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Ulrich Schwabe. 81 Kommende Derartiges verliehen wird.1) In der Regel pflegte die Schenkung für eine Kommende und deren Vorstand zu geschehen und erst dadurch für den Orden. Das Verliehene pflegte also zunächst nicht allgemeines Ordens-Eigenthum, sondern das einer bestimmten Zugehörigkeit zu sein. Somit könnte der Wortlaut auf eine mehr universale Stellung Ulrichs gedeutet werden, da ihm als Herrenmeister keine Ortsbezeichnung anhing. Freienstein liegt in Brandenburg an der mecklenburgischen Grenze unfern Wittstock, Arnswalde in Brandenburg an der Grenze von Hinterpommern; wenn deren Patronat durch den Markgrafen von Brandenburg verliehen wurde, so hätte es für die brandenburgische, also für die Kommende Werben, geschehen sollen. Jetzt griff die seit 10 Jahren mecklenburgische Kommende auf brandenburgisches Gebiet über. Am leichtesten löste sich auch diese Schwierigkeit durch eine Art Ehrenstellung Ulrich Schwabes. Andererseits konnte freilich der Markgraf jedem etwas schenken, dem er wollte.

Fassen wir alles zusammen, so gelangen wir doch wohl zu der Wahrscheinlichkeit, dass Ulrich Schwabe als früherer Kommendator von Braunschweig und nunmehriger von Gardow und Nemerow, als brandenburgischer Geheimer Rath und Günstling des Fürsten von Mecklenburg über die Stellung eines gewöhnlichen Kommendators hinausgewachsen war, dies aber mehr bloss thatsächlich, ohne dass die Macht in einem officiellen Titel Ausdruck erhalten hätte. Der des Meisters, mit welchem er in der Urkunde des Bischofs von Brandenburg auftritt, mag ihm im geschäftlichen Leben beigelegt worden sein. Wenn das richtig ist, so bezeichnen die Jahre von 1307 bis 1312 den Höhepunkt Ulrichs. Am 8. November 1302 schrieb der Markgraf von Brandenburg noch: „volentes omnino, ut nullus magistrorum ordinis predicti fratrem Olricum predictum a dicta amoveat curia“ (M. U. B. V, No. 2827). Hier ist also der Kommendator von Nemerow im Gegensatze zum Magister des Johanniter-Ordens gesetzt. Ein solches Emporwachsen von Nemerow war nur möglich durch das damalige Zurücktreten Werbens.

Die Ehrenstellung Ulrich Schwabes im zweiten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts ergiebt sich auch daraus, dass er in den Zeugenlisten, in welchen er erscheint, voran steht (M. U. B. 3502, 3745), und dass er ebenso in dem Vergleiche von Cremen als erster der Kommendatoren vor Gebhard von Bortfelde genannt ist. Freilich hier sowohl, 1318, wie 1315 wird er nur als Kommendator bezeichnet. Wohl das Widerstreben der Ordensleitung hat bewirkt, den Lokalgewaltigen

1) In der Urkunde vom 30. Januar 1302 liegen die Dinge wegen des jungen Nemerow anders. v. Pflugk-Harttung Johanniter-Orden. 6