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Gebhard von Bortfelde, der erste Herrenmeister. 97

Am Ende des Jahres 1333 bot sich für das bayerische Haus eine neue Aussicht auf Landerwerbung von ungemessener Weite. Des Markgrafen Schwiegervater, König Christof von Dänemark, war gestorben. Sein Gegner Graf Gerhard der Grosse von Holstein hatte ihn besiegt und einen grossen Theil von Dänemark in Besitz genommen; seine Söhne suchten Beistand bei ihrem Schwager, dem Markgrafen. Im Oktober 1333 überliessen die dänischen Prinzen Otto und Waldemar diesem das Land Reval, und zwei Monate nachher versprach ihm Otto die Erbfolge in Dänemark für den Fall, dass er und sein Bruder Waldemar ohne männliche Erben stürben. Dafür gelobte Ludwig ihnen gegen jedermann Beistand zu leisten, besonders gegen den Grafen von Holstein (Riedel II, 83, 84). Gerhard war ein äusserst gefährlicher Feind. Deshalb suchte der Markgraf eine grosse Vereinigung zu Stande zu bringen mit Brandenburg im Mittelpunkte. Bereits am 17. November hatte er mit dem Herzoge von Lüneburg ein Bündniss zu werkthätiger Hülfe geschlossen; den 11. Februar 1334 folgte eines mit Markgraf Friedrich von Meissen zu gemeinschaftlicher Vertheidigung. Dann wurde durch den Grafen von Schwerin mit Werle und Mecklenburg angeknüpft. Am 18. November gingen der Graf von Schwerin und der Bischof von Camin ein Bündniss mit dem Markgrafen ein; es folgte das der Herren von Werle und das der Herzogin von Pommern sammt ihren Söhnen. Im December 1334 war auch König Casimir von Polen dahin gediehen, dem Markgrafen sicheres Geleit zu einer Besprechung in Posen zu gestatten. Fünf Monate später, den 16. Mai 1335, erfolgte zwischen beiden der endgültige Friedensschluss.

Aeusserlich sah es aus, als ob der mächtig emporstrebende Graf von Holstein durch die vereinigte Macht Norddeutschlands erdrückt werden solle, um so mehr, als die Söhne Christofs auch noch in Jütland, also im Rücken des Gegners, Anhang besassen. Aber thatsächlich hatte sich das Schicksal bereits zu dessen Gunsten entschieden. Am 7. Oktober 1334 hatte er den Prinzen Otto in offener Feldschlacht besiegt und gefangen genommen. Eine Wiederaufrichtung des dänischen Thrones lag damit in weiter Ferne. Stolz sprach der gewaltige Graf von dem „Eigenthume unseres Reiches“. Trotz des Anlaufes, den die bayerische Politik genommen hatte, erreichte sie nichts recht, während andere, wichtigere Dinge vernachlässigt wurden. Deshalb beauftragte Kaiser Ludwig seinen Sohn, den Markgrafen, den Prinzen Waldemar mit dem Grafen Gerhard zu vergleichen.¹)

¹) Diese ganze Angelegenheit scheint mir bisher nicht genügend gewürdigt zu sein; vergl. Waitz, Schleswig-Holsteins Geschichte I, S. 222; Pauli, Allg. preuss. Staats-Geschichte I, S. 412, 414; Buchholtz, Gesch. der Churmark Brandenburg II, S. 394.

v. Pflugk-Harttung, Johanniter-Orden. 7