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74 Der Johanniter-Orden im östlichen Nieder-Deutschland.

völlige Freiheit von Bezahlung für ihre Güter in seinem Lande. Obwohl die Besitzungen von Nemerow und Gardow zusammen kleiner als die von Mirow waren, so erscheint doch auch hier die Zahlung von 40 Mark unter den obwaltenden Umständen nicht bedeutend, denn es handelte sich um die eigentlichen inländischen Kommenden, die von den Landesfürsten lebhaft begünstigt und stark beschenkt waren. Der äussere Grund für die Zurückhaltung wird in den Zwecken der frommen Stiftung zu suchen sein, die ihre Einnahmen für den Orden und für das Armenwesen gebrauchte.

Gedeihen die brandenburgische, die werlesche und die mecklenburgische Kommende je zu einer einheitlichen Spitze, so entwickelten sich die Johanniter-Niederlassungen im schwerinischen anders. Obwohl sie zusammengehörten, scheinen sich doch von Anfang an zwei Gruppen in ihr ausgebildet zu haben,¹) die dann eine zeitlang unter einem gemeinsamen Vorstande zurückgedrängt, schliesslich doch zur dauernden Zerlegung in die Kommende Kraak und die Priorei Eixen führten. Der gemeinsame Vorstand nannte sich als Kommendator nach dem Orte Sülstorff.²) Nach der Trennung wird Kraak der Sitz eines Kommendators, Eixen dagegen der der Johanniterbrüder gewesen sein; wenigstens erweist letzteres sich später als das angesehenerе und deutet auf entschieden kirchliche, Kraak dagegen auf mehr weltliche Grundlage (Jahrb. I, 10). Doch sind die für diese Annahme zu Gebote stehenden Beweise gering. Da Sülstorff ursprünglicher Hauptort der Bruderschaft gewesen, so war die dortige Kirche Mutterkirche mit einem eigenen Pfarrer und blieb es auch nach Verlegung des Sitzes (Jahrb. I, 15), obgleich sich auch in Kraak eine Kirche erhob, worin wohl ein geistlicher Ordensbruder den Gottesdienst verrichtete. Es entstand das sonderbare Verhältniss, dass die geistlichen Ordensherren als Gemeindeglieder auf ihren eigenen Gütern in ein untergeordnetes Verhältniss zu dem Priester ihrer Parochie traten, welche sie früher selbst regiert hatten (Jahrb. I, 15).

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts löste sich die Priorei Eixen von der Kommende Kraak (Jahrb. I, 47). Nur ein Theil von Eixen war Eigenthum der Johanniter, die Pfarrei des Orts gehörte zum Sprengel des Bischofs von Ratzeburg; das Ratzeburger Domkapitel galt in der Pfarrei als Gutsherr neben den Johannitern. Hierzu kam noch eine zweite Kirche in dem nahe Mühlen-Eixen. Da nun die Johanniter sonst den Gottesdienst möglichst durch eigene geistliche Ordensbrüder zu verwalten pflegten, so musste das Doppelverhältniss in Eixen zu

¹) Wie bereits vorn gesagt, scheint sich 1217 und 1221 sowohl ein Magister von Eixen als einer von Sülstorff zu finden. ²) Jahrb. I, 9ff.; 207.