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84 Der Johanniter-Orden im östlichen Nieder-Deutschland.

oft nur kurze Lichtblicke in finsterer Nacht, welche nicht mehr als ein Halbdunkel bewirken. Die Urkunden der Mark Brandenburg, ihrer Nachbarlande und soweit sie sonst für die Zeit Gebhards von Bortfelde in Betracht kommen, sind zahlreich und zum bei weitem grösseren Theile durch den Druck veröffentlicht. Aber für Gebhard selber erweisen sie sich ungenügend und überdies so lückenhaft bekannt, dass sich noch zehn unveröffentlichte Stücke ermitteln liessen; freilich weit verstreut: im Geheimen Staatsarchive zu Berlin, im Staatsarchive zu Stettin, im Landeshauptarchive zu Wolfenbüttel, in den Stadtarchiven zu Braunschweig und Goslar. Trotz dieser unerwartet reichen Funde lässt sich doch erst durch Heranziehen aller einschlägigen Ereignisse ein auch nur einigermassen deutliches Bild des Gegenstandes gewinnen. Leider sind auch diese Ereignisse keineswegs so durchforscht, wie nöthig erscheint. Will man sich auf sie stützen und sie benutzen, so bleibt auch hier nur die selbständige Arbeit.¹) Eine Schwierigkeit erwächst aus der anderen. Die Entstehung des Herrenmeisterthums fällt in die Zeit tiefer Zerrüttung der Mark Brandenburg, ja, es scheint fast, dass diese für die Einrichtung des Amtes wichtig, dem ersten Träger desselben dann aber verhängnissvoll gewesen ist.²) Im Jahre 1319 schieden die beiden —

¹) Nur durch Mitwirkung einer Reihe von Herren war es mir möglich, diesen Beitrag in der vorliegenden Weise zu Stande zu bringen. Ich entledige mich hiermit der angenehmen Pflicht, ihnen meinen aufrichtigsten Dank auszusprechen, und zwar den Herren: Oberlandesgerichtsrath Bode in Braunschweig, Geheimer Archivath Dr. v. Bülow in Stettin, Professor Dr. Hänselmann in Braunschweig, Professor Dr. Hölscher in Goslar, Archivräthe Dr. Döhner und Dr. Krusch in Hannover, Geheimer Archivath Dr. v. Mülverstedt in Magdeburg, Archivdirektor Geheimer Rath v. Weech in Karlsruhe, Archivar Dr. Winter in Stettin, Archiv-Direktor Dr. Zimmermann in Wolfenbüttel.

²) Das Urkundenmaterial findet sich bei Riedel im Cod. Dipl. Brandenburg. und in den Urkundenwerken der benachbarten Länder, zumal im Mecklenburgischen Urkundenbuche. — Das beste über die Zeit des Markgrafen Ludwig bietet: J. Heidemann, Graf Berthold von Henneberg als Verweser der Mark Brandenburg, in Forsch. zur deutschen Gesch. XVII, S. 107—163, doch dürfte auch hiermit der Gegenstand nicht abgeschlossen sein, und überdies ist Graf Berthold die Hauptperson. Weit zurück dagegen steht Freiherr von Freyberg, Urkundliche Geschichte Herzog Ludwigs des Brandenburgers, in Abh. der K. bayer. Akademie, hist. Cl. II. Band S. 1—236. Diese Abhandlung erschien schon 1837, musste also mit völlig ungenügendem Urkundenmateriale gearbeitet werden und entbehrt auch sonst einiger wünschenswerther historischer Eigenschaften. — Eine ziemlich eingehende Lebensbeschreibung Ludwigs enthält auch die Allgem. deutsche Biographie XIX, S. 529—538 von Löhmeyer. — Sonst sind zu nennen: S. Buchholz, Versuch einer Geschichte der Churmark Brandenburg II, S. 358ff; C. F. Pauli, Allgem. preuss. Staats-Gesch. I, S. 388ff; K. Ch. F. W. Lützow, Versuch einer pragmatischen Geschichte von Mecklenburg II, S. 78ff; F. W. Barthold, Geschichte von Rügen und Pommern III, S. 164ff; O. Fock, Rügensche-Pommersche Geschichten III, S. 64ff; J. Ch. Dithmar, Herrenmeister des Johanniter-Ordens S. 20 ff.