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10 Der Johanniter-Orden in Deutschland.

wird der Grossprior 1341 bezeichnet als: „frater Bertoldus de Henneberg, generalis preceptor Alamannie“ (Riedel VI, 28).

Mit eigenthümlicher Lebenskraft drängte sich immer wieder der kurze Meistertitel vor. In jener Urkunde des Bruders Clemens von 1249, in welcher dieser sich selbst Grosspræceptor nannte, heisst es: „cum nos, cives Hallenses, iam longo tempore multis petitionibus magistros et fratres hospitales S. Johannis in Alemannia sollicitassemus“. Ganz ebenso sprach der Prediger Mönch Albert 1269 und 1270 sowohl von „magister et fratres sacre domus hospitalis Ierosolymitani in Alamannia“, als auch von dessen „magistri et fratres“. Hier geschah es deutlich im Anschlusse an ein Breve Papst Clemens IV. (Riedel VI, 17, 18). 1298 beurkundete der Markgraf von Brandenburg für Nemerow, dass der Meister des Johanniter-Ordens nach dem Tode des jetzigen Vorstandes über die verliehenen Güter verfügen könne. 1302 sprach der Markgraf ebenfalls vom Meister und seinen Nachfolgern.1) Auch 1283 und 1309 findet sich der Meister auf Urkunden Niederdeutschlands.2) Wie sehr die Bezeichnung Magister gleichsam in der Luft lag, zeigt die Urkunde des grosspriorlichen Stellvertreters von 1337; er sagt darin: „gerens vices honorabilis in Christo viri fratris Bartoldi de Hinnenberghe, magistri domorum ordinis S. Johannis Babtiste in Alamania.“ Es ist derselbe Mann, der denselben Würdenträger 1341, wie wir sahen, „preceptor generalis“ nannte (Riedel XIII, 30).

In einigen Fällen könnte man zweifelhaft sein, ob mit „magister“ der Grossprior für Deutschland oder der Grossmeister des Ordens gemeint ist. So in der Formel „habens super eo speciale mandatum a magistro sui ordinis“ (M. U. B. V, p. 479). Grammatisch gefasst ist der Johanniter-Ordensmeister zunächst der Vorstand des Gesammtordens, doch zeigt der Inhalt der Urkunde, in welcher die Formel steht, und der Vergleich mit dem sonst häufigen Vorkommen des Meistertitels, dass der Obermeister oder Grossprior für Deutschland gemeint ist. Der Grossmeister in Palästina scheint sich um Einzelheiten der inneren Ordensangelegenheiten für Deutschland nicht, oder doch nur in seltenen Ausnahmefällen gekümmert zu haben, und konnte thatsächlich nicht anders.

Auch auf deutschen Urkunden war der Meistertitel beliebt. Graf Albrecht von Schwarzburg nannte sich 1325: „Bruder Albrech von Swarczburg groz gebider uber mer, meister zu Deutscheme lande“ des Johanniter-Ordens (Fürstb. Urkb. II S. 91, 92). Die Bezeichnung Meister wurde auf deutschen Urkunden selbst da üblich, wo es sich nur um Vertretung handelte, wie 1392: „Bruder Fridrich von Zolr,

1) M. U. B. IV No. 2499, 2827. 2) M. U. B. III. p. 76, V p. 479.