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132 Urkunden und Acten der Ballei Brandenburg.

Als die Arbeitskraft des ersten „Registrators“ Erasmus Langenhain (oder Langenhagen) erlahmte, erhielt er um 1617 einen Gehülfen (Vice-Registrator) in Zernitz (Cernitius), der 1632 sein Nachfolger wurde. Schon jener hatte angefangen, die Acten zu registriren, doch gerieth diese mühevolle Arbeit unter Cernitius in Verfall und das Archiv in Unordnung. Um so wichtiger war, dass nach seinem Tode (1639) in Christof Schönebeck eine Kraft ersten Ranges die „Geheime Registratur“ übernahm, dem im Grossen Kurfürsten ein weitblickender Organisator zur Seite stand. Schönebeck, seit 1651 „Archivarius“, ist es gewesen, der jene Ordnung und Actenverzeichnung schuf, welche noch jetzt für die alten Bestände massgebend sind († 1662). Seine Repertorien bieten in drei Bänden die Reposituren 1—62, denen noch eine 63. im dritten Bande 1679 beigefügt wurde. Bereits im Jahre 1658 enthielt das Archiv 6096 Actenkonvolute und an Urkunden 11 Schränke mit 416 Kästen.

Für die älteste Zeit erweisen sich die Litteralien dürftig. Ausser einer mit Kurfürst Friedrich I. beginnenden und durch das ganze 15. Jahrhundert fortlaufenden Reihe von Copiarien landesherrlicher Urkunden blieben nur Fragmente vorhanden. Was sich sonst an Beständen aus der Zeit vor dem 16. Jahrhundert findet, ist gewöhnlich später aus aufgehobenen Klöstern und anderswoher in’s Archiv gelangt. Der eigentliche Reichthum desselben beginnt erst mit der Regierungszeit des Kurfürsten Joachim II.

Seit dem 16. und besonders seit dem 17. Jahrhunderte kamen dann noch ununterbrochen neue Materialien hinzu, wie z. B. die zahlreichen Acten des 1714 aufgelösten Heroldsamtes. Wohl um das Archiv zu entlasten, erfolgte 1685 die Errichtung eines Geh. Kabinets-Archivs (oder Archiv-Cabinets). Es war gewissermassen die Fortsetzung des alten Urkunden-Archivs und wurde demgemäss auch seit 1710 mit dem Staats-Archive verbunden aber von einem eigenen Beamten verwaltet. Seine volle Ausbildung erhielt es unter Friedrich II., unter dem es umfasste: die Originalurkunden, die Urkunden über Familienangelegenheiten des königlichen Hauses, die Acten der auswärtigen Gesandtschaft, Traktate und Verträge mit fremden Mächten, Secreta u. a.

Inzwischen war das Schloss durch Friedrich I. umgebaut und erweitert. Man erhielt dadurch mehr Platz, in Folge dessen Friedrich Wilhelm I. passendere Räume für das Archiv im unteren Geschosse, der Schlossfreiheit gegenüber, bestimmte, wohin man die Bestände auch 1718 übersiedelte. Vielfach änderte sich die Benennung des Instituts. Anfangs hiess es nur „Archiv“ oder „Geheime Registratur“, dann kam daneben auf „Geheimes und Haupt-Archiv“ oder auch „Geheimes Haupt-Archiv“, wozu sich noch andere Bezeichnungen gesellten, bis die des