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IV. Gebhard von Bortfelde, der erste Herrenmeister.
Die Gesammtgeschichte der Mark Brandenburg hat unter der Bedeutung der Hohenzollern gelitten. Diese zogen die Augen der tüchtigeren Forscher an, das übrige wurde dadurch vielfach vernachlässigt. Zum meist Vernachlässigten gehört die Balei der Johanniter, welche von Brandenburg sich weit über die Nachbarländer bis nach Braunschweig erstreckte.
Die Geschichte des ersten Herrenmeisters der späteren Balei Brandenburg wird sehr erschwert, weil es für seine Zeit keine Chronik der Markgrafschaft und nur völlig ungenügende Ortsmittheilungen giebt. Die Chroniken der sächsischen Fürsten (Mon. Germ. XXV, p. 472) reichen nicht so weit, und auch die Chronica Marchionum Brandenburgensium schliesst mit Waldemars Tod.1) Die von Riedel in seinem Codex D. I gesammelten kleinen Chroniken: das Fragment einer Brandenburg-Brietzenschen Chronik, das einer Lietzkauer, einer Havelberger und Zinnaischen Chronik enthalten nichts über ihn und seine Thaten, ebenso wenig die Magdeburger Schöppenchronik und die Excerpte des Pfarrers Dionysius, während die Berichte Engelberts Wusterwitz, sammt dem Microcronicon Marchicum erst später einsetzen. Etwas besser verhält es sich mit den erzählenden Geschichtsquellen der Nachbarländer und des Reiches. Aber auch sie bieten nichts eigentliches über die Person des ersten Herrenmeisters. Wären wir nur auf darstellende Berichte angewiesen, würden wir keine Kenntniss von ihm besitzen.
Anders steht es mit den Urkunden, welche für diese Zeit überhaupt das eigentliche Material bilden, aus denen der Geschichtsforscher mühsam sein Mosaikbild zusammensuchen und -stellen muss. Doch in ihrem Einzelerscheinen bleiben sie für den Gang der Ereignisse lückenhaft,
1) Sello in Koser, Forsch. zur Brandenb. und Preuss. Gesch. I, S. 133. Nur noch ein ungenügender Absatz behandelt Markgraf Ludwig. Vergl. auch Riedel D I, p. 22.
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