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54 Der Johanniter-Orden im östlichen Nieder-Deutschland.

Wir dürfen hierin das Auffallende der anfänglichen Güterübertragung an Mirow und den Orden sehen. Hätte Werben sie in die Hände bekommen, so hätte es dieselbe festgehalten und sicherlich nicht die Begründung einer zweiten brandenburgischen Kommende zugegeben. Anders das werlesche Mirow; es betrachtete wohl von vorne herein die Zuweisung brandenburgischen Gebietes an den Orden nur als Uebergang zur Selbständigkeit. Wie die Dinge lagen, konnte eine neue brandenburgische Kommende durch Fürstengnade nur gegen den Willen Werbens emporkommen. Werben wurde damit von einer gesamtbrandenburgischen Kommende zu einer linkselbisch-altmärkischen, während die neue Stiftung nach der Lage ihrer Güter die eigentlich mittel-märkisch-neumärkische war und in Zukunft noch mehr werden konnte. Wie nahe lag nicht die Gefahr, dass sie das Wohlwollen der Landesfürsten fesseln würde. Und diese Gefahr sollte sich noch steigern.

Der neue Kommen dator von Gardow, Ulrich Schwabe, stand in allernächsten Beziehungen, sowohl zu den mecklenburgischen Fürsten, als auch zu dem brandenburgischen Markgrafen, dessen Geheimer Rath er war. Am 15. Mai 1298 erhielt dieses Verhältnis greifbaren Ausdruck: Ulrich kaufte von einem Ritter für den Orden die Güter von Nemerow, dieser verabfolgte sie ihm vor seinem Lehnsherrn, worauf der Markgraf sie an obigem Tage dem Johanniter-Orden mit fast unbeschränkter Herrschaft über Bewohner und Dörfer verlieh. Während seiner Lebzeit sollte Ulrich Komthur für diese Güter bleiben. Damit war die Stiftung von Nemerow vollzogen. Gardow und Nemerow befanden sich in einer Hand. Die Mark besass jetzt nicht blos eine gewöhnliche, sondern eine Doppelkommende unter landesherrlichem Schutze; der Stern Werbens schien völlig erbleichen zu sollen.

Da trat eine wichtige politische Wandlung ein, die das Schlimmste für Werben abwandte. Der junge Fürst Heinrich von Mecklenburg heirathete Albrechts zweite Tochter, in Folge dessen das Land Stargard, wohl Ende 1298 oder 1299, in den Besitz des Schwiegersohns kam. Nemerow lag im Stargardischen und wurde nunmehr mecklenburgisch; es rückte also dynastisch Mirow nahe und Werben war wieder die einzige, oder falls eine zweite Kommende Gardow im Dannebergerschen an der Elbe vorübergehend bestand, so war es doch die weit vorwiegende Johanniter-Stiftung der Mark. Immerhin wurde es auch jetzt durch die überragende Persönlichkeit Ulrich Schwabes und durch die Güterausdehnung von Mirow niedergehalten. Gestützt auf die Gunst des Landesherrn scheint Ulrich sogar eine Oberhoheit über die Kommenden des Nordostens angestrebt zu haben, was ihm wohl nur deshalb nicht gelang, weil die Ordensleitung, voran das Grosspriorat, ihm widerstrebten.