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Gebhard von Bortfelde, der erste Herrenmeister. 87

besten Ritterschaft; er wohnte in Lübeck und wartete dort 14 Tage auf den römischen König, aber vergebens, dieser vermochte nicht, sich aus Süd-Deutschland loszumachen.1)

Bereits in Arnstadt erkannte Ludwig, dass die Masse der andrängenden Geschäfte ihn verhindere, sich der Mark genügend zu widmen. In einer Urkunde für die Stadt Magdeburg wies er deshalb schon auf einen zukünftigen Statthalter in jenem Lande hin, ohne einen Namen zu nennen. Jetzt, nach Nürnberg zurückgekehrt, ernannte er am 28. August einen solchen in dem tüchtigsten Manne, der ihm zur Verfügung stand, in Berthold von Henneberg (Riedel B. II, 8).2) Er ertheilte diesem ausgedehnte Vollmacht „an allen Dingen zu thun und zu lassen, was ihm das beste dünken würde“. Für die Wahl Bertholds kam noch ein besonderer Umstand in Betracht. Sein Sohn Heinrich VIII. war vermählt mit der Markgräfin Jutta zu Brandenburg, der Tochter des 1307 verstorbenen Markgrafen Hermann II. Bertholds Familie war also mit dem bisher herrschenden Geschlechte der Ascanier verschwägert und dadurch persönlich zur Mark in nahe Beziehungen gebracht.3) Noch Markgraf Hermann nannte sich Herr von Henneberg.

Berthold scheint erst ein Heer zusammengezogen zu haben, mit dem er den jungen Markgrafen Ludwig im Winter nach der Altmark geleitete, wo sich beide im Januar befanden, um von dort aus die übrigen Theile des Landes möglichst friedlich zu gewinnen.

In Berthold von Henneberg haben wir eine zweite Person, welche auf die Erhebung Gebhards von Bortfelde eingewirkt haben mag, wenn er sie nicht gar thatsächlich mit Genehmigung König Ludwigs veranlasste. Berthold stand in naher Beziehung gerade zu den Johannitern. Eine Urkunde für das Stift zu Schmalkalden, welche er am 7. Oktober 1323 ausstellte, ist unterzeugt von seinem Bruder, den Johanniterprior von Böhmen, Polen und Oesterreich,4) und zwei Johanniter-Kommentatoren. Sein Bruder, der Johanniterprior der östlichen Länder deutscher

1) Heidemann, Forsch. XVII, S. 119 bringt die beiden Reisen zusammen, doch passt dies chronologisch nicht. Auch betont er zu sehr die Absicht Ludwigs, von Arnstadt nach der Mark zu kommen. 2) Keiner der bisherigen Darsteller, weder v. Freyberg, noch Lohmeyer, noch Heidemann oder andere, würdigen genügend die anfangs äusserst lebhafte persönliche Politik König Ludwigs für Brandenburg. 3) Näheres, auch über die Erwerbung der brandenburgischen Pflege Koburg, bei Schultes, Dipl. Gesch. der Grafsch. Henneberg I, S. 139, 149. 4) Schöppach, Hennebergisches Urkb. I, p. 92: „frater Bertoldus, noster germanus karissimus, prior domorum Bohemie, Polonie, Austrie“ etc. Ungewöhnlich ist, dass beide Brüder gleich heissen, doch kommt dies damals auch sonst vor, zumal bei Kindern verschiedener Mütter, wie z. B. Ludwigs des Bayern Söhne: Ludwig der Aeltere und Ludwig der Römer.