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100 Der Johanniter-Orden im östlichen Nieder-Deutschland. Wedel jemand, mit dem er gerade in der holsteinischen Sache gemeinsam gearbeitet hatte.1) Einen gewissen Ersatz erlangte Gebhard durch seine Ernennung zum Kommandator von Tempelburg. Wann dieselbe geschehen, ist nicht bekannt; sie wird zusammenhängen mit den Wandel der Verhältnisse, der Erhebung Waldemars zum Könige, dem Friedensschlusse mit Pommern, der deutlicheren Parteinahme der Johanniter gegen den Papst. Tempelburg war eine Landschaft mit Schloss und Stadt in der Neumark, welche der Templerorden 1291 vom Herzoge Przemislaus geschenkt erhalten, die er durch deutsche Ansiedeler kolonisiert und mit deutschem Namen als Burg des Templerordens belegt hatte. Sie kam dann mit den übrigen Besitzungen dieser Genossenschaft an die Johanniter und erlangte um die Mitte des 14. Jahrhunderts solche Bedeutung, dass sie einen eigenen Kommendator erhielt, dessen Würde auch in der nächsten Folgezeit fortbestand (Riedel XXIV, 80; B. II, 492). Dass Gebhard von Bortfelde als Kommendator von Tempelburg erscheint, beweist, dass ihm die Leitung und damit guten Theils die Nutzniessung dieses Güterbezirks auf seine alten Tage übertragen wurde. Er trat nunmehr aus der bescheidenen Rolle eines blossen „Bruders“ wieder in ein höheres Amt. Wir wissen von ihm und seiner neuen Stellung aus einer Urkunde des Pommern-Herzogs, zu dem sich während der Herrenmeister-Waltung nicht die geringsten Beziehungen nachweisen liessen. Ob der hier in Betracht kommende Kauf der Pfennigbede in Sallentiu dem Komthur Gebhard persönlich Vortheil gebracht hat, ist nicht sicher, doch wahrscheinlich. In der Urkunde wird gesagt, dass er sie bei Lebzeiten allein und nach seinem Tode der Johanniter-Orden sie geniessen solle. Der Umstand, dass Gebhards Nachfolger in der Präceptorwürde als erster Zeuge auftritt, erhärtet, dass er bei dem Kaufgeschäfte zugegen und damit einverstanden, dass sein Verhältniss zum Vorgänger derzeit kein schlechtes gewesen. Die Urkunde ist in Stettin ausgestellt, Präceptor und Komthur hatten sich also dorthin begeben und handelten hier gemeinschaftlich. Es mag dies mit der veränderten Haltung des Johanniter-Ordens der nordöstlichen Gegenden zusammenhängen, welche man aus einem grossen Bamerlasse erkennt, der im Jahre 1350 in der Neustadt von Avignon verfügt wurde. Darin heisst es: „die Prioren, Praeceptoren, Kommendatoren und Brüder der Johanniter in Quartschen, Liezen und Lagow, der Sprengel von Camin, Brandenburg, Meissen und Lebus; und die sämmtlichen und einzelnen Prioren, Präceptoren, Kommendatoren 1) Er heisst hier Hasso senior de Wedele, doch ist offenbar derselbe, wie vorher gemeint.