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Die politische Entwickelung. 43
Bärnim I. lautet und das Jahr 1229 trägt,1) heisst es, dass die Brüder des Hospitals alle Arten Fremde nach deutschem Rechte ansiedeln dürfen. Die Besiedelung der Johannitergüter bestand thatsächlich aus einer Einwanderung deutscher Elemente, namentlich deutscher Ordensbrüder, in die östlichen Gegenden. Wenn in Schenkungsurkunden frei gegeben wird, die Gegenden mit Deutschen oder Slaven, und in Zechlin mit Handwerkern aller Art und jeden Volkes zum Anbau des Bodens zu bevölkern, so beweist dies nur den grossen Menschenmangel. In seiner Noth, das weite Oedland urbar zu machen, nahm man, was eben zu bekommen war. Die Ansiedler stammten zum grössten Theile daher, von wo auch die übrigen Deutschen eingewandert waren: aus den westlich und südwestlich angrenzenden rein deutschen Ländern. Dies lässt sich natürlich nicht immer, aber doch genügend nachweisen; am ersten bei wichtigeren Gliedern des Ordens. In den Vordergrund tritt da Braunschweig mit seinem Johanniter-Hospital. Sowohl Ulrich Schwabe, der Begründer von Nemerow, war Kommendator von Braunschweig, als auch der erste Herrenmeister Gebhard von Bortfelde. Obgleich den letzteren sein Amt auf die Lande rechts der Elbe wies, verweilte er doch meistens in Braunschweig. Die reiche Kommende Nemerow besass in Braunschweig einen Hof, auf dem z. B. 1313 einer ihrer Kommen- datoren geurkundet hat.2)
Deutsche Ordensbrüder im slavischen Lande bedeuteten eine Stärkung der Fürstenmacht, deutsche Ansiedler auf den Strecken bedeuteten Urbarmachung und Bebauung der Gegend, was ebenfalls der Fürstenmacht zu Gute kam, deutsche Geistlichkeit war der Träger von Bildung und Sittigung in einer innerlich noch halbheidnischen Bevölkerung. Alle diese Dinge vereinigte der Johanniter-Orden in sich. Demgemäss urtheilte auch der beste Kenner des mittleren Nordost- Deutschlands, der Archivar Lisch: „Die Wirksamkeit des Johanniter- Ordens ist für die Kultivirung Mecklenburgs von bedeutendem Einflusse gewesen; dieselbe äusserte sich in ritterlicher Kriegshülfe, verständiger Benutzung des Bodens und höherer Pflege des Gottesdienstes. Zu allem diesen mochten die Ritter, die in fremden Ländern Erfahrungen gesammelt hatten, vorzüglich befähigt sein, und neben dem Cistercienser- Orden dürfte der Johanniter-Orden im Mittelalter die grössten Verdienste um die Germanisirung unseres Vaterlandes haben“ (Jahrb. I, 57, IX, S. 28). Namentlich die südöstlichen Gegenden von Mecklenburg hatten durch Kriege, Streitigkeiten und Vernachlässigung schwer
1) Riedel VI, 13, 14; Perlbach, Pommerellisches Urkb. No. 42. 2) Mecklenb. Jahrb. XLI S. 106, 107. Die hier als wahrscheinlich ausgesprochene Vermuthung, dass Heinrich Korff auch Komthur von Braunschweig gewesen, ist falsch. Vergl. Dürre, Gesch. der Stadt Braunschweig S. 532.