Seite 102

Gebhard von Bortfelde, der erste Herrenmeister. 93

mit Polen ein Bündniss, worin sie sich schon im Voraus über die in Brandenburg zu machenden Eroberungen einigten.

Zum Unglück für die Mark war der klare Geist und die feste Hand des Grafen Berthold von Henneberg fern. Von Wordinborg, wo die Hochzeit des Markgrafen gefeiert war, kehrte er nicht nach der Mark zurück, sondern begab sich an den Hof König Ludwigs, wo grössere politische Aufgaben seiner harrten. Sein Sohn Heinrich, bisher Befehlshaber in der Mark,1) begleitete ihn. Bereits am 3. August 1324 hatte König Ludwig dem Grafen gestattet, die Pflege der Mark Brandenburg und des Markgrafen Ludwig einem anderen zu übertragen (B. II, 16). Als er nun dem Nordosten den Rücken wandte, bestellte er die Grafen Günther von Lindow und Burchard von Mansfeld zu Vormündern und damit zu Landesverwesern.2) Doch Ansehen und Wirkung des Amtes wurden natürlich durch die Zweitheilung und den Personenwechsel beeinträchtigt, um so mehr, als der Papst beide Männer in den Bann that (Riedel B. II, 37) und die Regierungskassen leer waren. Diese Umstände und ungeschickte Politik König Ludwigs bewirkten dann gar noch, dass das Einvernehmen zwischen dem Markgrafen und dem einen Vormunde Günther von Lindow aufhörte.3) So dringend wünschenswerth ein Berather wie Berthold von Henneberg für König Ludwig auf dem Römerzuge sein mochte, für die Mark war er noch nöthiger.

Von Trient aus kehrte er nach mehr als zweijähriger Abwesenheit hierhin zurück. Es gelang ihm, den Markgrafen mit den Lindows zu versöhnen, eine Erbverbrüderung zwischen dem Markgrafen Ludwig und dem Markgrafen Friedrich von Meissen zu weiterer Geltung zu bringen, das Bisthum Brandenburg, welches durch eine zwiespältige Bischofswahl etwas unsicher geworden war, wieder entschiedener auf die markgräfliche Seite zu bringen und vor allem auch mit Pommern zu einem vorläufigen Abschlusse zu kommen. Als derartig die Verhältnisse der Mark einigermaassen geregelt waren, wandte er sich wieder den Bedürfnissen des Reiches zu. Ein Auftrag König Ludwigs rief ihn hinweg. Er sollte die sächsischen Stände und eine Anzahl sächsischer Städte, Goslar voran, zur Theilnahme an dem Römerzuge oder zur Zahlung einer Abfindungssumme bewegen (Forsch. XVII, 153).

Diese Aufforderung erhielt Berthold im September 1327. Die älteste Urkunde, welche Gebhard von Bortfelde als Herrenmeister

1) Heidemann in den Forsch. 126 spricht von Heinrichs Verwaltung der Mark als Statthalter. Capitaneus bedeutet nur: Befehlshaber der militärischen Streitkräfte. 2) Ueber die etwas verworrenen Vormundschaftsverhältnisse, vergl. auch Heidemann in Forsch. 123; Lippert in Forsch. zur Brandenb. Gesch. V, S. 209; Lippert, Wettiner und Wittelsbacher S. 19 ff. 3) Märk. Forsch. VIII, S. 205; Forsch. XVII, S. 148.