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Die politische Entwicklung. 47
Nach dem Tode Pribislaws hatte das Volk der Wenden im Aufruhr losgeschlagen und auf lange hin die mühsam gelegten Keime germanisch-christlicher Kultur vernichtet. Bis in das zweite Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts lag das Land in wüster Verwirrung und selbst die reich ausgestatteten Cistercienserklöster Doberan und Dargun führten ein dürftiges Dasein. Nur das Bisthum Schwerin vermochte sich unter dem Schutze seiner Grafen in einer gewissen Wirksamkeit zu behaupten.¹) Diese Grafen waren es auch, welche im Jahre 1200 den Brüdern des Hospitals S. Johanns zu Jerusalem das Dorf Goddin bei Gadebusch und das der Kirche in Eixen (unfern Schwerin) früher angehörige Pfarrgut schenkten.²) Die Verleihung galt allgemein für den Orden; wem die Verwaltung zustehen sollte, war nicht gesagt und wird im Einklange mit der Ordensbehörde in Deutschland bestimmt sein. Schon 1217 haben wir das Ergebniss. Damals schenkten dieselben beiden Grafen und der Graf von Halland dem überseeischen Hospital das Dorf Szulow und überwiesen dessen Verwaltung an Heinrich, den Procurator des Hofes in Werben, an Jakob, Confrater und Priester desselben Hofes, und an die übrigen dort befindlichen Confratres. Da um diese Zeit noch keine Kommende Werben bestand, so haben wir in dem Procurator Heinrich den Vorsteher des Werbenschen Ordensgutes zu sehen; die Nutzung besass also das Ordenshaus zu Werben. Zehn Jahre später, 1227, schenkte Graf Heinrich von Schwerin unter Zustimmung seiner Erben das Dorf Moraaz dem Hospital S. Johanns, zu Händen des Bruders Heinrich von Werben,³) während der Bischof von Schwerin über jeden Besitzstörer den Bann aussprach. Die Schenkung zeigt also wieder, wie seiner Zeit die von Werben, ein Zusammenwirken des weltlichen und geistlichen Oberhauptes. Sie geschah in feierlicher Form, in Gegenwart des Bischofs von Schwerin, des Abtes und Priors von Lübeck und eines Priesters von Ratzeburg; diese, wenn nicht gerade als Vertreter des Sprengelbischoffs von Ratzeburg, erscheinen doch als Zeugen seiner Zustimmung.
Die Verleihung geschah im Jahre 1227. Es ist dies ein Jahr, welches für die Johanniter des Nordostens wichtig geworden zu sein scheint, denn gerade in der nächsten Folgezeit begegnet man bei ihnen einem Aufschwunge. Der Grund hierfür waren wohl die Dänenkriege mit der Schlacht bei Bornhövd (1227), an welcher sich auch geistliche Ritter betheiligt und dadurch in erhöhtem Maasse die Augen auf sich gelenkt hatten.
¹) Jahrb. IX, 28. ²) Riedel VI, 10; Jahrb. I, 6 ff., 47 ff. ³) Donacione sollempniter facta fratrem Henricum de Werbene in possessionem misimus. Riedel VI, 11; M. U. B. I, Nr. 340.