Würde besessen. Als er zum Herrenmeister ernannt wurde, gab er erst Werben, dann auch Nemerow ab (Riedel VI, 29, 32).
Der Mutterkommende war schwerlich damit geholfen. Es scheint, als habe sie in der nächsten Zeit überhaupt keinen Kommandator mehr gehabt. Sie verfiel wohl in einen Zustand, wie wir ihn schon einmal wahrscheinlich machten, der sie naturgemäss von allen Grossmachtsplänen ausschloss. Sehr möglich, dass dies die Absicht ihrer Gegner gewesen. Für ein aufstrebendes Herrenmeisterthum war ein ohnmächtiges Werben die beste Staffel zur Macht.¹)
¹) Das Beste über Werben bietet Riedel in der Einleitung seines Codex, Band VI. Wegen der Literatur über Werben vergl. Jahresbericht des altmärk. Vereins XIV (1864) S. 111. Dazu v. Mülverstedt: Die Comthurei des Johanniter-Ordens in Werben, Jahresbericht XIX, S. 180; Müller: Beiträge zur Geschichte der Johanniter-Ordens-Kommthurei Werben, Jahresbericht XXI, S. 32. Breit, aber durchaus ungründlich und ungenügend behandelt die Anfänge Werbens und des Ordens überhaupt v. Winterfeld, Geschichte des ritt. Ordens S. Johannis S. 649 ff. Das Ringen Werbens ist in allen Darstellungen übersehen. Auf Riedel fussend, spricht man dem Orte gewöhnlich den Vorrang unter den übrigen Kommenden zu und verleiht seinem Kommeudator eine Oberstellung ohne nähere Begründung. Die Phantasien v. Winterfelds über das Aufkommen der Herrenmeisterwürde S. 664 brauchen nicht widerlegt zu werden; er sieht S. 668 Gebhard von Bortfelde nicht als ersten Herrenmeister an.