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90 Der Johanniter-Orden im östlichen Nieder-Deutschland. Rechte auf das Reich verlustig und verbot bei Strafe von Bann und Interdikt allen seinen Unterthanen den Gehorsam. Damit war der Bürgerkrieg in das Reich geschleudert. Von vorne herein stand der Deutschorden auf Ludwigs Seite. Am 22. Januar 1324 erliess der Bayer zu Sachsenhausen in der Hauskapelle des Deutschordens gegen den päpstlichen Prozess eine Berufung in heftigen Worten voll schwerer Vorwürfe. Konrad von Gundolfingen, der Hochmeister des Deutschordens, begleitete Ludwig auf seinem Romzuge nach Italien.¹) Eine mehr vermittelnde Haltung beobachteten die Johanniter. Sie verdankten dem Papstthume die Ueberweisung der gewaltigen Tempelherrengüter, und noch im Jahre 1322 hatte sich Papst Johann ihres Ordens gegen Juden angenommen, welche in Deutschland viele Geldsummen von demselben wucherisch erpresst hatten.²) Als König Ludwig bei seinen Heerfahrten und Reisen die Johanniter durch Forderung von Wagen, Pferden und anderen Dingen stark in Anspruch nahm, wandten sie sich klagend an den Papst, worauf dieser den König am 5. September 1322 bat, sie mehr zu schonen.³) Unter solchen Umständen war es schwer für sie, sich gegen ihren Wohlthäter zu erklären. Wesentlich ihr Grossprior, Albert von Schwarzburg,⁴) scheint es gewesen zu sein, der Ludwig im Anfange des Streites zu einem entgegenkommenden Verhalten bestimmte, und demgemäss stand auch er an der Spitze der ersten Gesandtschaft des Königs an den Papst, welche fragen sollte, ob der Prozess wirklich erlassen sei und, wenn es der Fall, wegen Verlängerung der gestellten Frist zu verhandeln. In der That wurde sie in Avignon freundlich empfangen und erlangte zwei Monate Aufschub. Aber noch ehe sie vor den Papst kam, erlangte bei Ludwig die Kampfströmung die Oberhand und machte dadurch die Wirkung des Johanniters zu Schanden. Seitdem hielt sich der Orden ziemlich abseits; auf dem Romzuge lässt sich kein Johanniter nachweisen. Dass sie dem Könige nicht feindlich waren, zeigt die Gestalt Gebhards von Bortfelde und die Verleihung des Heerschildes durch den König. Selbstverständlich äusserte sich der Kampf zwischen Papst und König auch in der Mark. Er nahm seinen Ausgang von Magdeburg, dessen Bürgerschaft wir bereits auf wittelsbachischer Seite gegen ihren 1) Riezler, Gesch. Bayerns II, S. 352, 372; F. Weber, König Ludwig der Baier, S. 26; W. Altmann, Der Römerzug Ludwigs des Baiern S. 136 ff. 2) W. Preger, in Abhandl. der K. bayer. Akademie der Wissenschaften XVI II, S. 247. 3) ibid S. 248. 4) Magnus preceptor ordinis ... per Alemaniam, Preger, Abhandl. XVI, p. 272, vergl. auch Dienemann, Johanniter-Orden S. 61.