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Gebhard von Bortfelde, der erste Herrenmeister. 85
mächtigsten Wettkämpfer um die Vorherrschaft in Nordostdeutschland kurz nach einander aus dem Leben. Am 19. August starb der Markgraf Waldemar von Brandenburg, und am 13. November König Erich von Dänemark. Dem willens- und thatkräftigen Waldemar folgte sein Neffe Heinrich, ein schwächlicher Knabe, der schon im nächsten Jahre verschied. Und um das Uebel für die Mark voll zu machen, erlosch mit ihm das Haus Albrechts des Bären, während Ludwig der Bayer und Friedrich von Oesterreich um die Kaiserkrone haderten. Es fehlte also daheim die feste Hand und zugleich die einer obersten Reichsgewalt. Die Mark Brandenburg war wie ein herrenloses Land geworden. Dies benutzten die selbstsüchtigen Nachbarn für ihre Sonderzwecke: der König von Böhmen, die Fürsten von Sachsen, Braunschweig, Pommern, Schlesien und Mecklenburg und der Erzbischof von Magdeburg. Alle suchten Rechte und Landbesitz an sich zu reissen. Da erfolgte am 28. September 1322 die Schlacht bei Mühldorf, welche das Kaiserthum aus dem Zwiespalt und die Mark aus der Zerrissenheit befreien sollte. Der siegreiche König Ludwig betrachtete die Mark als heimgefallenes Lehn und überwies es seinem Sohne Ludwig I.¹) Aber dieser war noch ein Knabe von 8 Jahren; das Land schien also aus der Regierungsunmündigkeit nicht herauskommen zu sollen, so sehr es eines festen Armes bedurfte. Hier ist nun König Ludwig selber mit der ihm eigenen Rührigkeit und nicht ohne Geschick eingetreten. Er persönlich hat in der arsten besonders schweren Zeit die Politik für die Mark geleitet. Zunächst war es leichter, sie zu verleihen, als sie in Besitz zu nehmen, weil ein grosser Theil derselben von den Nachbarn besetzt und das bayerische Haus im Lande fremd und ohne Verdienste war. Dennoch hatte das Kind einen Rechtstitel, wie er den Nachbarn fehlte; es allein bot wirklichen Rückhalt und die Noth der Zeit drängte die besseren Elemente, woran die Stadt Brandenburg, sich ihm anzuschliessen. Klug machte König Ludwig zur Richtschnur seines Handelns: im Innern die Städte und Stände durch Verleihungen und richtiges Entgegenkommen zu gewinnen, nach aussen die begehrlichen Nachbarn durch Zugeständnisse abzufinden, ja sie womöglich auf seine Seite zu ziehen.
Die Verleihung der Mark Brandenburg an den jungen Ludwig wird im März oder April 1323 auf dem Reichstage zu Nürnberg geschehen sein. Hier in Nürnberg begann auch die Politik des Königs sich zu entwickeln. Schon am 4. Mai verglich er sich gütlich mit Herzog Otto von Braunschweig wegen der Altmark. Der Belehnung des Sohnes
¹) Vergl. auch Salchow, Der Uebergang der Mark Brandenburg an das Haus Wittelsbach (Hallische Beiträge zur Gesch.-Forsch. Halle 1893). S. 43 ff.