Seite 181
172 Anhang. die Ciphra XXI (offenbar ist XXX gemeint!) und darunter eine Henne inn einem kleinen Zirkel oder Ringlein (gemeint ist der Wappenschild!), und an der Wand: „Anno MCCCXXX obit Bertholdus de Henneberg teut . . . cus in vigilia S. Timothei episcopi Ephesini“. Diese Lesart ist offenbar besser, wie die erste,¹) aber genau ist sie auch nicht. Das entscheidende Wort war wohl schon etwas unlesbar und giebt als „teut(oni)cus“ keinen rechten Sinn, da doch in der Johanniterkirche kaum an den Deutsch-Orden zu denken ist. Beide Inschriften haben in der Amtsangabe ganz verschiedene Bezeichnungen; — als Ergebniss bleibt: es lässt sich nichts damit machen. Nun behauptet Dienemann, er sei 1752 in Würzburg gewesen, habe die Legende abgezeichnet und folgendermassen gelesen (S. 66). Er theilt sie auch mit, aber wörtlich wie Spangenberg in seiner ersten Form. Daraus erhellt, dass Dienemann sie gar nicht gelesen, sondern sie nur nach seiner älteren Vorlage abgeschrieben hat. Auch hiermit ist also nichts anzufangen. Nach alledem werden wir bis auf weiteres dabei bleiben müssen, dass der ältere Berthold bis 1329 Grossprior von Böhmen war und 1330 als solcher und nicht als Grossprior für Deutschland gestorben ist. Wer dies annimmt, verwechselt ihn mit dem jüngeren Träger desselben Namens.²) Wenden wir uns jetzt dem jüngeren Berthold zu. 1309 und 1310 wird er Kommendator von Buchold genannt.³) 1329 bezeichnet ihn Rudolf von Masmünster, der Meister in deutschen Landen, als: Berthold von Henneberg den Jungen, Komthur zu Würzburg, zu Boxberg und zu Bybelriecht.⁴) 1332 urkundet er mit dem Kommendator von Mergentheim zusammen als „commendator domorum Herbipolensis, Bockesberg, Buchilt“ etc.⁵) Anders 1336, da findet Berthold sich in eigener Urkunde als: Prior des Johanniter-Ordens durch Böhmen, Polen etc., Kommendator des Johannisspitals in Würzburg.⁶) Der jüngere Berthold ¹) Das jetzt noch erhaltene A könnte der Schluss von „vigilia“ sein. ²) Dies ist auch uns S. 94 begegnet. Das dort Gesagte ist nach Obigem richtig zu stellen. ³) Standbuch No. 140. Diplomatarium über die Urkunden des Johanniter-Ordens im Kreis-Archive zu Würzburg. 1316 und 1317 vergl. Schulte II, 27, 62. ⁴) Or. im Reichs-Archive zu München. Bybelriecht, wenn richtig gelesen, offenbar Buchold. ⁵) Or. im Reichs-Archive zu München. — Als Ergänzung zu den Kommendenhäufungen, vorn S. 83, mag noch mitgetheilt werden, dass solche in Süd-Deutschland stärker als im Norden gewesen sind. 1361 nennt sich z. B. Hugo von Werdenberg Komthur der vier Häuser Bubikon, Wädenschweil, Hohenrain und Biberstein, und Werner von Eptingen sich Komthur der Häuser zu Basel, zu Mülhausen und zu Sulz (Fürst U. B. II, 237). ⁶) Standbuch No. 140 im Kreis-Archive zu Würzburg.