III. Verschiedene Archive.
Unter „Verschiedene Archive“ ist alles Material zur Geschichte des Johanniter-Ordens nach Ortschaften und Archiven eingeordnet, so weit es sich nicht im Geh. Staats-Archive befindet. Eine genaue Feststellung, wohin die vielen verstreuten Actenstücke gekommen sind, lässt sich nur durch weite Reisen und eingehende Forschungen an Ort und Stelle machen. Für solche ist aber die Zeit noch nicht gekommen. Ich theile deshalb nur vorläufig mit, worüber ich Auskunft zu geben vermag, der Zukunft das Weitere überlassend.
A. Actenstücke.
Unbekannt.
Das Repertorium vom Ordens-Archiv IV im Geh. Staats-Archive, verzeichnet, Fach 110: Verschiedene Sachen (15., 17., 18. Jahrh.). — Fach 111: Das Ordens-Archiv betreffend (16. bis 18. Jahrh.). — Fach 113: Rescripta et Relationes (17. Jahrh.). — Repertorium V: Fach 125, 126: Entfremdete Ordensgüter; Tafelgut Heinersdorf, Topper etc. (16. u. 17. Jahrh.). — Fach 127: Jurisdictions-Streitigkeiten (17. Jahrh.). — Fach 128: Eröffnete und publicirte Testamente (16. bis 18. Jahrh.). — Von diesen Actenstücken ist am Rande nicht vermerkt, wohin sie gekommen sind; wahrscheinlich nach Frankfurt a. O.
Berlin
(vergl. Charlottenburg).
Bureau des Johanniter-Ordens W., Potsdamerstrasse 134c. Nach Angabe des Herrn Geh. Hofrath Herrlich befinden sich im Bureau keine älteren Archivbestände. Dagegen werden dort alle Acten seit der Wiederaufrichtung des Ordens im Jahre 1852 verwahrt.
Kammergericht. Nach Angabe des Repertoriums vom Ordensarchive V im Geh. Staats-Archive sind Lehnssachen des Ordens an das Kammergericht zu Berlin abgegeben. Vergl. hinten S. 167. Auch zu Fach 129 ist vermerkt: geht nach Berlin ins Staats-Archiv fürs Kammergericht.
Ministerium für Landwirthschaft. Herr Kanzleirath Rieger theilte mir mit, es befänden sich dort: Acta betr. Uebersichten von den Gütern und Revenüen der zu dem aufgehobenen vorm. Malteser- oder Johanniter-Orden . . gehörig gewesenen Besitzstände, innerhalb der Preuss. Monarchie 1840.
Im Finanzministerium ist nichts ermittelt worden.
Braunschweig.
Stadtarchiv. Herr Professor Dr. Hänselmann theilte mir die Regesten von 4 Schriftstücken aus dem Stadt-Archive mit. Or. No. 1468 vom Jahre 1543. Vergleich zwischen dem Komthur zu Supplingenburg und der Stadt Braunschweig. — Or. No. 1631 vom Jahre 1570. Vertrag zwischen der Stadt Braunschweig einer- und Fritz v. d. Schulenburg und Dietrich von Quitzows Wittwe andererseits wegen des Johanniter-Priorathofes in Braunschweig. Acta VI, 2 No. XXIII 1605 und Or. No. 1904, 1629, beide auf den Priorathof bezüglich.
Breslau.
Staats-Archiv. Nach Angabe des Herrn Archivars Dr. Ribbeck befinden sich im Staats-Archive: einige Schreiben über die Verfolgung des Herrenmeisters Franz Neumann und dessen Aufenthalt in Schwiebus 1566; dann Actenstücke über die Anwartschaft auf das Herrenmeisterthum für einen der beiden Söhne Georgs von Brieg, 1575. Im Staats-Archive sind auch Regesten des böhmischen Grosspriorats zu Prag, so weit sie schlesische Verhältnisse berücksichtigen.
Charlottenburg.
Königliches Haus-Archiv. Nach Angabe des Herrn Geh. Archivrats Dr. Grossmann befinden sich im Königlichen Haus-Archive Personal- und sonstige Acten über die Herrenmeister aus dem Hause Hohenzollern. Die Acten des Prinzen Ferdinand über seine Beziehungen zum Johanniter-Orden beginnen 1731. Ins Königl. Haus-Archiv sind auch die 6 Bände Acten gelangt über die Auflösung der Balei Brandenburg von 1810, 1811, welche anfangs in der Domänenkammer des Prinzen Ferdinand verwahrt wurden, von dieser an den Prinzen August übergingen und dann ins Finanzministerium kamen. (Dienstacten des Geh. St.-Arch., Bestand No. IV vol. 13a, 1816 Mai 28 und Mai 30 und Rep. 31. 23c. Das Geh. Staats-Archiv besitzt ein Inhaltsverzeichnis jener Bände (ibid.).
Königliche Hofkammer. Auf meine Anfrage wurde mir mitgetheilt, dass sich keine Acten des Johanniter-Ordens im Archive der Königl. Hofkammer befinden.
Collin.
Das Repertorium vom Ordens-Archiv I im Geh. Staats-Archiv verzeichnet zum Amte Collin (Fach 34—37): dieses Ordens-Amt sei vom Herrenmeister Prinz Ferdinand verkauft worden und deshalb 1811 die Acten, welche dasselbe und die dazu gehörigen Dörfer Wittichow und Streblow betreffen, an den Ober-Amtmann Thiede zu Collin abgegeben, mit Ausnahme einiger Generalacten. Das ziemlich umfangreiche Material umfasst die Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.
Cöslin.
Das Repertorium vom Ordens-Archive IV im Geh. Staats-Archive bezeichnet als abgegeben an die Regierung in Cöslin Fach 92—95: Kommende Schievelbein, 16. bis 18. Jahrhundert. Nach Angabe aus dem Staats-Archive in Stettin sind diese Acten noch nicht dorthin gelangt.
Dresden.
Vom Königl. Sächsischen Haupt-Staats-Archive liess Herr Geh. Archivrath Dr. Hassel mir folgende eingehenden Mittheilungen zukommen.
1. „Sonneburgische Abschickung de 1604 von Churfl. D. zu Brandenburg. Marggraff Friedrichen zu Brandenburg Wahl zum Coadjutor des Meisterthums in der Mark betr. 1604, item Graf Johann Moritzens zu Nassau Wahl zum Herrenmeister 1652.“ Locat 9943.
2. „Marggraf Siegismund zu Brandenburg gesuchte Intercession an den Churfürsten zu Brandenburg, das verledigte Meisterthum in der Neumark betr. 1616—1624.“ Loc. 9943.
3. „Schrifften, so zwischen Graf Adam von Schwarzenberg, Churfl. Brandenburgsch. Geheimen Rath und Appellationspräsidenten gewechselt worden in Sachen 1. das Meisterthum zu Sonneburg, 2. Differentien zwischen der Kgl. Würde in Schweden und Churbrandenburg des Tituls halben .... etc.“ Loc. 9943.
4. „Anderes Buch Niederlausitzische Sachen anno 1620—1621, darinnen zu befinden, was wegen Bestellung etlicher Aemter etc. und derer Aemter Schenkendorf und Friedland zur Balley Brandenburg gehörig, fürgelaufen.“ Loc. 9451.
5. „Was wegen der beyden Ordenshäuser in Niederlausitz, Friedland und Schenkendorf fürgangen, von den Commendatoren die Restitution gesucht .. etc. 1621, 1622.“ Loc. 9943.
6. „Das Lehnsgut Buderosa betr., darbey zu befinden, was nach Absterben desselben letzten Besitzers George Heuens, und seines hinterlassenen Söhnleins .... dessen Erziehung halber angeordnet, aber der Lehn wegen zwischen dem Churfl. Oberamt zu Lübben und der Ordens-Regierung zu Sonneburg für Streitigkeiten vorgefallen und wie solche endlich verglichen worden, anno 1638—1650“ (nicht mehr in Dresden, sondern 1859 an Preussen abgegeben).
7. „Die in Niederlausitz gelegene Ordensämter Friedland und Schenkendorf bel.“ . . . 1696—1700. Loc. 9943.
8. „Acta, einige Pfändung, so zwischen dem Städtlein Fürstenberg und denen Rampitzischen Ordensamts-Unterthanen des Dorfes Klopitz wegen des Heiligen Werders vorgegangen, betr.“ 1708—1710. Loc. 8372.
9. „Niederlausitzische und Kgl. Preussische Grenzbeziehung zwischen Bährendorff und dem Ordensorte Zeist anno 1707.“ Loc. 8359.
Einzelne auf Ordenssachen bezügliche Schriftstücke finden sich auch in Actenbänden andern Inhalts, so z. B. ein Schreiben der Ordensregierung zu Sonnenburg an König August II. betr. Getreideausfuhr aus den Ordensbesitzungen Friedland und Schenkendorf, vom 8. November 1698, dann in
10. „Päckchen des Bischoffs von Raab Briefe an Kgl. Majestät.“ Loc. 8572.
Ferner Schreiben betr. eine Differenz Mecklenburgs mit dem Orden wegen der Komthurei Mirow, in
11. „Fürstlich Mecklenburgische Briefe an Churfürst Augusten zu Sachsen. 1569—1571.“ Loc. 8514, und über dieselbe Angelegenheit auch noch:
12. „Copey des Vertrags zwischen Herzog Ulrichen zu Mecklenburg und dem Herrenmeister wegen Restitution der Compturey Mirow und Denomination Herzog Carls zu Mecklenburg zum Comptor 1568, und Sonnenburgischer Abschied de anno. 1569.“ Loc. 9780.
Ausser diesen speciell auf die Balei Brandenburg bezüglichen Schriftstücken sind noch einige Acten über sonstige allgemeine Ordens-Angelegenheiten und besonders über Ordensbesitzungen (wie die in Thüringen, Kommende Weissenesee etc.) vorhanden. — Vergl. Delaville le Roulx, Cartulaire général de l’ordre des Hospitaliers I, p. CLXXIX.
Frankfurt a. O.
Im Regierungs-Archive zu Frankfurt a. O. befindet sich eine Abtheilung: Acten der Ordens-Domänenkammer (Ordens-Regierung) zu Sonnenburg. Darüber geben Auskunft 4 Specialrepertorien aus der Ordenszeit und mehrere neuere Repertorien. — Das Repertorium vom Ordens-Archive im Geh. Staats-Archive nennt als abgegeben an die Frankfurter Regierung: Sachen des Amtes Neuendorf (Fach 17) und Zehden (Fach 18), im 17. Jahrhunderte beginnend. — Amt Rampitz (Fach 22 bis 26) 16., 17., 18. Jahrh., Amt Rampitz und Windmühlenbau zu Ziebingen (Fach 22) 17., 18. Jahrh., Rampitz mit Balckow (Fach 22) 17., 18. Jahrh., Rampitz mit Schiedlo (Fach 22) 16., 18. Jahrh., Rampitz mit Baron v. Löben (Fach 22) 17., 18. Jahrh., Rampitz mit Tammendorff (Fach 22) 18. Jahrh. — Amt Grüneberg (Fach 31—33) 16., 17., 18. Jahrh. — Amt Schenckendorff (Fach 58—61) 16., 17., 18. Jahrh. — Amt Friedland (Fach 62—65) 15., 16., 17., 18. Jahrh. — Friedland und Schenckendorff (Fach 70—78, 204, 205, davon einiges an das Geh. Staatsarchiv abgegeben) 16., 17., 18. Jahrh. — Zollsachen (Fach 114, Vol. I) 16., 17., 18. Jahrh. — Ordens-Haus zu Cüstrin (Fach 84) 16. bis 18. Jahrh., Ordens-Haus zu Frankfurt a. O. (Fach 84) 16. bis 18. Jahrh. — (Fach 85) Stadt Sonnenburgische Sachen. Vol. I Prediger-, Kirchen- und Schulsachen. Von einigen derselben steht am Rande, sie seien ans Geh. Staats-Archiv abgegeben, doch sind sie hier bisher nicht gefunden worden. 15. bis 18. Jahrh. — Fach 86 Vol. I: Fisch- und Krebshandel der Sonnenburger Kietzer und der Dörfer Priebro, Limmeritz und Kriescht; Vol. II: Lachs-Fohren oder Forellen-Fang; Vol. III: Drossensche Landreiterei; Vol. IV: Gränzsachen des Ordensamtes Sonnenburg; Hütungsstreit mit Wilckersdorff (16. bis 18. Jahrh.). — Fach 87, Vol. I: Amt Sonnenburgische Sachen. Erb-Verpachtung der Ordens-Aemter und Vorwerke, Priebrowische Fischer (17., 18. Jahrh.); Vol. II: Arrende Sachen des Amts Sonnenburg (16. bis 18. Jahrh.). Vol. III: Besoldungs- und Deputat-Sachen (17., 18. Jahrh.). — Fach 88, Vol. IV—VII: Amt Sonnenburg angehende Sachen (16. bis 18. Jahrh.). — Fach 89, Vol. VIII—XI (16. bis 18. Jahrh.). — Fach 90, Vol. III: Accise Sachen (17., 18. Jahrh.). Vol. IV: Jagd- und Forstsachen (16., 17. Jahrh.). Vol. V: Varia (17., 18. Jahrh.). — Fach 91, Vol. I: Die Branntwein-Ziese (17. Jahrh.). Vol. II: Bona vacantia (17. Jahrh.). Vol. III: Brau-Ziese (16. bis 18. Jahrh.). Vol. IV: Streit wegen Strafen (17. Jahrh.), Bestellung des Ordens-Advocat Fisci (17. Jahrh.) Varia. — Lehn-Pferde (Fach 114, Vol. II) 16. bis 18. Jahrh. — Ordens Inventaria (Fach 115—117) 16 bis 18. Jahrh. — Stadt Zielenziq (Fach 118) 16. bis 18. Jahrh. — Kommende Lagow (Fach 119—124, 180—183) 15. bis 18. Jahrh. — Lagowsche Rechnungen (Fach 131) 1659, 1660. — Zins-Register von Lagow 1660—1670. — Sonnenburgische Schlosssachen (Fach 135) 17., 18. Jahrh. — Lehn-Schulzen, Amt Sonnenburg-Limritz (Fach 156) 1426 und 16. Jahrh. — Privilegia der Stadt Sonnenburg, hauptsächlich Innungs- und Gewerbebriefe des 18. Jahrh. (Fach (164). — Privilegia der Stadt Zielentzjq (Fach 165). — Privilegia der Stadt Friedland (Fach 165). — Kirchen-Rechnungen 1560—1710 (Fach 166 bis 168). — Kirchenacta von Kriescht, Mauskow und Albrechtsbruch (Fach 169). — Hospital-Rechnungen (Fach 170) 1692—1707. — Rittergelder (Fach 170). — Kirchen-Visitationes (Fach 170). — 1849 erfolgte eine umfangreichere Ablieferung von Ordensacten aus der Königl. Hofkammer an das Geh. Staats-Archiv, die sie aber grösstentheils an die Regierung in Frankfurt weiter gab. Nach den Dienstacten des Geh. Staats-Archivs, Bestand IV, Vol. 37 waren es Acten des Amtes Friedland 18. und 19. Jahrh., des Amtes Schenckendorf 17. bis 19. Jahrh., des Amtes Rampitz 18., 19. Jahrh., von Schenckendorf, Friedland und Rampitz 1770.
Oberlandes-Gericht. Das Repertorium vom Ordens-Archiv V im Geh. Staats-Archive giebt an, dass Lehnsachen des Ordens an das Ober-Landesgericht zu Frankfurt abgegeben seien. Vergl. hinten S. 167. Noch besonders ist verzeichnet bei Fach 144 Consens-Acten der Capitalien für den Wartebruch 1774: „befindet sich beim Ober-Landesgericht in Frankfurt“. Ein Theil der Johanniter-Sachen scheint gestohlen zu sein (vergl. S. 130 Ueberlieferung des Materials).
Goslar.
Stadt-Archiv. Von Herrn Oberlandesgerichtsrath G. Bode in Braunschweig und Herrn Prof. Dr. Holschen in Goslar erhielt ich die Mittheilung, dass die Urkunden des Goslarer Johanniterstiftes verloren zu sein scheinen und dass Angehörige des Ordens nur selten auf städtischen Urkunden vorkommen. Ueber den Prioratshof zu Goslar vergl. S. 149, 163.
Hannover.
Staats-Archiv. Nach Angaben des Herrn Archivrahts Dr. Doebner enthält das Staats-Archiv in Hannover nur wenig auf den Orden Bezügliches. Unter den Kopialbüchern (XII, 9b) befindet sich ein Heft mit 5 Kopien des 17. und 18. Jahrhunderts, betreffend das Verhältniss der Kurfürsten von Brandenburg zur Balei Brandenburg 1382—1622. Dann giebt es Acten über die Kommende Gartow, 1690—1691 u. a. Vergl. den Aufsatz im Neuen Vaterländischen Archiv, Jahrgang 1830, I, S. 138—158 und die von Mithoff, Kunstdenkmale und Alterthümer im Hannoverschen, IV, S. 77 angeführten Urkunden bei Sudendorf. Ferner: eine Anzahl Actenstücke betr. die Erlaubniss zur Annahme des Johanniter-Ordens und Urlaub zur Reise nach Sonnenburg, aus den Jahren 1790—1858.
Karlsruhe.
General-Landes-Archiv. Nach dem Berichte des Herrn Geh. Archivrahts v. Weech sind die Archivalien des ehemaligen Grosspriorats Heitersheim nicht im General-Landes-Archive aufbewahrt. Dieses besitzt an Archivalien des Johanniter-Ordens, neben einer Anzahl kaiserlicher und päpstlicher Bestätigungen von Ordensprivilegien, ausschliesslich Specialurkunden, bezw. Sammlungen von solchen (in den Kopialbüchern), welche sich auf die heute badischen Besitzungen der ehemaligen Kommenden Heitersheim, Villingen u. s. w. beziehen. Sehr eingehende Angaben über die Ordensbestände im General-Landes-Archive giebt Delaville le Roulx, Cartulaire général de l’ordre des Hospitaliers I, p. CLXIX—CLXXII. Danach umfassen dieselben drei Haupttheile: Repertorien, Copialbücher und Actenstücke. Letztere zerfallen in Generalia mit 18 Fächern (1—11 königliche Privilegien von 1227 bis 1780) und Specialia mit 98 Fächern (diese alphabetisch nach Ortschaften geordnet, Heitersheim 37—41 vom Jahre 1271 bis 1787). Für alles weitere ist auf Delaville zu verweisen.
Königsberg.
Staats-Archiv. Die Mittheilungen des Herrn Archivratsh Dr. Joachim und die Angaben Delavilles le Roulx, Cartulaire général de l’ordre des Hospitaliers I, p. CCXII, ergeben Folgendes: Das Staats-Archiv enthält über den Johanniter-Orden, zumal über dessen Besitzungen in Brandenburg und Pommern, zahlreiche Stücke, die indessen ungemein zerstreut liegen und nur mit grossem Zeitaufwande gesammelt werden können. Die ältesten Sachen sind 16 Urkunden aus der Zeit von 1198 bis 1370, meistens Schenkungen der Pommerherzöge an den Orden. Namentlich dadurch, dass der Deutsch-Orden 1402 die Neumark erwarb, trat er in vielfache Beziehungen zu den Johannitern. Letztere stellten sich wiederholt auf Seite der Polen und Hussiten, welche gewöhnlich mit den Deutschrittern im Kriege lagen, was zu Zerwürfnissen zwischen den beiden Orden führte. Daneben tauchten immer wieder Pläne einer Vereinigung der beiden Orden auf. Zahlreiche Briefe der Ordensprokuratoren in Rom behandeln dieses Project das ganze 15. Jahrhundert hindurch, bis zu den letzten Zeiten der Ordensherrschaft. Auch ein Austausch der wälschen Besitzungen des Deutschordens gegen neumärkisch-pommersche Güter des Johanniter-Ordens wurde wiederholt angeregt. Namentlich von 1402 bis 1455 sind die Berührungen der beiden Orden zu einander so lebhaft, dass sie mehrere tausend Stücke umfassen. — Gedruckte Litteratur: „Von den Johanniter-Rittern in Pomerellen“, in den „Preuss. Sammlungen“ 2, 1748, S. 355 bis 364. Eine Anzahl Regesten aus dem Königsberger Staats-Archive finden sich in: Joachim van Niessen, Repertorium der Urkunden zur Geschichte der Neumark, Heft III der Schriften des Vereins für die Geschichte der Neumark 1895. Es ist aber mehr Material vorhanden.
Lietzen.
Das Repertorium vom Ordens-Archive IV im Geh. Staats-Archive verzeichnet als Fach 105—109, 186—189 Kommende Lietzen. Hierbei ist mehrfach nichts am Rande vermerkt, einige Male „fehlen“. Es sind Actenstücke vom 16. bis 18. Jahrhundert. Nur einige Pergament-Originalurkunden scheinen ins Geh. Staats-Archiv gekommen zu sein. Vergl. vorne S. 156 „Unbekannt“.
Magdeburg.
Staats-Archiv. Laut Angabe des Herrn Geheimen Archivrahts Dr. von Mülverstedt befinden sich im Staats-Archive zu Magdeburg von hier in Betracht kommenden Johanniter-Sachen nur 79 Actenstücke der Kommende Werben, aus der Zeit von 1427—1805. Vergleiche auch Delaville le Roulx, Cartulaire général de l’ordre des Hospitaliers I p. CLXXIX. Acten über den Kreuzhof in Magdeburg enthält das Geh. Staats-Archiv. Rep. 31 No. 23.
Regierung. Das Repertorium vom Ordens-Archiv im Geheimen Staats-Archiv II verzeichnet als abgegeben an die Regierung in Magdeburg: Kommende Werben und Kreuz-Hof zu Magdeburg (Fach 53, 54, 55, 57) 16., 17., 18. Jahrh. — Kommende Supplingenburg (III Fach 79 bis 83), (14.), 16., 17., 18. Jahrh., zum Theil an die Regierung in Magdeburg gekommen. Fach 83 betrifft das Priorat zu Goslar seit 1497, das Priorat zu Braunschweig seit 1367, und Verschiedenes.
Oberlandes-Gericht. Nach Angabe des Repertoriums vom Ordens-Archive V im Geheimen Staats-Archive sind Lehnssachen des Ordens an das Oberlandes-Gericht zu Magdeburg abgegeben. Vergl. hinten S. 167: „B. Lehnssachen.“
Minden.
Regierung. Im Repertorium vom Ordens-Archive III des Geheimen Staats-Archivs ist verzeichnet, dass an die Regierung in Minden abgegeben sind die Sachen der Kommende Wietersheim (Fach 66—69 und 184, 185) 16., 17., 18. Jahrh. Diese befinden sich jetzt im Staats-Archive zu Münster. Vergleiche Münster.
Münster.
Staats-Archiv. Herr Director Dr. Philippi theilte mir mit, dass die Archive der verschiedenen ehemaligen Johanniter-Kommenden in der Provinz Westfalen keine Nachrichten über die Balei Brandenburg oder deren einzelne Besitzungen enthalten. Von der Regierung zu Minden sind die Acten der Kommende Wietersheim an das Staats-Archiv abgeliefert. Sie beginnen mit der ersten Hälfte des 16. Jahrh. und erstrecken sich bis zum Jahre 1816. Vergleiche Minden.
Neustrelitz.
Staats-Archiv. Herr Dr. G. v. Buchwald benachrichtigte mich, dass die älteren Urkundenbestände des Herzogthums Stargard nach Schwerin gekommen und von dort nicht wieder an Mecklenburg-Strelitz ausgeliefert seien. Die übrigen Acten des Strelitzer Staats-Archivs reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück.
Prag.
Archiv des Böhmischen Grosspriorats. Ausführlich berichtet über dasselbe: Delaville le Roulx, Chartulaire Gen. des Hospitaliers I. p. CXCV. Danach ist es eines der besterhaltenen Archive unter den Depots des Johanniter-Ordens. Es beginnt 1156. Besonders alt und wichtig sind die allgemeinen Privilegien, die Papstbullen, Erlasse des Grossmeisters und die Bestände der alten Kommenden, unter denen sich auch die schlesischen befinden (vergl. Breslau). D. No. LXX enthält die Acten des deutschen Grosspriorats. Wegen seiner Beziehungen zur Balei Brandenburg ist das Prager Archiv heranzuziehen.
Schwerin.
Geheimes und Haupt-Archiv. Herr Archivratb Dr. Grotefend sandte mir eingehende Angaben über den Bestand des Grossherzoglichen Geheimen und Haupt-Archivs, denen das Folgende entnommen ist:
I. Urkunden. — a) die Kommende Mirow betreffend. 1359, 1361, 1387, 1401, 1593. — b) Mirow und Nemerow betreffend. 1330, 1447. — c) Verschiedene Orte betreffend aus II: 1257, 1286, 1302, 1304, 1314, 1337, 1356, 1359.
II. Acten. — a) Generalia betreffend die Johanniter-Kommenden in Mecklenburg. Besonders: Acten zu den Streitigkeiten zwischen den Herzögen zu Mecklenburg und dem Johanniter-Orden wegen zu leistender Abgaben aus den Kommenden Kraak, Mirow, Nemerow und Eixen, und wegen der Mühle zu Wesenberg; 1494—1526. Davor liegen die Abschriften der Ic mitgetheilten Urkunden und Bruchstücke von Verzeichnissen der Urkunden der Komthurei Mirow.
b) Acten betreffend die Komthurei Mirow; 1490 sq. Darunter wichtige Sachen des 16. Jahrhunderts, Herrenmeister Veit von Thümen, Martin von Hohenstein, Graf zu Schwarzberg, Herzoge Wilhelm von Braunschweig, Heinrich, Albrecht, Karl, Johann Albrecht, Ulrich, Adolf Friedrich zu Mecklenburg u. a.
c) Acten betreffend die Komthurei Nemerow; 1525 sq. Beachtenswerth für das 16. und 17. Jahrhundert. Herzoge Ulrich, Adolf Friedrich zu Mecklenburg, Komthure zu Nemerow, Graf zu Stolberg u. a.
d) Acten betreffend die Komthurei Kraak; 1498—1561.
e) Drei Actenstücke, betreffend die Priorei Eixen; 1452, 1517, 1532.
Vergleiche auch: Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte. I 197 ff., II 51 ff., 213 ff., IX 28 ff., 97 ff., 249 ff., XLI 106 ff.
Sonnenburg.
Herr Geheime Hofrath Herrlich bestätigte mir, dass sich im Ordensschlosse zu Sonnenburg keine Urkunden und Acten des Johanniter-Ordens befinden. — Ob nicht bei der Auflösung des Ordens-Archivs ein Theil der Acten in Sonnenburg verblieben ist? darüber vergleiche vorn S. 156 „Unbekannt“.
Stettin.
Staats-Archiv. Herr Geheime Archivath Dr. v. Bülow machte mir folgende Angaben über das Staats-Archiv in Stettin. In dem Urkunden-Archive ist keine Gruppe für den Johanniterorden vorhanden, sondern es finden sich nur in verschiedenen Abtheilungen einzelne Stücke, welche auf denselben oder auf einzelne seiner Mitglieder verweisen. Dagegen enthalten das Herzogliche Stettiner und das Herzogliche Wolgaster Archiv mehrere grössere Gruppen auf den Orden bezüglicher Acten. Hierhin gehören vom Stettiner Archiv Titel 87 von Pars I, in welchem sich unter dem Rubrum „Herrenmeister- und Comtur-Sachen“ eine Reihe von Acten-Convoluten aus dem 16. und 17. Jahrhundert befindet; Titel 66 von Pars I, die Kommende Wildenbruch betreffend, Acten des 16. und 17. Jahrhunderts. Vom Wolgaster Archiv kommt namentlich in Betracht der Titel 73, welcher sich auf die Herrenmeister in Sonnenburg bezieht und auch Acten über die Kommende Wildenbruch enthält. Ausserdem giebt es in verschiedenen Abtheilungen gelegentliche Notizen, welche sich für die Geschichte des Ordens verwenden lassen.
Regierung. Das Repertorium vom Ordens-Archiv I nennt als an die Stettiner Regierung abgegebenen Fach 1—11, enthaltend Wildenbruch und Pommer’sche Sachen; Stadt Bahn und Kommende Zachan. Es sind Bestände, welche im 16. Jahrhundert beginnen. Fach 28 Vol. I. Streit zwischen dem Herrenmeister Graf von Hohenstein und S. Marien zu Alt-Stettin. Nach Angabe aus dem Staats-Archive zu Stettin sind diese Sachen noch nicht dorthin gelangt.
Ober-Landesgericht. Das Repertorium vom Ordens-Archive I nennt als an das Ober-Landesgericht abgegebenen Fach 11 (Pansin), 12. Sachen des Lehnsgutes Pansin und Walckow, im 15. Jahrhundert beginnend. Ausserdem ist in V vermerkt, dass ein Theil der Lehnssachen des Ordens jener Behörde überwiesen sei. Vgl. S. 167: „B. Lehnssachen“. Nach Angabe aus dem Staats-Archive in Stettin sind obige Archivalien noch nicht dorthin gekommen.
Gymnasium. Der Ordensrath König berichtet in seiner Geschichte des Johanniter-Ordens (Geh. St.-A. Rep. 92, König 327) S. 594: eine Anzahl Johanniter-Urkunden befänden sich in der ungedruckten Urkundensammlung des sel. Herrn v. Dreger, welche nach dessen Tod der Minister Hertzberg erwarb und sie dann durch Testament dem Königl. Gymnasium zu Stettin zum Eigenthum vermachte.
Stockholm.
Reichs-Archiv. Bei den Berührungen, die Schweden im 30jährigen Kriege und durch seine vorpommerschen Besitzungen mit dem Johanniter-Orden hatte, ist anzunehmen, dass sich im Staats-Archive Materialien befinden, die für den Orden in Betracht kommen.
Warschau.
Haupt-Archiv des polnischen Reichs. Bei den Beziehungen des Johanniter-Ordens zu Polen ist zu erwarten, dass sich darüber Schriftstücke in Warschau vorfinden, wenn sie nicht verloren gegangen oder anderswohin gekommen sind. Vergl. vorn S. 133 unten.
Wolfenbüttel.
Landes-Haupt-Archiv. Nach Angabe des Herrn Archivdirectors Dr. Zimmermann und derjenigen in Delaville le Roulx, Cartulaire général de l’ordre des Hospitaliers I, p. CCXII befinden sich im Landes-Haupt-Archive, unter der Bezeichnung Johanniterorden, eine kleinere Abtheilung von 29 Originalurkunden, welche sich auf die Kommende Supplingenburg und die Propstei St. Johann in Braunschweig beziehen, aus der Zeit von 1224—1454, und einige Stücke in anderen Fonds von 1313—1452. Dann sind dort die eigentlichen Acten der Komthurei Supplingenburg von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Sie bieten mancherlei Nachrichten über die Beziehungen der Komthurei zum Orden, so über Theilnahme an den Generalkapiteln, über die Entrichtung der Responsgelder, die Vertheilung der Kosten wegen des vom Orden in Berlin gekauften gräflich Truchsess’schen Hauses, über Beschwerden des Ordens gegen das fürstlich Braunschweigische Haus wegen Contributionsforderungen, über Streitigkeiten wegen Besetzung der Komthurei u. dgl.
B. Lehnsachen.
Das Repertorium vom Ordens-Archiv V im Geheimen Staats-Archive verzeichnet bei der Abtheilung „Repertorium der Lehnsachen“, dass sämmtliche in demselben aufgeführten Lehns-Acten abgegeben seien an das Kammergericht zu Berlin und an die Oberlandesgerichte zu Frankfurt a/O., Stettin und Magdeburg.
Fach 132. Wildenbruch’sche Rechnungen (1617—1628). — Fach 133. Zehden’sche Rechnungen (1637, 1638). — Fach 134. Neuendorf’sche Rechnungen (1603—1605). — Fach 136. Amt Sielo. — Fach 137. Festungsbau-Sachen zu Cüstrin, Landsberg und Driesen. — Fach 138. Erbauung des Ordenspalais zu Berlin. — Fach 139. Marsch-Sachen, Einquartierung und Contribution des kaiserlichen Kriegsvokes 1626 bis 1628. — Fach 140. Alte Bestallungen und Eide der Ordensbedienten und Unterthanen. — Fach 142. Einquartierungs-, Marsch- und Contributions-Sachen 1634—1638. — Fach 143. Schreiben an den Statthalter von Schlieben 1690—1698. — Fach 144. No. 3. Acta ingrossationis wegen Capitalien für den Oderbruch 1783. — Fach 145. Was der Landesherr in Lehns-Sachen verordnet. — Fach 146. Lehns-Sachen: Bischoffsee 1610—1731; Buchholz 1583—1762; Döbbernitz, Hammer-Stücke 1569—1763; Grabow? — 1731; Grünwald? — 1763; Grähden und Matschdorf 18. Jahrh. — Fach 147. Lehns-Sachen: Hildesheim 16. bis 18. Jahrh.; Kurschbaum 17., 18. Jahrh.; Kleingander 1569—1762; Klebow 1731—1762; Leichholtz 17., 18. Jahrh.; Lindow 16. bis 18. Jahrh.; Matschdorf und Grähden 16. bis 18. Jahrh.; Malsow 17., 18. Jahrh.; Ostro 16. bis 18. Jahrh. — Fach 148. Lehns-Sachen: Schönow 16. bis 18. Jahrh.; Selchow 16. bis 18. Jahrh.; Spiegelberg 16. bis 18. Jahrh.; Sonnenburg 17., 18. Jahrh.; Topper 16. bis 18. Jahrh.; Ziebingen 1583—1767; Zielentzig 16. bis 18. Jahrh.; Belitz’scher Mühlenteich 1716—1731. — Fach 150. Pommersche Lehns-Sachen. Pansin 17., 18. Jahrh.; Baschkewitz 18. Jahrh.; Suckow 16. bis 18. Jahrh.; Neulin 17., 18. Jahrh.; Sallenthin 17., 18. Jahrh.; Billerbeck 17., 18. Jahrh.; Zartzig 16. bis 18. Jahrh.; Steinwehr 17., 18. Jahrh.; Wulckow 16. bis 18. Jahrh.; Brederlow 17., 18. Jahrh.; Brüsewitz 17., 18. Jahrh.; Rugenhagen (fehlt). — Fach 151. Mittelmärkische Lehns-Sachen Tempelberg 16. bis 18. Jahrh.; Heinersdorff und Hackenow 16. bis 18. Jahrh.; Friedersdorff 17., 18. Jahrh.; Marienfeld, Mariendorf, Tempelhof, Reichsdorff 16. bis 18. Jahrh.; Tempelhof 18. Jahrh. — Fach 152. Altmärkische Lehns-Sachen. Behrendorf 17., 18. Jahrh.; Hindenburg 16. bis 18. Jahrh. — Fach 153. Niederlausitzer Lehns-Sachen: Griesen 17., 18. Jahrh.; Schenckendöbern 16. bis 18. Jahrh.; Buderosa 16. bis 18. Jahrh. — Fach 154. Neumärkische Lehns-Sachen. Tamsel, Warnick 17., 18 Jahrh.; Wartenberg 16. bis 18. Jahrh.; Ruffen. — Fach 155. Allerhand-Lehns-Sachen 17., 18. Jahrh. — Fach 156. Lehn-Schulzen. Amt Sonnenburg 15. bis 18. Jahrh.; Amt Rampitz 16. bis 18. Jahrh. — Fach 157. Amt Grüneberg 17., 18. Jahrh.; Amt Collin 16. bis 18. Jahrh. — Fach 158. Amt Friedland 16. bis 18. Jahrh.; Amt Schenkendorff 16. bis 18. Jahrh. — Fach 159. Komthurei Lagow’sche Lehnschulzen 16. bis 18. Jahrh. — Fach 160. Komthurei Lietzen’sche Lehnschulzen 16. bis 18. Jahrh. — Fach 161. Komthurei Schievelbein’sche Lehnschulzen 17., 18. Jahrh. — Fach 162. Komthurei Wildenbruch’sche Lehn. — Fach 163. Confirmationes. Erbzins-Contracte über die neuen Colonien im Krieschter Warte-Bruch. (Oberlandesgericht in Frankfurt.)