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Zwei Grafen Berthold von Henneberg. 171
Hiernach gab es zwei Hennebergische Würdenträger des Johanniter-Ordens, einer ein Bruder, einer ein Sohn des Verwesers der Mark Brandenburg. Suchen wir nun jene beiden Männer einzuordnen.
Der ältere Berthold lässt sich öfters von (1290) 1316 bis 1329 nachweisen.1) Am 2. Mai 1316 nennt er sich in eigener Urkunde: „Prior der hüser. des heyligen hospitalis sent Johanns zu Boheyme und zu Polen.“ Ausführlicher lautet seine Titulatur am 30. September 1318: „prior domorum ordinis fratrum S. Iohannis hospitalis Ierosolimitani per Bohemiam, Poloniam, Moraviam, Austriam et commendator domus in Schlusingen“, oder 1328, wo er heisst: „prior domorum ordinis S. Iohannis per Bohemiam, Moraviam, Poloniam et Austriam, commendator de Schlusingen et Kundorf“ etc. Die letzte Urkunde, die ihn nennt, weiss wieder nur verkürzt vom „Prior zu Böheim und zu Polen“. Statt „Prior“ findet sich am 22. Februar 1329 „Meister“. Aus den Urkunden erhellt, dass er der Bruder oder Halbbruder (germanus) des Reichsverwesers Grafen Berthold und der Jutte, und Onkel (väterlicherseits) des jüngeren Johanniter Berthold und des Grafen Heinrich gewesen. Nach 1329 findet er sich urkundlich nicht mehr. Damit ist klar gelegt, dass jener Denkstein diesem Berthold gilt, der früher in der Johanniterkirche zu Würzburg stand und jetzt im bayerischen Nationalmuseum aufbewahrt wird. Leider ist der Grabstein in seinem unteren Theile zerstört, der erhaltene nennt 1330 als Todesjahr. Im Kataloge des bayerischen Nationalmuseums VI, 277 ist die Legende aufgelöst: Anno Domini MCCCXXX obiit frater Bertholdus . . . A. S. Tymothee Sinphoriane. Vergleichen wir dies mit unserer Abbildung, so erkennen wir, dass die zweite Hälfte der Auflösung nicht ganz sicher ist. Jedenfalls aber ging gerade der Theil verloren, der die Würdenangabe des Verstorbenen enthielt. Nun will ein Zufall, dass Spangenberg die Inschrift bereits in seiner Genealogie S. 171 mittheilte und zwar als „Anno domini MCCCXXX in vigilia S. Timothei frater Bertholdus de Hennenberg prior Alemanniae et commiss. obiit.“ Verglichen mit dem Erhaltenen zeigt sich die Lesung ungenau und theilweise unrichtig, das unverständliche „commiss(arius?)“ könnte als „commend(ator)“ gelesen werden. Nun sagt Spangenberg aber weiter: „Sonst werde ich berichten, dass aus dieses Grafen Bertholds Grabe zu Würtzburg (er sah es also nicht selber!) mehr nichts stehen soll, den
1) Spangenberg sagt S. 171 zu 1290, dieser Berthold habe in eine Dotation gewilligt, die sein Vetter, Graf Heinrich XI. von Ascha dem Kloster Vesser machte. – 1316 Schulte II, 27; Monum. Boica XXXIX, 51; 1318 Schulte II, 62; 1322 Schulte I, 459, 460; 1323 Schöppach, Henneberg I. B. I, 92; 1326 Or. im Gemeinschaftl. Henneberg. Archiv in Meiningen; 1328 Dieleman 64; 1329 Schulte I, 465 und Or. im Reichs-Archive zu München (1339, August 15). Vergl. vorn S. 87, 94.