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46 Der Johanniter-Orden im östlichen Nieder-Deutschland. und auch an den Johanniter-Orden, selbst da, wo ihm seine Besitzungen mit weitgehenden Freiheiten überwiesen waren.1) Die Einführung des Ordens im nordöstlichen Deutschland geschah durch Markgraf Albrecht den Bären, der hierin seinen klaren, weit- schauenden politischen Blick bewies. Im Jahre 1160 schenkte er dem Hospitale zu Jerusalem die Kirche im Orte Werben an der Elbe mit allem Zubehör und hinzu noch sechs Hufen, damit das dort an Nutzungen Gewonnene jährlich für die Armen jenes Hospitals verwendet werde. Die Schenkung erfolgte zum Andenken an sein, seiner Gattin, seiner Kinder, seiner Vorgänger und Nachfolger Seelenheil, in Gegenwart des Bischofs von Havelberg und des Abtes von S. Johann in Magdeburg als Zeugen, d. h. also mit Genehmigung des Bischofs und des Erzbischofs, für den der Abt als Vertreter gewaltet haben wird. Den äusseren Anlass zu der Stiftung bewirkte wohl der Tod von Albrechts Gemahlin Sophie, welche, erst Anfang des vergangenen Jahres von einer Pilgerfahrt nach Jerusalem heimgekehrt, am 7. Juli 1160 gestorben war. Den weiteren Hintergrund erhielt sie in Albrechts Bestreben einer planmässigen Germanisirung der Mark.2) Der Orden war nunmehr hier fest begründet und begütert, seine Zukunft gesichert (Riedel VI, 9).
Bezeichnend ist, dass zwar benachbarte Fürsten die Johanniter in ihren Ländern bereichert haben, dass aber, soweit unser Urkundenbestand ausweist, 75 ganze Jahre vergangen sind, bevor ein Privatmann den Spuren Albrechts des Bären folgte. Erst im Jahre 1235 überliess Graf Heinrich von Lüchow dem Orden sein Eigenthum im Dorfe Wonem (Riedel VI, 14). Es erweist dies, dass dieser zunächst von der Gunst der Fürsten getragen wurde, während das Laienelement sich ihm noch ziemlich fern hielt und seine Schenkungen lieber an alteingesessene Klöster und Kirchen, also lieber Ganz- wie Halbpriestern verlieh.
Der zeitliche Vorsprung hat Werben zunächst grossen Nutzen gebracht. Noch war der Orden zu jung im Nordosten, noch fehlte es ihm hier zu sehr an bedeutenden Güterbezirken, die eine örtliche Abgrenzung erforderten. Das Johanniterhaus zu Werben konnte mithin ungehemmt über die Grenzen der Mark Brandenburg hinauswachsen. Die Verleihungen benachbarter Landesherren vermochten ohne Weiteres an das bereits Bestehende anzuknüpfen, wodurch sich dieses gewissermassen zu einem internationalen Sammel- und Mittelpunkte gestaltete. Zunächst lagen die Verhältnisse günstig in der Grafschaft Schwerin.
1) Vergl. z. B. das Heberegister der fürstlichen Einkünfte aus den Gütern der Kommende Kraak und der Priorei Eixen, in Jahrb. I, 69. 2) Riedel VI, 9; O. v. Heinemann, Albrecht der Bär S. 221 ff, 227.