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Die Lokalwürden. 31 oder „bruder Heinrich von Bechivsteige, priester und commendur ze Tobel“ (Zeitschr. Oberrh. XXIX, 138). Neben dem Kommendator gab es in grösseren Kommenden einen Prior, so in Mirow und Nemerow (vergl. vorne), ferner z. B. in Weisel 1297 (Wyss. Hess. Urkb. I, 466). Auch in Ueberlingen scheinen Kommendator und Prior zusammen vorzukommen (Zeitschr. Oberrh. XXIX, 150). Besonders nachhaltig finden sich beide Würden in Braunschweig. Diese Kommende war durch die Erhebung Gebhards von Bortfelde hoch angesehen geworden. Im Jahre 1328 haben wir hier demgemäss neben einem Kommendator den Prior Hermann von Werben, 1329 wird „Henricus de Crevise“ als Prior genannt (Anhang), 1340 Bruder Ludolf von Goslar als solcher (Altstädt. Degedingbuch, S. 245). Vereinzelt kam es vor, dass Kommende und Priorei auseinanderfielen, wie im schwerinischen Güterbesitz mit der Kommende Kraak und der Priorei Eixen. Während wir im Kommendator den Leiter der Gesammtkommende zu erblicken haben, war der Prior wohl der geistliche Vorstand des Konvents, bezw. der Ordenspriester. In den Fällen, wo der Kommendator zugleich Priester war, vereinigte er beide Würden in seiner Person. Auch vom Priortitel gilt das, was von dem des Magisters gesagt ist, er wurde ebenfalls für das höhere Amt des Vorstandes eines Landes, einer „Zunge“ gebraucht, und in dieser Bedeutung ist er haften geblieben und zum höchsten Ansehen gelangt. Aus dem einfachen Prior für Deutschland, für Frankreich u. s. w. wurde zur besseren Unterscheidung der „Grossprior“. Wie unsicher die Benennungen noch Anfangs des 14. Jahrhunderts waren, mögen zwei Urkunden von 1313 ergeben: in einer, welche der Grossprior ausstellte, bezeichnete er sich als „humilis prior sacre domus hospitalis S. Johannis“ etc.; während der Rath von Werben ihn nannte Magister und Prior (Riedel VI, 22, 402). Ueber den Präceptor, den Herrenmeister, ist an anderen Orten gehandelt. Beachtenswerth erscheint, dass man die Präceptorwürde anfangs als nicht recht vereinbar mit der des Kommendators angesehen zu haben scheint. Gebhard von Bortfelde liess für Braunschweig einen anderen Kommendator ernennen, während er in dem weniger wichtigen Goslar das Kommendatoramt wohl beibehielt; vielleicht, weil man den Ort nicht mehr als zu seinem Präceptorbereiche gehörig ansah. Sein Nachfolger Hermann von Warberg gab beide von ihm innegehabten Kommenden auf; für Nemerow findet sich schon 1351 Graf Adolf von Schwalenberg als Nachfolger,¹) für Werben 1355 Albrecht von Danneberg (Riedel VI, 82). ¹) Jahrb. IX, 70, Riedel VI, 32. Lisch zählt zur Präceptoratszeit Hermanns von Warberg vier Kommendatoren für Nemerow hinter einander. Die Würde wurde also stets wieder neu besetzt.