Seite 64

Die politische Entwicklung. 55

Im Jahre 1309 handelte nicht ein Kommendator von Werben, sondern der von Mirow als Bevollmächtigter des Grosspriors. Als im Jahre 1318 der wichtige Vergleich von Cremmen zwischen dem Markgrafen Waldemar und dem Orden geschlossen wurde, hätte es zunächst gelegen, dass der Kommendator von Werben dies gethan hätte. Statt dessen geschah es durch den von Erfurt als Ordensbevollmächtigten in Gegenwart der Kommendatoren von Nemerow für Mecklenburg, von Zachan für Pommern, und von Braunschweig, ohne dass sich auch nur ein Vertreter Werbens für Brandenburg fände. Man könnte annehmen, dass dieser weggelassen, weil der Markgraf sein Landesherr war, doch sind solche Gründe bei derartigen Abmachungen sonst nicht massgebend gewesen. Selbst wenn die märkische Kommendatorwürde eine zeitlang unbesetzt gewesen, so hätte nichts ihrer Vertretung im Wege gestanden. Doch sie war damals nicht unbesetzt, denn 1316, mithin schon zwei Jahre früher, lässt sich Gebhard von Wanzleben als Kommendator von Werben nachweisen. Der wahrscheinlichste Grund für das Fehlen Werbens dürfte sein, dass es mit der Verpfändung eines grossen Stückes brandenburgischen Landes nicht einverstanden war, weil diese zunächst auf seine Kosten geschah. Da der Orden aber mit dem Markgrafen ins Einvernehmen kommen wollte, so handelte er ohne die markgräfliche Kommende.

Wäre die Kommendatorwürde von Werben vor- oder nachher vacant geblieben, so würde auch dies ein tiefes Zurücksinken des hochstrebenden Ortes bedeuten. Folgendes lässt sich dafür geltend machen: Im Jahre 1300 nennt sich Moritz als Kommendator, dann erscheint aber erst 1316 wieder ein solcher in Gebhard von Wanzleben (Riedel VI, 21, 24, 403). In der Zwischenzeit trat derselbe zwar wiederholt auf, doch nur als Frater. Freilich sind es blos Zeugenlisten (VI, 22, 23, 402), die nicht sicher beweisen, aber immerhin bleibt die Thatsache, dass Gebhard 1316 als Zeuge den Komtendator titel führt und vorher nicht, und dass eine Verleihung der Herzogin Anna von Breslau nur die Johanniter-Brüder in Werben nennt, nicht auch einen Vorstand (VI, 22).

Die Schwäche Werbens gerade zu dieser Zeit musste besonders ungünstig wirken, weil damals das Territorialwesen des Ordens ganz neue Grundlagen erhielt: damals wurde der Tempelorden aufgehoben und dessen gewaltiger Güterbestand vom Papste den Johannitern überwiesen, damals (1310) eroberten diese die Insel Rhodos, womit der Orden zur Landeshoheit über ein eigenes Gebiet gelangte. Ein starkes Werben hätte unter solchen Umständen gewiss manches erreichen können.

Wohl diese Verhältnisse, die Erwerbung der Tempelherrengüter und die schwankende Stellung Werbens haben eine zweite Reise des Grosspriors hierhin bewirkt: Am 8. März 1313 weilte und urkundete