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I. Die politische Entwicklung.

Tief im Geiste der Zeit wurzelnde Gründe sind es gewesen, welche die Entstehung der geistlichen Ritterorden bewirkt und sie empor zu Reichthum und Macht geführt haben. Als die Zeiten sich änderten, verfielen sie oder wurden umgestaltet. Einer der längst dauernden, d. h. zugleich einer der best begründeten Zweige der Ritterorden war die Balci Brandenburg.

Die Kunde von dem Ringen der Christen im Morgenlande erregte anhaltend die Gemüther des Abendlandes. Man suchte die bedrängten Glaubensgenossen zu unterstützen, indem man ihnen persönlich zu Hülfe zog oder ihnen Schenkungen und Einkünfte zuwandte. Besonders kam letzteres den Ritterorden zu Gute, dem Templer, dem Deutsch- und dem Johanniter-Orden: der Stiftung des Hospitals S. Johannes des Täufers zur Aufnahme armer und kranker Pilger am heiligen Grabe. Anfangs wurden diese Schenkungen dem Krankenhause oder den Hospitalbrüdern direct gemacht; deren Einkünfte ihnen einfach zugesichert, oder solches geschah für bestimmte Gruppen, wie die Ritter von Accon. Als innerer Antrieb für die Schenkung pflegte genannt zu werden: das Seelenheil; — im frommen Werkeifern erstrebte man Vergebung der Sünden. Da wurde verliehen: „zum Heile der Seele des Schenkenden, seiner Vorfahren und Nachkommen, seiner Aeltern und Geschwister“, „zum Zeichen der Demuth und der Dankbarkeit gegen den Geber alles Guten und zum Beweise der frommen Wünsche für das überseeische Johannis-Hospital“, „man wollte seinem „Schöpfer ein, wenn auch nur geringes Zeichen des guten Willens geben“.

Unter also günstigen Umständen begannen die Ordensbesitzungen im Abendlande sich zu mehren, wodurch die Johanniter und ihre Angehörigen zu Macht und Ansehen gelangten. Dies bewirkte neue Anlässe für Verleihungen; man wünschte den Einfluss des Ordens für sich zu