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Gebhard von Bortfelde, der erste Herrenmeister. 99
bekräftigten Regierungshandlungen für ungültig erklärte (Riedel B. II, 73, Forsch. XVII, S. 160). Alle diese Dinge müssen die Zustände in der Mark und damit die Stellung der hier hervorragenden Männer berührt, theilweise erschüttert haben. Gebhard scheint sich desto fester dem Markgrafen angeschlossen zu haben, machte hierdurch aber die neutralere Gruppe des Johanniter-Ordens um so mehr gegen sich rege. Den letzten Stoss gaben die Verhandlungen mit dem Holsteiner. Wären sie geglückt, hätten sie Gebhards Ansehen gewiss gehoben und das Vertrauen des jungen und schwachen Markgrafen befestigt. Nun aber gingen sie fehl; Gebhard dürfte von dem gewaltthätigen Grafen sogar geradezu hintergangen sein, dieser ihm Zugeständnisse gemacht haben, die er dann nicht hielt. Damit gewannen Gebhards Widersacher Oberwasser und der Markgraf wird gerollt haben. Nach oben hin, nach der geistlichen Seite, war Gebhards Stellung überhaupt nicht gedeckt, im Gegentheil durch die Excommunication des Papstes erschüttert, wenn nicht gar aufgehoben. Der Herrenmeister vermochte sein Amt unter solchen Umständen nicht weiterzuführen; ob er desselben officiell vom Papste, vom Grossmeister oder vom Grossprior enthoben ist, lässt sich nicht entscheiden. Ein Erlass in diesem Sinne liegt bisher nicht vor. Thatsächlich hörte das Herrenmeisterthum vorläufig auf und Gebhard wurde wieder einfacher Frater im Johanniter-Orden, freilich mit einer Ehrenstellung, wie sein Vorkommen auf Urkunden erweist.
Schwerlich wird der Hergang ohne Genehmigung von Gebhards nächstem Vorgesetzten, dem Grossprior, geschehen sein, und dieser war damals der Bruder Bertholds von Henneberg gleichen Namens. Zu Gebhards Nachfolger stellte sich derselbe von vorne herein gut, denn schon 1337 zeichnete dieser als Bevollmächtigter (vice) Bertholds von Henneberg (Riedel A. XIII, 30, so auch 1341: Riedel A. VI, 28).
Wenige Jahre nachher, und der gewaltige Graf Gebhard fiel unter Mörderhänden. Damit änderte sich alles. In Spandau begannen Verhandlungen, welche zu Lübeck in glänzenden Versammlungen endeten. Danach wurde der bisher gefangene Prinz Otto seiner Haft entlassen und sein Bruder Prinz Waldemar erhielt die dänische Krone. Das also, wofür Gebhard eingetreten war, vollzog sich jetzt: das Geschlecht König Christofs erlangte den angestammten Königsthron. Sehr bezeichnend, eine der Urkunden, welche König Waldemar in Lübeck am 21. Mai 1340 ausstellte, ist unterzeugt von Ulrich Graf von Lindow, Johann von Buch, Hasso von Wedel und Bruder Gebhard von Bortfelde, also von Leuten, mit denen letzterer zusammengewirkt,1) in Hasso von
1) Johann v. Buch traf noch 1336 eine Entscheidung in Gegenwart des Herrenmeisters Gebhard.